Feilen, Schleifen und Fräsen auf dem Lehrplan

Einmal Blick über den Tellerrand wagen

+

Frankenberg - Für Gildas Tant gilt es im zweiwöchigem Betriebspraktikum bei der Firma Hettich, die Sprachbarriere zu überwinden und sich mit der deutschen Kultur auseinanderzusetzen.

Gildas Tant ist einer von acht französischen Auszubildenden, die für drei Wochen in Frankenberg Station machen. Neben einem Sprachkurs und einem kulturellen Programm absolvieren die „Austauschazubis“ in dieser Zeit auch ein zweiwöchiges Betriebspraktikum. Für Gildas Tant beginnt das täglich um 7 Uhr bei der Firma Hettich. Eine große Umstellung, denn in Frankreich beginnt der Arbeitstag erst später. In Frankenberg kann der Franzose eigentlich noch ziemlich lange schlafen: Regulär beginnt der Tag im Hettich-Werk bereits um 6 Uhr. „Man hat mehr Zeit für sich“, sagt Tant, „denn man ist früher zu Hause“.

Er befindet sich im dritten Lehrjahr, doch in Frankreich unterscheidet sich die Ausbildung von ihrem deutschen Pendant. Insgesamt sieht der Ausbildungsplan von Tant 24 Wochen Praxis in Betrieben vor. Der Rest der dreijährigen Ausbildung besteht aus Schule.

Bei Hettich fühlt sich Gildas Tant gut aufgehoben. Seine beiden Tandempartner Erik Arbeiter und Dennis Meier helfen ihm, wo sie können. Meier hat vor einem Jahr schon am Frankreichaustausch teilgenommen - und da er im dritten Lehrjahr ist, hat er auch mehr Erfahrung an den Maschinen. Arbeiter steht noch am Beginn seiner Ausbildung und sieht den Austausch als Vorbereitung für den nächsten Herbst: Dann fährt er für einige Zeit in das Nachbarland am anderen Rheinufer.

Tant wurde zu Beginn des Praktikums gefragt, was er gerne tun würde. Feilen, Schleifen und Fräsen hat er sich gewünscht. Fräsen kann Tant schließlich in Frankreich nicht mehr, da dort bereits fertige Teile importiert werden und somit entsprechende Maschinen nicht mehr vorhanden sind. Zum Abschluss darf Gildas Tant auch eine CNC-Fräsmaschine kennenlernen, sagt Ausbilder Volker Bornscheuer. „Das ist die hohe Schule des Fräsens“, sagt er. Außerdem fertigt Tant eine Halterung für sein Handy an, die er als Erinnerung an seine Arbeit bei Hettich mit nach Hause nimmt.

„Einmalige Erfahrung“

„Es ist eine einmalige Erfahrung“, berichtet Tant. Der Austausch bietet ihm die Gelegenheit, einmal über den Tellerrand zu schauen. Zumal es nicht nur darum geht, sich mit den Tandempartnern zu verständigen, sondern auch mit den anderen Mitarbeitern. Mit Hilfe von ein bisschen Englisch und ein wenig Zeichensprache funktioniere das recht gut, sagt Volker Bornscheuer. Sebastian Le Quintrec, Ausbilder an der Schule in Hennebont, sieht das ähnlich. Es gelte, die Sprachbarriere zu überwinden und sich ohne Sprache zu verständigen. Außerdem helfen internationale Standarts in der Produktion, die Kommunikation zu verbessern.

Gemeinsam mit seinen Mitschülern bietet sich für Tant auch genügend Gelegenheit, die deutsche Kultur etwas besser kennenzulernen. Ein Oktoberfest sowie ein Besuch in Frankfurt standen in den vergangenen Tagen auf dem Programm. Die Wolkenkratzer der Frankfurter Skyline seinen etwas, dass so in Frankreich - abgesehen von Paris - nicht üblich sei, sagt Dolmetscherin Julia Enderlein. Der Frankenberger Standort von Hettich nimmt zum dritten Mal am Austauschprogramm teil. Jedoch werde es immer schwerer, Auszubildende zu finden, die ein Interesse am Austausch haben, sagt Bornscheuer bedauernd.

„Dabei entstehen den Auszubildenden keinerlei Kosten“, sagt Werner Rühl vom Berufsförderungswerk für Handwerk und Industrie in Frankenberg. Verpflegung, Unterkunft und Programm würden komplett vom Deutsch-Französischen Sekretariat finanziert. Der Austausch endet in dieser Woche. Dann darf Gildas Tant endlich wieder französischen Käse genießen, den er in Deutschland doch etwas vermisst. (ste)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare