Der Frankenberger Daniel Seitz erforschte Vogelwelt in der sibirischen Tundra

Einsamkeit in Sibirien

Prachtvolle Naturaufnahmen: Seine Erlebnisse im russischen Forschungscamp in der sibirischen Tundra präsentierte der Frankenberger Diplom-Landschaftsökologe Daniel Seitz mit eindrucksvollen Bildern. Fotos: zve

Frankenberg. Sieben Wochen Forschungsaufenthalt in der Einsamkeit am Jenissei, umgeben von 3,5 Millionen Quadratkilometern sibirischer Taiga, Kontakt nach außen im Notfall nur stundenweise mit dem Satellitentelefon möglich - das wird dem Frankenberger Diplom-Landschaftsökologen Daniel Seitz als einzigartiges Naturerlebnis lange in Erinnerung bleiben. Auf Einladung der NABU/Naturschutzjugend Frankenberg stellte er seine Erfahrungen mit eindrucksvollen Naturfotos jetzt vor mehr als 100 Zuhörern in der Frankenberger Ederberglandhalle vor.

„Mirnoje“ (Friedensort) heißt das Camp mit zwei Holzhütten und einer Sauna, 1000 Kilometer nördlich von Krasnojarsk gelegen, in das der 26-jährige Frankenberger zusammen mit seinem früheren Professor, dem Ornithologen Dr. Hermann Mattes, dem Geografen Prof. Dr. Cay Linau und seinem Studienfreund Jonas Linke reiste. Eingeladen und betreut wurden sie von dem Moskauer Ornithologen Dr. Oleg Bourski und seiner Frau Sanya, die dort ebenfalls forschten. „Europäische und asiatische Avifauna (Vogelwelt) treffen sich am Jenissei“, berichtete Seitz. „Das macht diese Region wissenschaftlich so interessant.“

Leben in der Einsamkeit: Das hieß für das Team, täglich zu angeln, die im frostsicheren Keller gelagerten Kartoffeln, Wildgemüse und -beeren zu essen. „Es gab diverse Suppen und einmal sogar Bärenfleisch, das uns Jäger zur Verfügung stellten“, berichtete Daniel Seitz. Bären sind in Sibirien zwar geschützt, aber drei Tiere waren in ein Dorf eingedrungen und deshalb gefährlich geworden. Auch wenn mehrmals deutliche Bärenspuren um das Camp Mirnoje führten - zu einer Begegnung mit der Forschergruppe kam es nie.

Daniel Seitz half Prof. Mattes, bei dem er auch seine Diplomarbeit über die Bedeutung von Windwurfflächen für die Avifauna im Nationalpark Kellerwald-Edersee geschrieben hat, bei der Zählung von sibirischen Tannenhähern sowie beim Fangen und Beringen anderer seltener Vögel. „Erstmals hielt ich auch ein Rubinkehlchen in der Hand“, freute sich der Frankenberger Ornithologe und präsentierte eine Nahaufnahme des farbenprächtigen Vogels.

Bei aller Begeisterung für die Natur, für stetig wechselnde Farben und Wolkenbilder, für Nächte im Dämmerlicht - für die Forschergruppe bedeutete der Aufenthalt am Jenissei auch ständigen Kampf gegen Milliarden von Stechmücken, beißenden Kriebelmücken und blutsaugenden Bremsen. „Ohne Handschuhe und Netz über den Kopf ist man da verloren“, berichtete Seitz. Auch nachts sei Schlaf nur unter einem Netz möglich gewesen.

Nur zwei Monate lang im Sommer sei der Aufenthalt in den Hütten Mirnoje möglich, schon im Oktober herrsche eisiger Winter und nach der Schneeschmelze stehe die Auenlandschaft am Jenissei bis in den Juni hinein unter Wasser. „Unsere russischen Freunde haben uns eingeladen wiederzukommen“, freute sich Daniel Seitz, der sich zurzeit allerdings erst einmal um einen Arbeitsplatz in seinem Beruf bemüht. „Am liebsten mitten in der Natur!“

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare