Aus dem Gericht

Eine Drogen-Party endet mit sexuellem Missbrauch

Hatzfeld/Marburg - Nach einer Party schlief eine junge Frau betrunken und bekifft auf dem Badezimmerboden ein. Ein Partygast nutzte das aus und missbrauchte die bewusstlose Frau.

Das Marburger Amtsgericht verurteilte den 21-jährigen Angeklagten wegen sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person. Der Mann bekam eine Jugendstrafe von 18 Monaten - Amtsgerichtsdirektor Cai Adrian Boesken setzte die Strafe aus und verhängte eine dreijährige Bewährungsfrist sowie 100 Arbeitsstunden. Außerdem soll sich der 21-Jährige bei seinem Opfer entschuldigen.

Im Juli vergangenen Jahres war der damals 20-Jährige bei einem Freund in Hatzfeld auf einer Party. Zu sechst haben die jungen Männer und Frauen viel Alkohol getrunken, Joints sollen auch gekreist sein. „Es ging alles drunter und drüber“, sagte der Angeklagte vor Gericht. Gegen Mitternacht ging es einer der Frauen so schlecht, dass sie ins Bad ging, um sich zu übergeben. Wenig später lag sie auf dem Boden und zeigte keine Reaktion mehr. Der Angeklagte nutzte dies aus, schloss sich bei seinem Opfer im Bad ein und missbrauchte sie. Die Frau habe sich laut Staatsanwältin Annemarie Wied nicht wehren können.

Gleich zu Beginn der Verhandlung räumte der Angeklagte die Tat voll ein - bisher hatte er es abgestritten. „Ich habe es verdrängt“, sagte er. „Mittlerweile habe ich mir viele Gedanken gemacht und es war ein riesengroßer Fehler.“ Einzelheiten wisse er nicht mehr, aber er gab zu, Sex mit ihr gehabt zu haben. Dass sie damals gar nicht reagierte, habe er gar nicht wahrgenommen. Bei der Polizei habe er zunächst gelogen - aus Angst. „Es ist mir peinlich und ich schäme mich dafür.“ Wegen dieses Vorfalls habe der Angeklagte sein Leben geändert, Kontakte abgebrochen und versuche einen Neuanfang in einer anderen Stadt.

„Mit viel Augen zu haben wir noch Jugendstrafrecht angewendet. Aber das war eine Grenzentscheidung“, sagte Boesken nach der Urteilsverkündung. Aber eine verminderte Schuldfähigkeit durch Alkohol und Drogen könne er nicht erkennen: Der Angeklagte habe noch so weit gedacht, die Tür abzuschließen. Zudem habe er sein Opfer ohne Verhütung missbraucht - aber dennoch den Geschlechtsverkehr rechtzeitig abgebrochen, weil er Angst vor einer möglichen Schwangerschaft hatte.

Dennoch sah Boesken Milderungsgründe: Der junge Mann sei bisher straffrei gewesen, habe gestanden, echte Reue gezeigt und zudem ein völlig neues Leben begonnen. Als „fatales Augenblicksversagen“ bezeichnete der Richter den sexuellen Missbrauch der jungen Frau, die nicht vor Gericht erschien.

Zwei weitere Anklagen der Ex-Freundin wegen Körperverletzung stellte die Staatsanwaltschaft während des Prozesses ein. Der 21-Jährige solle seiner Ex-Freundin Glasreiniger in eine Wasserflasche gefüllt haben. Ein andermal solle er sie auf die Treppe geschubst und an den Haaren gezogen haben. Diese Taten stritt der Angeklagte ab: Streit habe es gegeben, aber niemals mit körperlichen Verletzungen.

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