Zwei Angeklagte sollen drei Banken um insgesamt 350 000 Euro betrogen haben

Einer kündigte Geständnis an

Frankenberger Land. Mittels fingierter Geschäfte sollen ein 50-jähriger Gebrauchtwagenhändler aus dem Frankenberger Land und ein Mitarbeiter Banken um etwa 350 000 Euro betrogen haben. Vor dem Marburger Amtsgericht wurde am Dienstag das Verfahren gegen die Männer eröffnet.

Laut Anklage sollen der Kaufmann und der 34-jährige Mitangeklagte zwischen Oktober 2008 und Dezember 2009 in 50 Fällen sogenannte Einkaufsfinanzierungen beantragt haben, ohne das Geld jemals zurückzahlen zu wollen. Mit drei Kreditinstituten sei ein Gesamtrahmen von 950 000 Euro vereinbart worden, mit denen die Angeklagten Autos ankaufen sollten und nach Verkauf das Darlehen tilgen wollten.

Als das Geschäft 2008 wegen der Finanzkrise und der sogenannten Abwrackprämie in große Schwierigkeiten gekommen sei, hätten die Männer beschlossen, die Banken zu betrügen. So seien Kaufverträge fingiert worden, womit beispielsweise Unfallautos als höherwertige Wagen erschienen und durch falsche Kilometerleistungen Autos teurer gemacht wurden. Als Sicherheit hätten die Banken den Fahrzeugbrief verlangt und auch bekommen.

Allerdings war diese Sicherheit nur zum Schein, denn mit im Spiel war ein bereits verurteilter Mitarbeiter der Zulassungsstelle des Landkreises. Er war Ende August vom Amtsgericht Marburg zu einer elfmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Beihilfe zum Betrug verurteilt worden. Dieser gab nach Aussage der Staatsanwaltschaft aus Gefälligkeit pflichtwidrig Zweitschriften der Dokumente heraus – und dies in mindestens 25 Fällen. So konnten Fahrzeuge ohne Wissen der Gläubiger verkauft werden. Andere Wagen gingen mitunter auch ohne Papiere nach Osteuropa.

Der 50-jährige Autohändler stritt alle Vorwürfe ab, sein Mitarbeiter habe ohne sein Wissen gehandelt. Er habe den Mann eingestellt und ihm Generalvollmacht gegeben. Während er früher nur Bargeschäfte getätigt habe, hätte dieser sich im Onlinehandel ausgekannt und diesen vorangetrieben. Er selbst habe noch die Bargeschäfte abgewickelt. Das Geld habe er teilweise direkt wieder in Autos investiert, oder seinem Mitarbeiter überlassen. „Von all den Geschäften habe ich nichts gewusst, ich hätte sonst sofort die Reißleine gezogen“.

Weder Gericht noch Staatsanwaltschaft wollten dies glauben. Vorsitzender Richter Carsten Paul sagte, „dann hätten Sie sich als Inhaber ja jeder Kontrolle enthalten, das glaube ich nicht, selbst wenn Sie mich jetzt ablehnen“, nahm er einen möglichen Befangenheitsantrag in Kauf. Für Verwunderung bei den Beteiligten sorgte auch die Aussage, der Mitarbeiter habe keine Bezahlung haben wollen. Ob er sich etwas vom Konto genommen habe, dass wisse er nicht, so der 50-Jährige.

Der Verteidiger des anderen Angeklagten kündigte ein umfassendes Geständnis an. Für den Fall stellte die Kammer mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft eine Strafe zwischen zwei Jahren und neun Monaten und drei Jahren in Aussicht. Die Verhandlung gegen den Mann wird am kommenden Montag fortgesetzt. Dann ist auch ein Urteil zu erwarten. Das Verfahren gegen den Autohändler wurde dagegen abgetrennt. Gegen ihn wird neu verhandelt. (kse)

Quelle: HNA

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