Frankenberg: Forschende Schülerinnen

Eine Auszeichnung für grünes Wasser

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Lehrer Björn Croll steht immer hilfreich zur Seite, wenn die drei Jungforscherinnen Laura Dzubiella, Janina Meyer und Stephanie Koch (von links) eine Frage haben. Meist kommen sie bei ihren Forschungen für den Sprit der Zukunft in dem Labor und auf dem Da

Frankenberg - Mit Bio-Kerosin von der Edertalschule über den Atlantik fliegen - klingt utopisch, ist aber ein Projekt, an dem drei Schülerinnen des Gymnasiums arbeiten. Für ihre Forschungen mit Algen wurden sie von Umweltministerin Lucia Puttrich ausgezeichnet.

Es gibt hellgrünes Wasser, fast durchsichtiges Wasser, klares Wasser und dunkelgrünes Wasser. Die Flüssigkeiten stehen in einem Labor in der Edertalschule und werden maschinell in Bewegung gehalten. „Das könnte man sicherlich auch trinken“, sagt Stephanie Koch und lacht. Doch die Gefäße, die sie mit ihren beiden Mitschülerinnen Laura Dzubiella und Janina Meyer betreut, enthalten kein neues Mode-Getränk, keine Salatsauce, sondern vielleicht der Grundstein für den Kraftstoff der Zukunft: Algen.

Die Idee, aus Algen einen Treibstoff zu entwickeln, ist nicht ganz neu. Neu hingegen ist die Entdeckung der drei jungen Forscherinnen, alle erst 18 Jahre alt. Sie haben mit einer anderen Algenart experimentiert als der derzeit in der Forschung üblichen Art - ihr Ergebnis: Ihre Algen sind für die Produktion von Biokraftstoffen besser geeignet, weil sie ergiebiger sind.

Ihre Forschung haben sie bereits bei „Jugend forscht“ präsentiert und dann die bisher erstellten Unterlagen und Präsentationen benutzt, um sich beim „Hessischen Staatspreis für intelligente Energien“ in der Schüler-Kategorie zu bewerben. Dabei sprang für sie der erste Platz heraus - allerdings geteilt mit einem Kasseler Team. „Aber das Schülerforschungszentrum aus Kassel hat zwei feste Lehrkräfte und studentische Hilfskräfte“, hebt Lehrer Björn Croll hervor. Seine Mädels haben es abgesehen von seiner Unterstützung ganz ohne Hilfe von Profis geschafft - „und das ist ja auch ein Grund, stolz zu sein“, sagt Croll. Die jungen Forscherinnen kichern.

Wind, Eis und Regen

Die Mädchen haben noch viel vor. Derzeit installieren sie eine Versuchsanlage auf dem Dach des Physik-Gebäudes. In einem Plastikschlauch sollen die Algen beweisen, dass sie es auch bei Wind und Wetter aushalten - theoretisch sogar bei Frost, aber das ist wohl erst im Winter zu überprüfen. Die allgemeine Tauglichkeit zur Produktion von Bio-Kraftstoffen hat bereits eine Vorgängergruppe getestet, auch sie hat mit ihrem Projekt einen Preis gewonnen. Laura, Janina und Stephanie führen die Grundlagenarbeit weiter. Das Ziel ist, zu testen, ob diese Alge auch in großem Stil nutzbar ist. Es geht um Nährlösungen, Temperaturen, Robustheit, Wasserverträglichkeit.

Wie aus dem „grünen Wasser“ einmal Treibstoff werden kann, weiß Laura: „Die Algen werden aus der Lösung geerntet, getrocknet, dann werden die Zellen geöffnet und die Fette extrahiert“, sagt sie. Sie seien dann die Grundlage für die weiteren Verfahrensschritte, die letztendlich in einem Kraftstoff münden, der idealerweise besser für die Umwelt ist als Treibstoffe aus fossilem Erdöl. Dazu müssen die Schülerinnen aber noch die Energiebilanz berechnen, sagt Laura - schließlich sei die Nutzung von Algen-Diesel nur dann sinnvoll, wenn weniger Energie zur Produktion des Kraftstoffs aufgewendet wurde, als der später wieder freisetzt.

Perspektive für die Zukunft

Die jungen Damen haben dazu­ noch ein Jahr Zeit: Sie alle besuchen die zwölfte Klasse. Und sie alle besuchen Leistungskurse, die ins Thema passen: Mathematik, Biologie, Physik, Chemie - „das sind schon die richtigen Leute, die das machen“, sagt dazu Björn Croll. Janina überlegt gar, ob sie das Projekt als „besondere Lernleistung“ anerkennen lassen will. Das entspricht einem fünften Prüfungsfach für das Abitur. Sie müsste dafür eine 40-seitige Ausarbeitung erstellen und eine Prüfung über sich ergehen lassen.

Doch es geht um mehr als nur um schulisches Arbeiten. „Es ist unglaublich, wie viel an Fähigkeiten sie hier erlernt haben“, sagt Croll. Nicht nur das Wissen um Technik und Biologie, auch das Experimentieren, das Präsentieren - für die Mädchen sei das gesamte Projekt wertvoll.Womöglich entwickelt sich aus der Arbeit mit den Algen sogar eine berufliche Perspektive für die Schülerinnen: Janina würde später gerne forschen, sagte sie. Stephanie reizt die Biologie, das Thema Bio-Kraftstoffe erklärt sie als „für unsere Zukunft sehr wichtig“. Laura sagt: „Ich tendiere in Richtung Maschinenbau“ - auch ein Zukunftsthema.

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