Archiv zieht in frühere Bücherei um

Einblicke in Dodenauer Dorfgeschichte

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In den neuen Räumen ist deutlich mehr Platz als unter dem Dach der alten Schule. Bernd Müller (links) und Manfred Glöser freuen sich auf regen Besuch im Dodenauer Dorfarchiv.Foto: Marco Steber

Battenberg-Dodenau - Viele Geschichten von Dodenauer Bürgern finden sich im Dorfarchiv in der alten Schule. Auch das Schicksal der beiden Auswanderer Karl und Theodor Glöser konnten Manfred Glöser und Bernd Müller aufklären.

Dem Ruf der neuen Welt folgten in den Jahren zwischen 1811 und 1880 auch 267 Dodenauer Bürger. Dies geht aus den Aufzeichnungen von Bürgermeister Johann Jost Schäfer hervor. Insgesamt verließen 294 Dodenauer ihren Heimatort, was zur damaligen Zeit einem Drittel der Dodenauer Bevölkerung entsprach. 13 Dodenauer zog es nach Preußen, zehn gingen nach Australien und vier nach Polen.

Auch die beiden Brüder Karl und Theodor Glöser wollten ihr Glück in Amerika finden. Am 28. September 1854 traten beide an Bord der „New Era“ von Bremerhafen aus ihre Überfahrt an. Was bleibt ist ein trauriges Kapitel in der Geschichte der Seeunfälle: In den Morgenstunden des 12. November 1854 zerschellte das Schiff bei stürmischer See an den Klippen vor der Küste von New York, dem Zielhafen der Überfahrt. Von den 384 Passagieren starben 230 in den Fluten. Die beiden Dodenauer schafften es, sich an einem Mast festzuklammern. Nach 24 Stunden konnten die Brüder gerettet werden. Der Mast steht noch heute als Mahnmal am nahegelegenen Strand. Karl und Theodor Glöser gingen in den Süden der Vereinigten Staaten. Vier Jahre wohnten sie in Petersbourg.

Vor allem Karl, der seinen Namen mittlerweile in Charles Glazer geändert hatte, sagte das Klima im Süden der vereinigten Staaten nicht zu. Er ließ sich in Fairmount nieder.

Zwei Jahre später zogen Charles und Theodor in den amerikanischen Bürgerkrieg. Theodor schloss sich der „North­ern Virginia Armee“ unter dem Kommando von General Robert L. Lee an. Sein Bruder Charles diente in der „1. New Jersey Cavallerie“ in Petersbourg. Sie standen sich also als Feinde gegenüber. Nach jedem Kampf suchten beide in Listen unter den Toten und Verwundeten auf dem Schlachtfeld nach dem Bruder. Ein einziges Mal nur konnten beide während des Krieges durch einen Vorposten eine Nachricht austauschen.

Theodor geriet als Südstaatler am Ende des vierjährigen Krieges in Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung machte er sich auf die Suche nach seinem Bruder. Durch die Hilfe der „Deutschen Zeitung“ in New York fand er ihn schließlich wieder. Nach 46 Jahren sahen sich beide im Haus von Charles wieder.

Diese und weitere Geschichten über Schicksale von Dodenauer Auswanderern finden sich im Dodenauer Dorfarchiv. Seit Anfang September befindet sich das Archiv im Erdgeschoss der alten Schule. In der ehemaligen Bücherei seien auch die klimatischen Bedingungen für die historischen Dokumente wesentlich besser. Zuvor befand sich das Dorfarchiv im Dachgeschoss des Gebäudes.

Vorm Müll retten

Beim Aufbau des Dorfarchivs ist der Verein „825 Jahre Dodenau“ auf die Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen. Momentan suchen die Mitarbeiter des Archivs nach Bildern von Dodenauer Soldaten. „Wir wollen verhindern, dass viel in den Müll fliegt“, sagt Bernd Müller. Die Papp-Boxen in den Regalen sind nach der „Findbuchliste“ geordnet.

Derzeit werden die Dokumente digitalisiert, was den Austausch mit anderen Archiven wie dem in Bromskirchen vereinfache. Die Dokumente können während der Öffnungzeiten dienstags zwischen 14 und 17 Uhr eingesehen werden.

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