Frankenberg

Bei Einzelhändlern in der Fußgängerzone ist altes Gefühl der Stärke zurück

- Frankenberg (rou). Die Zeiten sind offensichtlich vorbei, in denen die Kaufleute aus der Innenstadt beim Gedanken an den möglich Bau der Eder-Galerie das Vertrauen in ihre Fußgängerzone verloren haben.

An der Gesamtsituation hat sich nicht viel verändert. Noch immer ist unklar, ob die seit Jahren diskutierte Eder-Galerie des Bad Hersfelder Investors Rosco im Kreuzungsbereich der Röddenauer Straße und der Siegener Straße tatsächlich gebaut wird. Noch immer ist es Spekulation, wann dieses neue Einkaufszentrum eröffnet wird und welche Auswirkungen es auf die inhabergeführten Fachgeschäfte in der Neustädter Straße und der Bahnhofstraße hat. Und doch haben die Händler in der Fußgängerzone ihre zwischenzeitlich einem Winterschlaf ähnelnden Starre beendet – obwohl die Herbst-/Wintersaison eigentlich gerade erst beginnt. Die Kaufleute freuen sich offensichtlich auf die neue Zeit.

Wieder Rolltreppefahren

Woher dieses Umdenken? Wie kommt es, dass die Frankenberger Händler wieder Vertrauen in ihre Flaniermeile gefunden haben? Vermutlich ist von den beiden großen Einzelhändlern dieser Stadt die Initialzündung ausgegangen. Hans-Heinrich Heinze investiert trotz schwierigen Umfeldes weiter in sein Modehaus in der oberen Fußgängerzone. Auf einer noch größeren Verkaufsfläche will er seinem treuen Kundenstamm noch mehr Mode anbieten. Damit gibt er erneut ein deutliches Bekenntnis zur Neustädter Straße ab. Und auch der zweite große Textilhändler, André Kreisz, hat mit der Neueröffnung des Hauses Eitzenhöfer II in der ehemaligen Pausch-Immobilie in der Mitte der Fußgängerzone ein Zeichen gesetzt – das den Kunden ganz offensichtlich sehr gut gefällt.

Jahrelang waren die Kunden in der Einkaufsstadt Frankenberg die Kaufhausluft gewohnt – mit der ein Hauch von großer, weiter Einkaufswelt durch die Fußgängerzone wehte. Dann folgte die Insolvenz, die Rolltreppe stand plötzlich still, eine der größten Immobilien in der Fußgängerzone enwickelte sich kurzzeitig zum Problemfall. „Sechs Monate haben wir die Gedanken reifen lassen“, sagte Kreisz bei der Neueröffnung des Hauses am Mittwochabend. Dann stand der Entschluss fest: „Wir greifen an.“ Es habe Spaß gemacht, die übernommene Immobilie zu entwickeln – und ein Konzept zu erarbeiten, das auch für die Zukunft Bestand habe.

Kaufhausluft weht nun wieder durch das Haus, doch das Angebot präsentiert sich nicht mehr als Gemischtwarenladen, sondern schon eher wie ein modernes, kleines Einkaufszentrum: mit umfangreichem Sortiment, das jedoch nicht von einem, sondern von mehreren Fachhändlern angeboten wird: Mode im Untergeschoss, Schuhe und Bücher im Erdgeschoss und Geschenk- und Dekokartikel sowie Spielwaren und Baby- und Kinderbekleidung im ersten Obergeschoss. „Die tragenden Säulen der Stadt“ haben sich laut Kreisz auf den 2000 Quadratmetern zusammengeschlossen. Geboten würde nun nicht nur Ware, sondern wieder ein Einkaufserlebnis. „Hier gibt es auch die Möglichkeit, sich eine viertel oder halbe Stunde aufzuhalten und zu verweilen“, sagte Kreisz.

Drei Säulen des Handels

Dies nutzten während der ersten drei Eröffnungstage fast alle Gäste der Einkaufsstadt. Vor allem in der neuen Kinderwelt war der Betrieb groß – erwartungsgemäß. Denn zuletzt hatte zumindest in der Fußgängerzone ein Spielwarengeschäft gefehlt. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte André Kreisz am Samstagnachmittag. Dies hatte Bürgermeister Christian Engelhardt schon am Mittwochabend betont. Er habe auf eine „wertige Weiterentwicklung“ der Fußgängerzone gehofft. Der Einzelhandel spiele für das Lebensgefühl in einer Stadt schließlich eine große Rolle. André Kreisz' neues Kaufhaus stelle nun einen zentralen Punkt dar, der Kunden anziehe und somit Frequenz bringe. Von der werden laut Engelhardt in Zukunft auch die anderen inhabergeführten Fachgeschäfte in der Fußgängerzone erheblich profitieren.Von der neuen Mitte wird sich voraussichtlich noch Ende dieses Jahres die neue Freude an der Fußgängerzone auch in die Randbereiche der Neustädter Straße übertragen. Nach dem Umzug der Buchhandlung Schreiber in das Haus Eitzenhöfer II fehlt der oberen Fußgängerzone, dem Einfallstor aus der Altstadt, ein Anbieter, der diesem Areal jahrelang Frequenz gebracht hatte. Die Fensterscheiben sind momenten verklebt. Doch noch FZ-Informationen sind die Verhandlungen über die künftig Nutzung bereits abgeschlossen. Ein alteingesessener Frankenberger Einzelhändler wird dort künftig seine Produkte anbieten.

Keine Angst vor Galerie

Stadtsanierung und gemeinsam von der Politik und der Kaufmannschaft erarbeitete Konzepte für die Fußgängerzone sollen nächstes Jahr weitere Impulse in der Flaniermeile setzen. Entsprechende Gespräche hatte Bürgermeister Christian Engelhardt in der vergangenen Woche angekündigt und seine Erwartungen formuliert (FZ vom Samstag). Vermutlich sind es diese Aussichten, die das alte, neue Gefühl der Stärke wieder zurück in die Fußgängerzone gebracht hat: mit starken Anbietern im Übergang der Neustädter Straße zur Ritterstraße, mit dem erweiterten Modehaus Heinze, einem neuen Haus Eitzenhöfer II sowie dem Modehaus Eitzenhöfer am Ende der Fußgängerzone – und dazwischen bieten kleine, feine Fachgeschäfte ihre Ware an. Gegen diese Einkaufsvielfalt muss sich auch eine Eder-Galerie erst beweisen – sollte sie denn gebaut werden.

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