Tuning-Treffen in Bottendorf

Eine Frau mit einem "Männerhobby"

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Burgwald-Bottendorf - Mandy Ernst räumt mit Klischees auf, denn sie geht einem eher männerdominierten Hobby nach: Dem Autotuning. Einen mädchenhaften Schliff hat ihr Subaru Justy dabei erst bekommen.

Selbst ist die Frau: Mandy Ernst klebt, lackiert, schraubt und bastelt an ihrem Auto, damit es zu ihrem Traumauto wird. Seit vier Jahren fährt die 22-jährige Bottendorferin ihren Subaru Justy MS. Gebaut wurde das Auto 1997, elf Jahre später bekam Mandy es geschenkt.

Angefangen hat alles mit den Sitzen: „Die waren lila gepunktet und vollkommen durchgesessen“, erzählt die junge Tunerin. „Abgesehen davon sahen die aus wie Zahnarztstühle.“ Also mussten zwei neue Vordersitze her. Allerdings gibt es laut Ernst keine Tuning-Teile für ihr Auto, sondern nur für den bauähnlichen Suzuki Swift GTI. Also hat sie kurzerhand Sportsitze für den Swift gekauft und in ihren Justy eingebaut.

Wo sie einmal angefangen hatte, mussten noch die passenden Gurte her - passend zu den Sitzen kaufte die 22-Jährige sich elektrische Schroth-Gurte und baute sie ein. Einmal angefangen ging es immer weiter: Dachspoiler, Seitenschweller, Alufelgen, ein Sportauspuff und neue Rückleuchten baute die Studentin ein. „Mittlerweile kann ich das alles alleine. Aber bei Fragen kann ich mich immer an die Jungs wenden.“ Die Jungs sind ihre sechs Freunde vom Power-Mix-Crew. Gemeinsam schrauben die Clubmitglieder an ihren Autos herum, helfen sich gegenseitig und fahren gemeinsam auf Tuning-Treffen in ganz Deutschland.

Stolz ist Mandy Ernst auf die Lackierung ihres Autos: Eine dunkellila Lackierung, die in der Sonne funkelt. „Das habe ich auf einem Tuning-Treffen gesehen und wollte es auch gerne haben.“ Natürlich hat sie zunächst versucht, ihren Justy selbst zu lackieren. „Die Jungs haben ziemlich gelacht“, erinnert sie sich an ihre ersten Gehversuche als Lackiererin - überall seien Nasen in der Dachlackierung gewesen. Also wurde alles abgeschliffen und mit Hilfe der Clubfreunde neu gemacht - diesmal ohne Nasen. Die Scheiben hat Mandy beim ersten Versuch auch selbst getönt. „Das hat aber nur bei einer von drei geklappt“, erzählt sie mit einem Lachen.

Den Kofferraum hat sie mit ihrem Vater ausgebaut: Die Rücksitze kamen raus, dafür kamen eine Holzkonstruktionen und eine Anlage ins Auto. Mit lilafarbenem Leder bezogen. „Ich tune mein Auto zwar gerne, aber es soll schon seinen Charme behalten und mädchenhaft bleiben.“ Deswegen ist neben dem Lack auch die gesamte Innenausstattung in Lila gehalten.

Unter den Tunern ist Mandy Ernst eher noch eine Seltenheit: „Es werden langsam mehr Mädchen. Aber wir sind immer noch sehr wenige.“ Clubs versuchen oft, Frauen mit extra Bewertungsklassen zu locken. Die Bottendorferin hat auch schon einen Pokal für das beste Frauen-Auto bekommen. Gefreut hat sie sich darüber weniger: „Ich will bei den Jungs mithalten und gleichwertig beurteilt werden.“ Das falle noch häufig schwer - „oft bekomme ich zu hören, dass das nie und nimmer eine Frau gemacht habe“.

Bei ihrem ersten Tuning-Treffen war die Bottendorferin mit 16 Jahren. Ihr damaliger Freund habe sie mitgenommen. Seit sie ihren Suzuki hat, ist sie mit ihrem eigenen Auto bei den Treffen unterwegs. Die junge Bottendorferin schraubt nicht nur an ihrem Subaru: Sie ist sehr naturverbunden. Mandy Ernst studiert Öko-Agrarwissenschaften und hat eine eigene kleine Ziegenherde. Angefangen hat alles mit einer Walliser Schwarzhalsziege. Die 22-Jährige hat sie mit der Flasche aufgezogen. „Ja, und jetzt habe ich 14 Ziegen.“

An diesem Wochenende wird Mandy Ernst weniger Zeit für ihre Ziegen haben: Mit den Jungs der Power-Mix-Crew veranstaltet sie am Samstag das erste Bottendorfer Tuning-Treffen.

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