Die 17-jährige Alina Kraft steht ab Sonntag dem Ellershäuser Pfarrer beim Abendmahl zur Seite

Ellershausen bekommt neue Küsterin

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Alexander Wilke war zwei Jahre Küster in Ellershausen. Er übergibt die Schlüsselgewalt über die Kirche nun an seine Nachfolgerin Alina Kraft. Künftig wird die 17-Jährige die Gottedienste vorbereiten.Foto: Patricia Kutsch

Frankenau-Ellershausen - Gerade einmal 17 Jahre alt ist der Küster der Frankenauer Kirche. Dabei hat Alexander Wilke das Amt schon zwei Jahre inne. Morgen übergibt er es in einem Gottesdienst an seine Nachfolgerin Alina Kraft.

Die Ellershäuser Kirchgänger kennen Alexander Wilke genau. Der junge Mann hat mit 15 Jahren das Amt des Küsters übernommen. Jede zweite Woche hat er den Gottesdienst vorbereitet, auch bei Hochzeiten und Beerdigungen war er in der Kirche - hat die Glocken geläutet, die Liednummern angeschlagen und sich um die Kollekte gekümmert. Neben der Schule hat Alexander zwei Jahre lang als Küster gearbeitet. „Ich gehe gerne in die Kirche und wäre vermutlich auch in den Gottesdienst gegangen, wenn ich kein Küster wäre“, sagt der junge Mann. Also hat er den Job angenommen: So konnte er mit den Vorbereitungen für kirchlichen Feiern sein Taschengeld aufbessern.

„Die Vorbereitungen hatten weniger mit Vergnügen zu tun, sondern waren ja Arbeiten“, erzählt Alexander freimütig. Spaß hatte er an seinem Amt dennoch: „Das schönste ist, wenn man im Gottesdienst sitzt und die Anerkennung von den Kirchgängern bekommt.“

Ein Teil der Gemeinde sein

Das Küsteramt gibt Alexander trotz aller Freude ab. Am Sonntag wird er im Gottesdienst verabschiedet. Zugleich führt Pfarrer Heinrich Giugno eine neue Küsterin in ihr Amt ein und stellt sie der Gemeinde vor: Alina Kraft.

Die neue Küsterin ist genauso jung wie ihr Vorgänger. Gerade einmal 17 Jahre ist sie alt - und wohnt erst seit zwei Jahren in Ellershausen. „Den Bezug zur Kirche hatte ich verloren“, sagt sie. Alina kommt aus Rockenberg bei Frankfurt. Dort wurde sie getauft und konfirmiert. In die Kirche ging sie dann nicht mehr, sondern war an den Wochenenden lieber in der Stadt unterwegs. „Jetzt wohne ich in einem Dorf - hier kennt sogar jeder jeden - und bin wieder in die Kirche gegangen. Ich wollte Teil der Gemeinde werden.“ Dass Alexander nun wegen seiner schulischen Ausbildung keiner Zeit mehr für das Küsteramt hat, hat Alina genutzt und sich um die Stelle beworben.

Die junge Frau wurde vom Kirchenvorstand auch sofort akzeptiert. „Es gibt auch ältere Menschen, die das Amt übernommen hätten“, erklärt der Pfarrer. Sie hätten jedoch alle zu Gunsten der jungen Bewerberin verzichtet. „Wir trauen den jungen Menschen gerne zu, diese verantwortungsvolle Arbeit zu übernehmen, sich zu integrieren und die Kirche von der anderen Seite zu erleben.“ Außerdem sei Alina für die Arbeit wie gemacht: Wie der Pfarrer mit einem Augenzwinkern berichtet, wohnt die junge Frau im Haus der früheren Küster.

„Du wirst nie allein gelassen“

Dass eine anspruchsvolle Arbeit auf sie wartet, weiß Alina. „Aber ich gehe da mit einer positiven Einstellung ran. Es wird eben alles seine Zeit brauchen.“ Von Alexander hat sie in den vergangenen Wochen schon einiges gelernt: Wo die Nummern für die Liedtafeln hängen, wann geläutet wird und wie sie das Abendmahl vorbereitet. Den Gottesdienst für Sonntag - seinen letzten und ihren ersten - bereiten die beiden noch zusammen vor. Ein bisschen hat Alina in den vergangenen Wochen schon geholfen - dann aber ist es alleine ihr Job. Die junge Frau tritt in große Fußstapfen: „ Alexander hat eine ruhige, freundliche Art die Menschen in der Kirche zu empfangen und für sie da zu sein“, lobt Giugno. Er habe den Besuchern immer das Gefühl gegeben, dass jemand da ist, der ihnen hilft. Überhaupt habe die Kirchengemeinde in den vergangenen Jahren nur sehr gute Küster gehabt. „Aber du wirst nie allein gelassen“, versichert der Pfarrer Alina. Sie ist vor ihrem ersten Gottesdienst schon sehr nervös. „Wenn etwas ist, kannst du jederzeit einen der Kirchenvorsteher fragen“, versichert Giugno. Auch wenn sie mal bei einem Gottesdienst oder einer Hochzeit nicht helfen kann.

Denn im Gegensatz zu ihrem Vorgänger wagt Alina sich an eine ganze Stelle. Alexander hatte sich das Amt mit dem Kirchenvorstand geteilt und nur jeden zweiten Gottesdienst vorbereitet. „Ich habe viel Zeit neben der Schule. Ich versuche es einfach mal“, sagt Alina, die in drei Jahren Abitur machen möchte. Und neben dem Kirchenvorstand hilft ihr ihre Mutter. Die Aufgabe der jungen Küsterin wird es nämlich auch sein, die Glocken zu läuten, wenn ein Bewohner von Ellershausen verstorben ist. Ohne Hilfe ihrer Mama ist dies zu Schulzeiten nicht machbar.

Passend zur Einführung der neuen Küsterin feiert die Ellershäuser Gemeinde am Sonntag einen Gottesdienst der Erneuerung - die Reformation. Laut Pfarrer Heinrich Giugno singt der Kirchenchor zu Ehren der beiden jungen Küster, er selbst werde die beiden Helfer an diesem Vormittag segnen.

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