Rektor Thomas Jentzsch geht im Sommer nach 40 Dienstjahren in den Ruhestand

„Eine schwierige Kiste“

Mitten in einer Schar Grundschulkinder: Rektor Thomas Jentzsch zusammen mit Schülern der Klasse 4b in einem Fachwerk-Spielhaus auf dem Schulhof der Allendorfer Schule am Goldberg. Foto: Hoffmeister

Allendorf-Eder. „Wir sind hier ein Dinosaurier“, sagt Rektor Thomas Jentzsch. Damit meint der Schulleiter die in Hessen selten gewordene Kombination einer Grund- und Hauptschule. „Die Hauptschule ist ja nicht mehr gewollt“, bedauert Jentzsch. Auch an der Allendorfer Schule droht diesem Schulzweig das Ende: Aktuell werden noch 18 Hauptschüler in einer „Kombiklasse“ für die Jahrgangsstufe 7 bis 9 unterrichtet. Insgesamt besuchen 280 Kinder die Schule am Goldberg.

Thomas Jentzsch war immer gern Lehrer. Nach mehr als 40 Dienstjahren wird er am 26. Juni dieses Jahres in den Ruhestand verabschiedet, wie jetzt öffentlich wurde. Die Arbeit mit jungen Menschen reize ihn, sagt er. „68er“-Erfahrungen hätten ihn als Student geprägt. Eigene Schulerfahrungen in der Nachkriegszeit habe er vermeiden und mithelfen wollen, „junge Menschen auf ein Leben vorzubereiten, das sie erfüllt.“ Lehrer hätten weit mehr zu tun, als nur den Unterricht abzudecken, sagt Jentzsch: Es gehe ganz wesentlich ums Umfeld – von Arbeitgebern über Vereine bis zu den Elternhäusern.

Von der Integration ausländischer Kinder der unterschiedlichsten Nationen über Betreute Grundschule, pädagogische Mittagsbetreuung und Berufsorientierung für Hauptschüler: Auf diese positiven Errungenschaften blickt der Schulleiter gern, wenn er an seinen nahenden Ruhestand denkt.

Die „kleine“ Allendorfer Hauptschule in ihrer „Übersichtlichkeit“ habe vielen jungen Menschen „Bezugspunkte gegeben, die sie brauchen“, sagt Jentzsch. Seit zwei Jahren gebe es nun aber keine Klasse 5 mehr. „Die Elternwünsche geben das nicht her. Ich fürchte, dass viele Kinder dabei überfordert kaputtgehen.“

Wie geht es mit der Grund- und Hauptschule in Allendorf weiter? – „Das wird eine ganz schwierige Kiste“, sagt Thomas Jentzsch. Die Stelle des Schulleiters werde für den Bereich Grund- und Hauptschule jetzt ausgeschrieben. „Meine Stellvertreterin hat entschieden, sich nicht zu bewerben. Wahrscheinlich wird sie den Laden eine längere Zeit allein schmeißen müssen.“

„Falle nicht in ein Loch“

„In ein Loch fallen werde ich sicher nicht“, sagt Jentzsch. „Aber die Tragweite erkenne ich sicher noch nicht.“ Im Segeln, Wandern und Fotografieren sieht Thomas Jentzsch seine künftigen Betätigungsfelder. „Beim Urlaub werde ich mich allerdings weiterhin an den Ferien orientieren, weil ich mit einer Lehrerin verbandelt bin, die noch zwölf Jahre arbeiten muss“, lacht Jentzsch.

Von Thomas Hoffmeister

Quelle: HNA

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