Frankenberger erinnert sich an Ronnie Biggs

Eine Pool-Party mit dem Posträuber

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Der Posträuber Ronnie Biggs (Mitte) macht sich bei einer Poolparty in Rio de Janeiro in Brasilien mit einem Helm der englischen Polizei über die Polizisten lustig. Der Frankenberger Horst Vöhl lernte den Engländer kennen. Foto: pr

Frankenberg/Rio - Posträuber Ronnie Biggs ist kurz vor Weihnachten in England gestorben. Bevor er sich stellte, war er 35 Jahre auf der Flucht. Der Frankenberger Horst Vöhl lernte den Posträuber in Rio kennen und feierte in dessen Haus.

„Er hatte immer nette, junge Damen um sich herum“, erinnert sich der Frankenberger Horst Vöhl. „Ronnie Biggs selbst hat einen sehr nonchalanten Eindruck gemacht.“ Der Frankenberger feierte in Rio eine Grillparty in der Villa des bekannten Posträubers. Biggs war nach dem Überfall auf einen Zug 1963 zunächst im Gefängnis gelandet, ihm gelang aber die Flucht. In den 70er-Jahren landete er schließlich in Rio de Janeiro in Brasilien, wo er blieb, bis er nach 2001 nach England zurückkehrte und seine Gefängnisstrafe antrat.

Vöhl lernte den Posträuber in Rio de Janeiro in Brasilien kennen. Der Frankenberger hatte bei einem Verkaufswettbewerb seines Arbeitgebers eine Reise zum Karneval in Rio gewonnen. „Unser Hotel lag eine Straße von der Coppa Cabana entfernt“, erinnert Vöhl sich. Er spricht von Ausflügen in den Dschungel, vom Bau eines großen Fisches für den Karnevalsumzug im Künstlerviertel Ipanema und vom grandiosen Ausblick vom Zuckerhut hinab. Zu dem kurzweiligen Programm, dass die Firma aus Frankfurt organisiert hatte, gehörte auch eine Poolparty in der Villa von Ronnie Biggs. „Er war sichtlich froh, dass er in Brasilien war“, erinnert sich Vöhl. „Beruflich hatte er die Seiten gewechselt - er machte Werbung für Alarmanlagen.“ Und er verkaufte T-Shirts mit der Aufschrift „Ich kenne jemanden der ging nach Brasilien und traf Ronnie Biggs... ehrlich!“ Reich wurde er damit nicht, schätzt Vöhl: „Ich glaube, es ging ihm wirtschaftlich nicht so gut.“ Dennoch lebte er in einer Villa mit Blick auf das Meer und einem großen Pool. „Die Villa war sehr groß und hatte Party- und Billard-Räume.“

Der Räuber zeigte sich sympathisch, grillte für seine Gäste und organisierte einen Samba-Auftritt von jungen, hübschen Tänzerinnen, attraktive Brasilianerinnen reichten tropische Cocktails. „Biggs war ein großer Lausejunge“, sagt der Frankenberger rückblickend über Biggs. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er irgendwo an einem Fließband gearbeitet hätte.“ Denn zum Abschluss der Party posierte der englische Räuber mit Helmen der englischen Polizisten und verhöhnte diese.

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