Marburg/Bromskirchen

„Eine tragische Familienentwicklung“

- Marburg (pk). Ein Mann aus Bromskirchen soll seine Ehefrau vergewaltigt und seine drei Töchter mehrfach misshandelt haben. Er wurde am Montag vom Amtsgericht Marburg zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Nach der Geburt der dritten Tochter soll der Mann seine Ehefrau zum Sex gezwungen haben. Am ersten Verhandlungstag vor drei Wochen gestand der Angeklagte die Tat. Zuvor war ihm vonseiten des Gerichts angedeutet worden, dass er bei einem Geständnis mit einer Bewährungsstrafe rechnen könne. Gestehe er nicht und das Gericht glaube seiner Frau, müsse er mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Weil das Geständnis laut Staatsanwältin Annemarie Wied „sehr dürre“ war und auch eine Freundin der Ehefrau nicht an eine Vergewaltigung glauben wollte, zeigte sich auch Richter Cai Adrian Boesken vom Geständnis nicht restlos überzeugt – und lud die Ehefrau erneut vor.

Die 40-Jährige berichtete, dass es ihr im Februar 2004 körperlich und seelisch schlecht gegangen sei. Die Narbe vom Kaiserschnitt verheilte nur schwer, sie litt unter Schmerzen und hatte Sorgen um die neugeborene, kranke Tochter. Nach vier Wochen kam sie aus der Klinik heim. Die Mutter stillte ihr Kind und legte sich ins Bett. „Ich habe gesagt, dass ich nicht will und Schmerzen habe.“ Körperlich sei sie nicht in der Lage gewesen, sich gegen den Mann zu wehren. Er habe sich mit vollem Gewicht auf sie gelegt.

„Hinterher habe ich ihn gefragt, ob er das in Ordnung findet“, erzählte die 40-Jährige. „Er sagte, er habe auch Bedürfnisse.“ Geschämt habe sie sich und gehofft, dass er sich ändert. Auch wollte sie die Familie nicht auseinanderreißen. Deswegen sei sie zunächst bei ihm geblieben. Im vergangenen Jahr habe sie dann die Kinder genommen, sei zu ihrer Schwester nach Russland gefahren und danach bei ihrer Mutter eingezogen. „Ich mache mir Vorwürfe, dass ich nicht früher gegangen bin, weil er die Kinder geschlagen hat.“

Auch die Polizistin, die im vergangenen Jahr die Mutter und weitere Zeugen mehrfach verhört hatte, wurde vor Gericht als Zeugin gehört. „Ich glaube, es sind Dinge passiert, die nicht in Ordnung waren, und auch die Vergewaltigung halte ich für denkbar“, gab sie ihren Eindruck wieder. Als Boesken nach den beiden Zeugenaussagen die Beweisaufnahme schließen wollte, schien es kurzzeitig, als wolle der Angeklagte sein Geständnis zurückziehen. Er wollte weitere Zeugen benennen, die erzählen könnten, was seine Frau „so alles gemacht“ habe. Auch im Schlusswort deutete er an, dass er selbst die Tat nicht als Vergewaltigung empfunden habe. Schließlich blieb er aber doch beim Einräumen des Tatvorwurfs.

Verurteilt wurde er daraufhin wegen Vergewaltigung seiner Frau und Misshandlung seiner Töchter mit Dachlatten und einer elektrischen Fliegenklatsche zu zwei Jahren Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. „Eine tragische Familienentwicklung, bei der alle auf der Strecke geblieben sind“, resümierte Boesken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare