17-Jähriger hatte zwei Häuser angezündet

Elsoffer Brandstifter in Psychiatrie eingewiesen

Beim ersten Brand hatte der junge Brandstifter die Hausbewohner gewarnt.Foto: Archiv

Bad Berleburg-Elsoff - Zwei Großbrände innerhalb von vier Wochen: Die Menschen im Elsofftal lebten voller Angst und Sorge, nachdem am 16. März und in der Osternacht zwei landwirtschaftliche Anwesen in der Mennertalstraße in Flammen aufgegangen waren. Hatte ein 17-jähriger Dorfbewohner sich nach dem ersten Feuer noch als Retter ausgeben wollen, geriet er spätestens nach dem zweiten Großbrand in den Fokus der kriminalpolizeilichen Ermittlungen und wurde letztlich überführt.

Jetzt musste sich der Jugendliche in nicht öffentlicher Sitzung wegen schwerer Brandstiftung in zwei Fällen vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Der Vorsitzende Richter Torsten Hoffmann sowie seine beiden Schöffen Britta Schöneborn und Heiko Jung nahmen sich Zeit, um die furchtbaren Geschehnisse in Elsoff aufzuarbeiten.

Wegen schwerer Brandstiftung in zwei Fällen im Zustand verminderter Schuldfähigkeit wurde eine Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verhängt, gleichzeitig die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie angeordnet. Als Vertreter der Anklage hatte Staatsanwalt Patrick von Grotthuss eine dreijährige Haftstrafe gefordert. Auf diese Informationen aus dem Gerichtssaal beschränkte sich der Pressesprecher am Landgericht Siegen, Richter Dirk Kienitz.

„Obwohl der Angeklagte die ihm vorgeworfenen Taten zugibt, ist das Schwierigste die Frage nach seinem Motiv“, hatte Rechtsanwalt Frank Henk als Verteidiger des 17-Jährigen schon im Vorfeld der Hauptverhandlung erklärt. Seit seiner Festnahme am zweiten Osterfeiertag ist der Junge in ärztlicher Behandlung. Kann er überhaupt für seine Taten mit Haft bestraft werden? Ist er schuldunfähig?

Um das herauszufinden, hat auch der Sachverständige Dr. Kai Eggert, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in der LWL-Klinik Gütersloh, das Ergebnis seiner Untersuchungen dem Gericht vorgetragen. Auf diesem ausführlichen und über 30 Seiten starken Gutachten basiert der Richterspruch.

Bis auf die Gutachter hatte Jugendrichter Torsten Hoffmann die geladenen Zeugen vor der Hauptverhandlung abbestellt. Der Beschuldigte hatte zuvor angegeben, dass er im Sinne der Anklage ein Geständnis ablegen werde.

Die Dauer der Unterbringung in einer medizinischen Einrichtung hängt von den behandelnden Ärzten ab. Je nach Länge der Therapie kann die Haftstrafe angerechnet werden. Der 17-Jährige galt bereits nach dem verheerenden Brand auf dem Hof Weber in Elsoff als Tatverdächtiger. Sein zunächst abgelegtes Geständnis hatte er jedoch später widerrufen. Dadurch blieb er auf freiem Fuß, galt bei einigen Dorfbewohnern als „Retter“, weil er die Familie Weber in der Nacht noch rechtzeitig geweckt hatte.

Dann heulten erneut die Sirenen im Elsofftal. Diesmal stand ausgerechnet das Elternhaus des jungen Mannes in Flammen. Wollte er mit dem Legen dieses Feuers in der Osternacht den Verdacht von sich auf einen großen Unbekannten lenken? Viele Fragen bleiben wohl für immer ohne Antwort.

Fest steht, dass der materielle Schaden dieser Straftaten in die Hunderttausende geht. Auch wenn die leichten Rauchgasvergiftungen bei vier Menschen heute längst vergessen sind, so sind im familiären Umfeld des Jungen Herz und Seele krank geworden durch das Verhalten ihres Jungen. Diese Verletzungen allmählich zu heilen, ist mit die Aufgabe einer guten Dorfgemeinschaft.

Das verhängte Urteil ist rechtskräftig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare