Streit vor einer Frankenberger Diskothek eskalierte

Eine Woche Arrest für Schlag mit Zaunlatte

Frankenberg/Marburg - Weil er vor einer Frankenberger Diskothek mit einer Zaunlatte zugeschlagen und und einen anderen verletzt hat, soll ein 20-Jähriger aus Wetter eine Woche in den Jugenddauerarrest gehen.

Ein 22-jähriger Mittäter muss insgesamt 500 Euro Schmerzensgeld zahlen, ein 18-Jähriger erhielt 40 Arbeitsstunden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Beteiligten behielten sich Rechtsmittel vor.

Die drei Wetteraner beteuerten vor Gericht, sich entweder nicht mehr erinnern zu können oder dass die Aggression nicht nur von ihnen, sondern auch von den Geschädigten ausgegangen sei. Das Gericht vertrat nach der Beweisaufnahme jedoch die Ansicht, dass die Vorwürfe aus der Anklageschrift weitestgehend zutreffen. Demnach hat der 18-Jährige in den frühen Morgenstunden des 29. Dezember 2011 vor der Disko eine verbale Auseinandersetzung mit zwei 16 und 22 Jahre alten Männern aus Wohra gehabt. Anders als diese behaupteten, gehe er jedoch davon aus, dass die späteren Opfer durchaus auf die Beleidigungen des Wetteraners reagiert hätten, betonte Amtsgerichtsdirektor Cai Adrian Boesken. Dann hätten sie allerdings kalte Füße bekommen und hätten einen Bekannten angerufen, der sie abholen sollte, und seien ihm entgegengegangen.

Die drei Angeklagten seien ihnen gefolgt. Auf einem Platz abseits der Disko seien sie dann gleichzeitig mit dem gerufenen Auto eingetroffen, der Fahrer sei ausgestiegen und habe unvermittelt das Brett vor den Kopf bekommen, welches der 20-Jährige kurz zuvor aus einem Jägerzaun gerissen habe.

Dies sei eine besonders gefährliche Handlung, die mit Arbeitsstunden nicht abgegolten werden könne, so der Richter. Es hätte sich nur noch ein Nagel an der Latte befinden müssen, „dann säßen sie eventuell vor dem Landgericht und der Zeuge wäre ausgefallen, weil tot“. Verletzt wurde er allerdings, er erlitt eine Schädelprellung und eine Platzwunde.

Über seinen Anwalt ließ der Angeklagte einräumen, dass er nicht ausschließe, die Waffe geführt zu haben, aber er erinnere sich an fast nichts mehr, denn vor der Fahrt nach Frankenberg habe er bereits eine halbe Flasche Whiskey „vorgetrunken“, vor Ort dann noch etliche Bier.

Alkohol mildert Strafe, ist aber „keine Entschuldigung“

Das Gericht wertete die Trunkenheit als mildernd, allerdings, so mahnte Boesken, sei Alkohol keine Entschuldigung. Und ein „Filmriss bevor es überhaupt los geht, das ist mehr als bedenklich“. Er habe bereits gelernt und trinke nicht mehr, gelobte der junge Mann, der allerdings noch drei Beratungsgespräche zum gewissenhaften Umgang mit Alkohol aufgetragen bekam.

Die anderen beiden Angeklagten wurden wegen einfacher Körperverletzung verurteilt. Nach Überzeugung der Richter hat der 18-Jährige den 16-Jährigen in den Schwitzkasten genommen und ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der 21-Jährige soll den abholenden Fahrer und den 22-Jährigen geschlagen haben.

Dass die Zeugen sich in Einzelheiten in Widersprüche verstrickt hätten, spiele keine Rolle, so Boesken, sondern sei der Situation geschuldet. Die Verteidigung hatte die Frage in den Raum gestellt, ob einzelne Unwahrheiten nicht die Glaubwürdigkeit an sich infrage stellten. Das verneinte das Gericht, diese seien im Zusammenhang schlüssig.

Auch die Ausführungen eines Sicherheitsmitarbeiters, der nach dem Vorfall dazugekommen war und der die eine Gruppe als „aufgeregt“ und die andere als „ängstlich“ beschrieben hatte, unterstütze die Annahme, dass die Wetteraner die Aggressoren seien. Dass der 21-Jährige ebenfalls eine Platzwunde davongetragen habe, deute nicht auf den Anfang des Geschehens. Einer der Zeugen hatte gesagt, die Latte ergriffen zu haben, um sich zu wehren.

von Heiko Krause

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