Treysaer Verein sucht dringend neue Mitglieder – Dampfzug-Historie bald vorbei?

Eisenbahn vor dem Ende

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Volldampf

Schwalmstadt/Frankenberg. Unter Volldampf durch das Lahntal nach Koblenz: Eine Sonderfahrt mit dem historischen Dampfzug an die Mosel bieten für Sonntag, 25. April, wieder die Eisenbahnfreunde Treysa an.

Doch so idyllisch wie das blühende Lahntal, durch das die Reise geht, ist das Vereinsleben der Eisenbahnfreunde längst nicht mehr. Die Freunde historischer Eisenbahntechnik drücken massive Mitgliedersorgen – so massiv, dass der Verein möglicherweise in naher Zukunft vor dem Aus steht, erklärt Stephan Thierfelder.

Das würde auch Auswirkungen auf das Frankenberger Land haben. Denn die Eisenbahnfreunde Treysa steuerten in den vergangenen Jahren regelmäßig Frankenberg an, unternahmen von dort aus auch Abstecher nach Battenberg und Herzhausen.

Von der Instandhaltung des Maschinenparks inklusive Dampflokomotive über die Pflege des alten Bahnbetriebswerkes am Treysaer Ulrichsweg bis hin zur Organisation der beliebten Sonderfahrten in ganz Deutschland – der Arbeitsaufwand ist enorm hoch, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Eisenbahnfreunde Treysa.

„Wir sind wie ein kleines Unternehmen“, fasst Thierfelder zusammen, mit Verwaltungsaufgaben am Schreibtisch ebenso wie technischer Wartungsarbeit.

Rund 80 Mitglieder zählen die Eisenbahnfreunde, doch davon sind nur etwa 20 aktiv dabei – und von denen wiederum sind es zumeist nur fünf Männer, die jeden Samstag auf das Vereinsgelände kommen. Was besonders fehlt, sind tatkräftige Mitglieder zwischen 30 und 40 Jahren. Und gesucht werden Menschen, die wirklich zuverlässig bei der Stange bleiben und nicht einfach nur Dampflok-Romantiker sind. „Wir spielen nicht Eisenbahn, sondern sind ein Verkehrsunternehmen wie die Deutsche Bahn“, sagt der stellvertretende Vorsitzende.

Um bei den Eisenbahnfreunden mitzumischen, bedarf es trotz der vielen Aufgaben keiner handwerklichen oder verwaltungstechnischen Vorbildung. „Was es braucht, ist Begeisterung und Spaß an lebendiger Eisenbahngeschichte“, sagt Thierfelder.

Ein geringeres Problem haben die Eisenbahnfreunde mit den Finanzen. Der Betrieb der Dampflok ist zwar mitunter sehr kostspielig, weil etwa die technische Untersuchung der historischen Lokomotive alle acht Jahre allein 50 000 Euro kostet; außerdem steht eine teure Sanierung des undichten Daches des Lokschuppens bevor.

Kein Minus in der Kasse

Doch ein Minus in der Kasse gibt es nicht, weil die rund acht Sonderfahrten im Jahr mit jeweils 400 Fahrgästen fast immer ausgebucht sind, erklärt Thierfelder. Die Eisenbahnfreunde könnten theoretisch sogar zwölf Fahrten im Jahr anbieten, aber dafür braucht es wiederum genug Helfer. Wenn ein, zwei Mitglieder krank seien, könnten Fahrten sogar ausfallen. Ob der Verein generell noch eine Zukunft hat, wollen die Eisenbahner spätestens am Jahresende entscheiden.

Von Jürgen Köcher

Quelle: HNA

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