Prügel für Internet-Freund der Mutter

Für die "Ehre" der Mutter hinter Gitter

Frankenberg - Junger Mann gesteht, mit einem Freund einen Online-Bekannten seiner Mutter krankenhausreif geschlagen zu haben.

Eine schwierige Lebenssituation schilderte gestern ein 25-jähriger Mann aus Burgwald - eine Situation, die ihn erst dazu brachte, einen zwei Jahre älteren Frankenberger gemeinsam mit einem Freund krankenhausreif zu schlagen. Und die ihn deshalb jetzt hinter Gitter bringt: Acht Monate muss er auf seine Freiheit verzichten, eine Bewährung ließ Richterin Andrea Hülshorst nicht zu.

Es ist ein knappes Jahr her, als die Eltern des Mannes sich trennten. „Es war alles zu der Zeit etwas viel für mich geworden“, sagte der Mann vor Gericht: Er selbst hatte und hat Probleme mit Drogen und Alkohol, ist arbeitssuchend, auf Bewährung. Da tritt plötzlich ein weiterer Mann in sein Leben: „Er hat meine Mutter angemacht“, sagt der 25-Jährige über den Geschädigten, der als Nebenkläger auftrat. Das bestreitet jener auch nicht: In einem sozialen Netzwerk im Internet habe er die Dame kennengelernt. „Ich habe ihr ein Gedicht geschickt, das findet man ja bei Google“, sagte gestern das 27-jährige Opfer. „Ich wusste nicht, dass es seine Mutter ist“, erklärte er mit Blick auf den Angeklagten, den er aus „meiner Drogenvergangenheit“ entfernt kenne.

Nichtsahnend habe er Anfang November 2012 in einer Spielhalle gesessen, als der Angeklagte und zwei Freunde - einer davon saß ebenfalls auf der Anklagebank - die Hallen betraten. Von Videokameras festgehalten fing er sich bereits dort einen Tritt gegen das Schienbein ein - folgte aber dennoch der Aufforderung, nach draußen zu gehen. „Da habe ich einen Schlag auf den Hinterkopf gekriegt. Dann haben sie auf mich eingeschlagen“, schilderte das Opfer die Situation.

Abstreiten wollte das der Angeklagte, der mehrfach, auch einschlägig vorbestraft ist, gar nicht: „Es war meine Schuld. Ich habe ihn rausgeholt und ich habe auch zuerst geschlagen“, nahm er seinen 22-jährigen Mittäter in Schutz. Der gab an, sich an den Abend nur bruchstückhaft zu erinnern - wegen seines ungewohnt starken Alkoholkonsums. Er sei davon ausgegangen, zum Spielen in die Halle zu gehen. In die Schlägerei habe er erst eingegriffen, als diese bereits im Gange gewesen sei.

Allerdings gingen nachweislich von seinem Handy im weiteren Verlaufe der Nacht neun SMS an das Opfer: Vorgaukelnd, es schreibe die Mutter des älteren Täters, wurde der Mann nach der ersten Tat zu einer Tankstelle in der Siegener Straße gelockt. Wie er denn getröstet werden könne und dass er ordentlich versorgt werden müsse, schreibt der junge Mann zweideutig dem Verletzten. In Erwartung, seine Verehrte zu treffen, ging dieser tatsächlich zum Treffpunkt. „Da kamen die beiden um die Ecke gerannt und ich bin schnell zur nächsten Tanke, weil es da Videoüberwachung gibt“, erinnerte sich der Nebenkläger. Die beiden Angeklagten ließen von ihm ab. Dennoch musste er den nächsten Tag im Krankenhaus verbringen - und wegen starker Schmerzen seiner geprellten Rippen drei Wochen im Bett.

Auch diese Schmerzen fanden Eingang in das Urteil von Richterin Andrea Hülshorst: 1300 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz müssen die beiden arbeitslosen Angeklagten ihrem Opfer zahlen. Während der 25-Jährige in den nächsten acht Monaten auf seine Freiheit verzichten muss, trifft es den 22-jährigen besser. Nur eine nicht-einschlägige Vorstrafe im Register, muss er sechs Monate auf Bewährung in Haft. Als Auflage muss er 80 Sozialstunden ableisten. (gl)

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