Erster Haushalt der Verwaltungsgemeinschaft Allendorf/Bromskirchen steht

Das Einzigartige als Selbstverständlichkeit

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Gemeinsame Sache: Die Vorbereitungsphase für die Verwaltungsgemeinschaft Allendorf/Bromskirchen neigt sich dem Ende entgegen. Der erste Haushalt wird am Donnerstag beschlossen, auch die Aufgaben der Verwaltungen wurden verteilt.Archivfotos: Adel/Schilling

Allendorf/Bromskirchen - In gut drei Wochen geht die erste Verwaltungsgemeinschaft in Hessen an den Start. Die Vorbereitungen in Allendorf und Bromskirchen laufen. Der erste Haushalt steht und soll am Donnerstag beschlossen werden.

Der 1. Januar ist der Stichtag für die Verwaltungsgemeinschaft Allendorf/Bromskirchen. Es sind die ersten Kommunen Hessens, die ihre Verwaltungen zusammenführen. Bauchschmerzen haben die Bürgermeister Claus Junghenn und Karl-Friedrich Frese deswegen nicht. Sie sehen sich gut vorbereitet - auch wenn die Erfahrungswerte natürlich fehlen.

Doch bereits in der Vergangenheit arbeiteten die Gemeinden eng zusammen. Zudem wurde gemeinsam mit den Mitarbeitern der Verwaltungen - derzeit 15 in Allendorf und vier in Bromskirchen - ein Plan erstellt, welche Bereiche künftig von welchem Standort aus bearbeitet werden (siehe Kasten). Somit kann am Montag, 5. Januar, jeder seine Arbeit aufnehmen.

Es sei zu spüren, dass die Bürger gerne ein fertiges Gebilde präsentiert bekämen, erklärt Allendorfs Rathaus-Chef Claus Junghenn: „Aber das ist schwierig. Wir stehen ganz am Anfang der Entwicklung.“ Als Beispiel nennt er das Standesamt und die Kasse. Diese Bereiche werden schon seit längerem für beide Gemeinden von Allendorf aus betreut. Dort habe es zu Beginn auch Fragezeichen gegeben, mittlerweile sei die Zusammenarbeit selbstverständlich. „Ich gehe davon aus, dass in fünf bis sieben Jahren für die Verwaltungsgemeinschaft das Gleiche gilt“, sagt Junghenn.

Land Hessen fördert erste Verwaltungsgemeinschaft mit 300.000 Euro

In den nächsten Monaten soll sich zeigen, wie die Verwaltungsgemeinschaft im Detail funktioniert, an welchen Schrauben gedreht werden muss und wo die Zusammenarbeit intensiviert werden kann - damit am Ende auch Zählbares in Form von Einsparungen steht. Frese und Junghenn betonten immer wieder, dass dies aber nicht sofort möglich sei.

Ein erstes konkretes Zahlenwerk gibt es dennoch. Der erste Haushalt der Verwaltungsgemeinschaft wurde aufgestellt. Dieser ist im Vergleich zu den Gegenstücken der Gemeinden relativ übersichtlich. Im Haushalt befinden sich alle Posten, die die Verwaltung betreffen. Das sind vor allem die Personalkosten und im kleineren Ausgaben für zum Beispiel Büroartikel, Telefongebühren oder Heizkosten. Die Mitarbeiter sind zwar weiterhin bei der jeweiligen Kommune angestellt, die Kosten werden aber im Haushalt der Verwaltungsgemeinschaft aufgelistet. Das wird sich nach und nach ändern. Im nächsten Jahr ist die Einstellung eines Auszubildenden geplant - sein Arbeitgeber wird dann die Verwaltungsgemeinschaft sein. Die Personalkosten für die Bürgermeister bleiben hingegen Sache der Gemeinden.

Der erste Ergebnishaushalt der Verwaltungsgemeinschaft ist für 2015 im ordentlichen Ergebnis mit Erträgen von etwa 1,478 Millionen Euro und Aufwendungen von rund 1,470 Millionen Euro festgesetzt. Die Gemeinden finanzieren die Verwaltungsgemeinschaft über Umlagen - anteilig nach Einwohnerzahl. Heute überreicht Innenminister Peter Beuth in Bromskirchen den zugesicherten Förderbescheid in Höhe von 300.000 Euro. Das Geld ist im Haushalt eingeplant.

An den weiteren Personal- und Sachkosten in Höhe von rund 827.000 Euro beteiligt sich Bromskirchen (1766 Einwohner) mit etwa 200000 Euro und Allendorf (5570 Einwohner) mit mehr als 620.000 Euro. Am Donnerstag soll die Verbandsversammlung mit sechs Gemeindevertretern aus Allendorf und drei Bromskirchener Parlamentariern den Haushalt beschließen. Dann ist der nächste Schritt vor dem Start am 1. Januar getan.

Was wird wo erledigt

Viele Bereiche sollen in den nächsten Monate und Jahren zusammenwachsen. Der erste Plan, welche Bereiche von wo aus bearbeitet werden, sieht wie folgt aus:

  1. Die Arbeiten des Einwohnermeldeamtes werden in Bromskirchen und in Allendorf vorgenommen. An beiden Standorten soll es die Siegel und Stempel beider Gemeinden geben, damit Bürger aus Bromskirchen ihr Anliegen auch in Allendorf erledigen können – und umgekehrt.
  2. Die Ordnungsämter sollen im Laufe der nächsten Jahre zusammengelegt werden.
  3. Im Bereich Soziales können Rentenanträge in beiden Verwaltungen vorgenommen werden. Die Arbeiten im Bereich Kindertagesstätten übernimmt Bromskirchen.
  4. Im Bereich Friedhof werden Anmeldungen von Bestattungen in beiden Gemeinden angenommen. Erfassung der Sterbefälle und Kostenabrechnung erfolgen in Allendorf.
  5. Die Standesämter wurden 2012 zusammengelegt.
  6. Ein gemeinsamer Abfallkalender soll erstellt werden.
  7. Der Personalbereich wird teilweise in Allendorf (Beamte) und in Bromskirchen (Angestellte/Arbeiter) erledigt.
  8. Die Arbeiten im Bereich Kläranlage/Abwasserentsorgung sollen in den nächsten Jahren zusammengelegt werden und dann von Allendorf aus bearbeitet werden.
  9. Beim Bauamt soll es gemeinsame Ausschreibungen und Bestellungen geben. Eine weitere Zusammenlegung ist später denkbar.
  10. Das Finanzwesen mit Rechnungen wird in Allendorf bearbeitet. Die Kasse wurde schon vor einigen Jahren zusammengelegt.
  11. Auch das Steueramt geht nach Allendorf. Die Jahresabrechnung wird in beiden Gemeinden getrennt erfasst.
  12. Bromskirchen ist für den Bereich Klimaschutz zuständig.
  13. Der EDV-Bereich und das Gebäudemanagement werden von Allendorf aus organisiert. Eine Schlüsselausgabe für Gebäude gibt es weiter in Bromskirchen.
  14. Die Feuerwehren sollen eine Bedarfs- und Entwicklungsplanung aufstellen – mit einem gemeinsamen Fahrzeugkonzept. Neuanschaffungen sollen gemeinsam erfolgen. Die Verwaltungsarbeit übernimmt Bromskirchen.(tt)

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