Tourismussaison war insgesamt 2017 am Edersee besser als ihr Ruf

"Deutschlands Atlantis": Der Edersee braucht eine neue Strategie

Edersee. Drei Jahre in Folge hatte der Edersee mit niedrigen Wasserständen zu kämpfen. Die Tourismusregion zeigt bislang keine Ansätze, wie sie darauf reagieren will, wenn es sich um keine zufällige Häufung handelt, sondern wenn große Trockenheit künftig regelmäßig die Talsperre zur Hauptsaison trifft.

„Es fehlt an einer Strategie“, sagt Claus Günther, Geschäftsführer der Edersee-Touristic. Auf eine solche Strategie müsse sich die Region aber rasch und dringend verständigen, um im Wettbewerb um Gäste zu bestehen. Die grundsätzlichen Voraussetzungen stimmen, sagt er, und verweist auf stabile Übernachtungszahlen der Gastgeber 2017 - trotz des leeren Sees

Atlantis und Weltnaturerbe: Alleinstellungsmerkmale

Für Günther sind der Nationalpark, dessen Stellung als Weltnaturerbe und das Edersee-Atlantis unverzichtbare Elemente einer neuen, von der Region gemeinsam anzulegenden Marketing-Strategie. Alle drei Komponenten stellen Alleinstellungsmerkmale im touristischen Wettbewerb dar.

Voller See "exorbitant wichtig"

Auch wenn "ein voller See exorbitant wichtig ist und ein leerer der Marke schadet", müsse man diese Alleinstellungsmerkmale zweifellos mit aller Konsequenz nutzen, fordert Günter. Unabhängig davon, ob der See zur Saison gut gefüllt ist oder nicht.

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Das Atlantis müsse schleunigst mit öffentlichen Mitteln gesichert werden, damit sich um diesen Publikumsmagneten herum nach und nach ein attraktives Erlebnis für den Gast aufbauen lässt.

Regionalität und Authentizität

„Regionalität und Authentizität spielen eine große Rolle im Wettbewerb“, unterstreicht Günther und fügt hinzu: „Nachfahren der Familien, die wegen des Edersees ihre Dörfer verlassen mussten, leben doch hier in der Region. Mehr Authentizität geht nicht.“

Wie sich Schritt für Schritt eine wachsende Wirkung erzielen lässt, sehe man am Beispiel des Schneewittchen-Dorfes Bergfreiheit. „Natürlich reicht es nicht zu sagen: Hier liegt Edersee-Atlantis“, erläutert der ET-Geschäftsführer. Die Bergfreiheiter füllten ihr Schneewittchen-Thema über Jahre mehr und mehr mit Leben, vom Laientheater über die Auftritte der Märchengruppe bis hin zum Besucherbergwerk oder dem Schneewittchenhaus.

Atlantis passt zum Grimm-Thema

Ein „deutsches Atlantis“ und die Märchenwelt der GrimmHeimat Nordhessen passen zusammen. Dazu gesellt sich mit Blick auf den Nationalpark und die Sperrmauer die Kombination „Natur und Technik“.

Die Sperrmauer markiert eine historische Phase, in der Deutschland aufstieg zu einer führenden Nation in der Entwicklung neuer Technologien und der Ingenieurskunst. Talsperrenbau, Eisenbahn, die Erfindung des Automobils und die Entwicklung der Luftfahrt waren den Zeitgenossen Symbole des Fortschritts, vergleichbar der Raumfahrt in den 1960er-Jahren.

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Die Wasserkraft als Energieträger spielte im Kaiserreich eine große Rolle. Als regenerativer Energie ist ihr die Aufmerksamkeit heute ebenso gewiss.

All diese Themen sind mit Emotionen verbunden, die sich für eine gemeinsame touristische Strategie authentisch nutzen lassen.

Ministerium widerspricht "Rettet den Edersee"

Unterdessen dementiert das Bundesverkehrsministerium die Existenz eines "Fünf-Punkte-Maßnahmenplanes" für eine andere Bewirtschaftung des Edersees. Die Initiative der Retter hatte kürzlich einen solchen Plan als einen der Erfolge ihrer Online-Petition bezeichnet. Das Ministerium weist diese Darstellung nicht nur von sich, sondern betrachtet den auf der ersten Edersee-Konferenz 2004 gefundenen Kompromiss als unumstößlich. An ihm dürfe nicht gerüttelt werden, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung.

Quelle: HNA

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