Frankenberger Weihnacht

Eine CD voller Frankenberger Musik

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Frankenberg - Die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest scheinen jedes Jahr früher zu starten. In Frankenberg gehen die Planungen für ein musikalisches Weihnachtsgeschenk schon jetzt los: Ein Produzent möchte mit den Musikgruppen der Stadt eine CD aufnehmen.

Es ist erst Juni und trotzdem ist das Interesse für eine Frankenberger Weihnachts-CD groß: 30 Vertreter von Chören, Kapellen, Kindergärten und Schulen aus Frankenberg und seinen Stadtteilen trafen sich zu einer Vorbesprechung.

Die Idee für die Motto-CD stammt von Lars Cohrs. Der ehemalige hr3-Moderator hat bereits mit rund 50 Kommunen in Niedersachsen und Hessen ähnliche Projekte gestartet. Nun möchte er auch mit den Musikern aus Frankenberg eine Aufnahme machen. Wie eine solche Produktion abläuft und wie er sich die fertige CD vorstellt, hat Cohrs den Vertretern der Musikgruppen am Montagabend erklärt. Dabei betonte er, dass auf die teilnehmenden Musikgruppen keinerlei Kosten zukommen und auch keine Risiken. Deren einzige Aufgabe ist es, ein Lied auszuwählen, für die Aufnahme vorzubereiten und schließlich am Aufnahmetag vorzusingen. „Ein finanzielles Desaster für die Vereine ist ausgeschlossen“, sagte Cohrs. Auch die Gebühren für die Gema übernehme die Produktionsfirma.

Ohnehin hätten die CDs sich bisher immer über den Verkauf refinanziert. Der Grund dafür sei ganz einfach: Nimmt ein Chor alleine eine ganze CD auf, so kaufen sie hauptsächlich die Mitglieder und Fans dieser einen Musikgruppe. Schließt sich jedoch eine ganze Reihe von Chören und Kapellen zusammen, so würden möglichst viele Fangemeinden vereint werden. „Und über die Teilnahme der Schulen kommen die CDs in alle Schichten - so hören auch Eltern, die sonst vielleicht nie Chormusik hören, den Männergesangverein.“

Als Motto für eine solche gemeinsame Aufnahme wählte Cohr Weihnachten. „Mit dem Motto kann jeder etwas anfangen“, sagte er. Nicht nur die Musikgruppen hätten eine breite Auswahl an Musikstücken, eine solche CD biete sich auch als persönliches Geschenk zu Weihnachten an.

Cohrs erklärte, dass jede Musikgruppe das singen oder spielen darf, was sie möchte. „Dopplungen gibt es eigentlich nie“, berichtete er aus seinen Erfahrungen. Schließlich wähle ein Kinderchor automatisch ein anderes Stück aus als ein Posaunenchor. Sollte es doch eine Dopplung geben, so könnten die Gruppen das immer noch untereinander abstimmen. „Aber es wäre quatsch, den Gruppen etwas aufzudrücken, was sie gar nicht singen möchten.“

Dafür kennt Cohrs die Frankenberger Musiklandschaft auch zu wenig. Bei den Vertretern hat er sich daher einen kleinen Vorgeschmack geholt und aufzählen lassen, welche Musikgruppen Interesse an einer solchen CD haben. „Viele Menschen in Frankenberg haben sicher keine Ahnung davon, wie breit gefächert die Musiklandschaft hier ist“, sagte er nach der Vorstellung der Chöre und Kapellen. Vertreten waren die Grundschulen und Kindertagesstätten aus dem Stadtgebiet, aber auch die Stadtkapelle, Posaunenchöre, Kirchenchöre, Männergesangvereine und Frauenchöre, wie etwa der Frauenchor „Intermezzo“ (Foto unten), ebenso wie die Musikschule, die Ortenbergschule, eine Gitarrengruppe, ein Jazzchor und Flötengruppen. Auch der Posaunenchor der Liebfrauenkirche habe Interesse. An dieser Stelle schlug Cohrs vor, dass sich auch der Gospelchor der Kantorei beteiligen sollte. „Es ist schon absehbar, dass eine bunte Mischung an Musik auf einer fertigen CD zu hören ist, wenn sich genug Gruppen für eine Aufnahme anmelden“, sagte der Produzent aus Hannover.

Laut Cohrs dürfen alle interessierten Musikgruppen aus Frankenberg und den Stadtteilen mitmachen. Mindeststandards gibt es nicht. „Wenn man so richtig Zoff in einer Kleinstadt haben will, dann kann man ja bei einem solchen Projekt einmal Mindeststandards einführen“, sagte er mit einem Augenzwinkern. „Egal wie groß oder wie gut eine Musikgruppe ist. Sie alle verbreiten Freude, wenn Sie auftreten.“

Mit der Vorbereitung für Weihnachten müssen die Musikgruppen jetzt anfangen: Laut Cohrs müssen die Lieder zwischen den Sommerferien und den Herbstferien aufgenommen werden. Schließlich braucht er noch genug Zeit für die Bearbeitung und die Produktion. Dazu gehört auch ein Booklet, in dem sich jede Musikgruppe auf einer Seite präsentieren kann. Für die Aufnahmen werde er einen zentralen Ort in Frankenberg suchen. Cohrs könne sich eine Schule gut vorstellen, auch wenn viele Musikgruppen die Akustik in Kirchen loben.

„Wir brauchen eine neutrale Akustik“, erklärte er. Schulen bieten nicht nur verschiedene Räume für die Vorbereitungen, sondern vor allem auch genug Toiletten und Parkplätze. Zwei Tage würde der Produzent sich mit seinem Team am Aufnahmeort einrichten: Freitags können an den Vormittagen die Gruppen aus Schule und Kindergarten beginnen. An den Abenden und den ganzen Samstag über sei Raum für die Aufnahmen der erwachsenen Musiker.

Den ganzen Tag müssten die Musikgruppen sich nicht Zeit nehmen. Kinderchöre seien oft nach 20 Minuten schon fertig aufgenommen. „Die Kinder gehen sehr unbedarft in die Aufnahme und sind ganz aufgeregt“, sagte Cohrs. „Sie singen meistens sofort los und die erste Aufnahme ist dann gar nicht mal schlecht.“ Mehr Zeit benötige sein Team für Kapellen, da jedes Instrument über ein Mikrofon abgenommen werden müsse. Die Vorbereitungen seien schnell abgeschlossen und nach wenigen Wochen könnten die Chöre ihre eigene CD in den Händen halten.

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