Zwei Frankenberger Familien vergleichen die Grundschule von heute mit der vor 50 Jahren

Eigenes Tempo statt Frontalunterricht

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Frankenberg - "Andere Zeiten, andere Sitten": Im Laufe der Jahrzehnte ändert sich doch einiges - zum Beispiel der Schulunterricht. Familie Nowak-Eckel und Familie Klem berichten darüber, wie sich innerhalb von 50 Jahren das Lernen in der Grundschule aus ihrer Sicht gewandelt hat.

Seit Dienstag gehen Lara Laureen Nowak und Sarah Klem in die erste Klasse der Frankenberger Ortenbergschule. Das stimmt jedoch nur zur Hälfte - was für Lara, Sarah und sechs weitere Kinder die erste Klasse ist, stellt für 13 andere Kinder bereits die zweite Klasse dar. Die beiden sechs-jährigen Mädchen besuchen die Klasse 1/2c und sind Teil des „Flexiblen Schulanfangs“. Das bedeutet, dass die Schülergruppen aus Erst- und Zweitklässlern bestehen, den so genannten „Minis“ und „Maxis“.

Es gibt kein Sitzenbleiben

Sarahs Mutter, Sabine Klem, musste sich an diese Schulform erst einmal gedanklich gewöhnen und sich damit auseinandersetzen, wie sie erzählt. Denn noch etwas ist anders: Es gibt kein Sitzenbleiben, die Grundschüler haben die Möglichkeit, die ersten beiden Klassen in ihrem eigenen Arbeits- und Lerntempo zu durchlaufen. Das kann nur ein Jahr dauern, aber auch drei Jahre. Während die Älteren den Jüngeren helfen, gibt es außerdem noch separate Förderung und eine zusätzliche pädagogische Betreuung. „Auf die Kinder wird individuell eingegangen, etwa auf Sprachbarrieren“, führt die Frankenbergerin aus. Für sie ist es einer der größten Unterschiede gegenüber dem Unterricht in der Grundschule, wie sie ihn als Kind erlebt hat.

Laras Vater, Paul Otto Nowak, nickt zustimmend. „Früher haben im Klassenzimmer alle dasselbe gemacht“, erinnert er sich. Dieses „früher“ liegt für Nowak mittlerweile 50 Jahre zurück. Und genau 50 Jahre nach seinem ersten Schultag wurde nun seine Tochter eingeschult. „Damals war das aber im März“, nennt Nowak einen weiteren Unterschied. Während die Kinder heute nach den Sommerferien in die erste Klasse kommen, wurden die Kinder damals im Frühjahr eingeschult.

„Bei uns war alles viel autoritärer und strenger“, erzählt der zweifache Vater weiter. Wenn der Lehrer morgens das Klassenzimmer betrat, mussten alle Schüler aufstehen und im Chor „Guten Morgen“ sagen. Während des Frontalunterrichts saßen sie auf ihren Bänken hinter ihren schrägen Pulten. So etwas kennen weder Lara und Sarah noch Laras zwei Jahre älterer Bruder Max Emanuel. Zudem war die erste Schulwoche recht entspannend.

Erst einmal einleben

„In der ersten Woche sollen sie sich erst einmal einleben und die Schule kennenlernen“, berichtet Laras Mutter Ulrike Ursula Eckel. Auch die Lernformen, mit denen den Kindern Rechnen und Schreiben beigebracht wird, seien ganz anders als während ihrer Schulzeit. Anstatt auf pures Auswendiglernen werde mehr Wert darauf gelernt, dass die Kinder logische Zusammenhänge erkennen und begreifen.

Noch etwas bewerten die Eltern positiv: Der Übergang vom Kindergarten zur Schule werde den Mädchen und Jungen recht leicht gemacht, da es bereits vor der Einschulung einen Austausch zwischen den pädagogischen Einrichtungen gebe. Trotzdem schätzen sie im Rückblick ebenso den Unterricht von damals, denn: „Aus uns ist ja auch etwas geworden.“

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