Rosenthal

„Ehrenamtlich erreicht man nicht viel“

+

- Rosenthal (gl). „Die fremden Deutschen im ländlichen Raum“ lautet der Titel der preisgekrönten Masterarbeit von Agnes Happel aus Rosenthal. Sie geht auf die Integration von Deutschrussen in die deutsche Gesellschaft ein.

„Man sieht sich immer zweimal im Leben“ – dieses Sprichwort hat sich bei Agnes Happel bewahrheitet und ihr zu einer preisgekrönten Masterarbeit verholfen. Happels Weg, der in der Verleihung des Henriette-Fürth-Preises des „Gender- und Frauenforschungszentrum der Hessischen Hochschulen“ gipfelt, begann mit der Geburt ihres ersten Sohnes im Jahre 1989.

Wenig später fiel die Mauer und in Rosenthal, wo Happel lebt, zogen viele Russlanddeutsche zu. Eine von ihnen war Galina Dielmann. Wie Agnes Happel hatte sie einen kleinen Sohn. Da es in Rosenthal zu wenig Kindergartenplätze hatte, begann Happel, die beiden Kinder zu betreuen, wenn Dielmann ihren Deutschkurs besuchte. „Das war eine aufregende Zeit“, sagt Happel. Sie wurde in der Kommunalpolitik aktiv, gründete den Rosenthaler Elternverein mit, organisierte eine Hausaufgabenbetreuung an der Schule.

Auch im lokalen Bündnis für Familien war sie stark engagiert, wollte ein Netzwerk aufbauen, Räume beschaffen, ein Budget bekommen. Doch all dies kam nicht voran: „Es gab diese Erfahrung, dass man ehrenamtlich nicht all zu viel erreichen kann“, beklagt sie. Sie habe viel gearbeitet, kaum Anerkennung erhalten und erst recht kein Geld.

„Warum also sollte ich nicht etwas im sozialen Bereich studieren?“, fragte sie sich dann und landete bei einem Fernstudiengang der Fachhochschule in Fulda. Das war nach der Konfirmation ihres ältesten Sohnen. Dennoch blieben neben dem Studiengang noch die Kinder, die es zu betreuen galt. Ihr Mann ist beruflich viel unterwegs und in der Woche selten daheim. Außerdem war der Studiengang berufsbegleitend. Da Happel nach der Geburt des Ältesten aus ihrem Beruf als Krankenschwester am Marburger Universitätsklinikum ausstiegen war, musste eine neue Stelle her.

Sie bewarb sich beim Frankenberger „Treffpunkt“ und arbeitet dort noch heute. Ihren Studiengang betrieb sie „nebenbei“. „Ich weiß nicht, wie man das schafft“, sagt sie heute, gut neun Monate nach Abgabe der Masterarbeit. Lob hat sie für die Fachhochschule über: „Die Familie ging vor“, sagt sie. Wenn es nötig war, konnten Abgabefristen verlängert, Prüfungen verschoben worden. Nötig war das bei Agnes Happel kaum. Ihrem sozialen Engagement blieb Happel auch in der Themenwahl des Studiums treu. Ihre Bachelorarbeit behandelte mobile Betreuungseinrichtungen für ältere Menschen. Sofort nach dem Erreichen des Bachelorgrades schreib sie sich für den Masterstudiengang „Sozialraumentwicklung und -Orientierung“ ein. „Für den ländlichen Raum ist das von entscheidende Bedeutung“, sagt sie.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag, 21. April.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare