Cornelia Funkes "Herr der Diebe" feiert Premiere in Hallenberg

Eine Geschichte, die keinen kalt lässt

Auf dem Maskenball treffen die Anhänger des „Herrn der Diebe“ auf den mysteriösen Conte.Fotos: Armin Hennig

Hallenberg - Der "Herr der Diebe", das Kinder- und Jugendstück der Hallenberger Freilichtbühne, bietet ein farbenfrohes Spektakel für die ganze Familie.

Die Magie des venezianischen Karnevals mit seinen faszinierenden Masken und akrobatischen Harlekinen bietet den Rahmen für Cornelia Funkes „Herrn der Diebe“, das Kinder- und Jugendstück der Freilichtbühne Hallenberg, das am Sonntag Premiere feierte. Regie führte, wie in den vergangenen Jahren, Dorothee Hollender, die erneut einen guten Blick dafür hatte, dass nicht nur die Kinder auf ihre Kosten kommen. Eröffnet hat die Theater-Saison Waldeck-Frankenbergs Landrat Dr. Reinhard Kubat.

Mit „Wickie“, „Jim Knopf“ und dem „Dschungelbuch“ spielte die Freiluftbühne in Hallenberg zuletzt Stücke mit Helden, die gleich mehrere Zuschauergenerationen mit der eigenen Kindheit verbinden. „Herr der Diebe“ ist da deutlich jünger, behandelt aber ein Thema, das die Generationen gleichermaßen anspricht: Es geht um die Sehnsucht der Kinder, erwachsen und unabhängig zu sein, und die Sehnsucht der Älteren nach der Unbeschwertheit der Kindheit sowie der Gelegenheit, vieles besser oder zumindest anders zu machen. Dieses widersprüchliche Verhalten bringt das Einhorn, das mit dem geflügelten Löwen, dem Seepferdchen, der Meerjungfrau und dem Wassermann die Vorstellung eröffnet, gleich zu Beginn zur Sprache. Auch das Geheimnis, dass es nur einen Ort auf der Welt gibt, an dem die Verwandlung vom alten Mann zum kleinen Jungen und vom Kind zum Erwachsenen möglich ist, erfahren die Zuschauer gleich am Anfang. Wie das vonstattengeht, bleibt aber zunächst ein Geheimnis.

Kein Geheimnis ist dagegen, dass sich der zwölfjährige Prosper (Noah Cappel) und sein fünfjähriger Bruder Bonifatius (Bastian Briel), den alle Bo nennen, in Venedig vor Tante Esther (Ingeborg Dornseif) und Onkel Max (Carsten Rachfahl) verstecken. Denn das kinderlose Paar will nur den knuffigen Bo adoptieren, weil sich so ein kleines Kind noch formen lässt. Der große Bruder soll ins Waisenhaus. Der findige Privatdetektiv Victor Getz (Ulrich Cappel) hat die beiden in Venedig aufgespürt, kennt aber noch nicht ihr Versteck.

Neue Freunde im Versteck

Im Unterschlupf der Bande des geheimnisvollen „Herrn der Diebe“ lernen die Zuschauer die beiden Jungs und ihre neuen Freunde Wespe (Ina Rachfahl), Riccio (Laura Briel), Mira (Annika Ramm) und Mosca (Louis Stöber) kennen.

Allesamt Kinder ohne Eltern, die im alten Kino auf ihren Boss Scipio (Laura Handlockie) und die neue Beute warten. Während sich der kleine Bo kritiklos für alles begeistert und überall dabei sein will, weiß Prosper ziemlich genau, worauf es ankommt. Das zeigt sich auch bei den Verhandlungen mit dem Hehler Barbarossa (Martin Pfaffe), der viermal so viel wie üblich für die Beute herausrücken muss.

Ein neuer Auftrag für den Herrn der Diebe führt alle Handlungsfäden zusammen, denn bei dem farbenfrohen Karneval soll Scipio den mysteriösen Conte (der Frankenberger Hubert Kunick) treffen. Der entpuppt sich als dauerhüstelnder alter Mann, der ihm 5000 Euro für eine ganz besondere Beute bietet: einen hölzernen Flügel, den der Herr der Diebe einer gewissen Ida Spavento (Kerstin Rachfahl) stehlen soll. Doch bis Scipio, Prosper und Mosca der alten Dame vor die Flinte laufen, sorgt Detektiv Getz, der beim Karneval Bo ausmacht, für allerlei böse Überraschungen. Beim ersten Zugriffsversuch kann Wespe den Schnüffler zwar noch austricksen, dafür kann Getz die Bande im Versteck aufspüren und lüftet noch vor der Pause Scipios gut gehütetes Geheimnis. Gleichbedeutend mit einem kompletten Ansehensverlust für den Anführer, den sein Vater vor den Augen seiner Anhänger zur Nachhilfestunde kommandiert.

Geheimnisvolles Karussell

Der gescheiterte Einbruch bei der Signora gerät zum Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Er ist auch der Auftakt der Suche nach dem geheimnisvollen Karussell mit den fünf mythischen Figuren, das Alt in Jung und Jung in Alt verwandeln kann. Denn der Flügel gehört auf jeden Fall zum Löwen, und das Karussell bietet Lösung für alle Probleme.

Dorothee Hollenders Inszenierung gibt den Charakteren viel Spielraum zur Entfaltung, in den Spielszenen, aber auch in den Tanzeinlagen, etwa wenn Bo, Wespe und Mira den venezianischen Karneval bei einem Techno-Vivaldi durch eine Hip-Hop-Tanzeinlage auffrischen und die Harlekine zum Mitmachen motivieren. Bei der Zugabe beteiligten sich alle Kostümträger mit der typischen Handbewegung. Ein prächtiges Spektakel zu einer Geschichte, die keinen kalt lässt. (ahi)

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