Wärmebedarf und Stromverbrauch aller städtischen Liegenschaften in Klimaschutzteilkonzept dokumentiert

Energiekosten um 225 000 Euro senken

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Frankenberg - Die Stadt Frankenberg will eine „Vorbildfunktion im Klimaschutz einnehmen“, heißt es im Klimaschutzteilkonzept, das Ende Dezember vom Parlament beschlossen wurde. Doch noch ist sie davon weit entfernt, denn etliche städtische Liegenschaften haben eine energetische Sanierung dringend nötig.

Energieeffizienz gilt als Zauberwort in der Diskussion um steigende Öl- und Strompreise. Und auf die Energieeffizienz hat in den vergangenen Monaten auch die Stadt Frankenberg ihre Gebäude prüfen lassen. Für rund 33 000 Euro wurde von der Kasseler Firma MUT Energiesysteme ein Konzept erstellt, das eine umfassende Bestandsaufnahme von relevanten städtischen Gebäuden im Hinblick auf die bestehende bauliche Substanz sowie die aktuelle Haus- und Gebäudetechnik liefert. Das Bundesumweltministerium hat sich mit 23 000 Euro an den Kosten beteiligt.

Den Stadtverordneten liegt seit Mitte Dezember die Studie vor. Sie zeigt auf, über welche Gebäude sich die Stadt zeitnah Gedanken machen sollte, wo großer Handlungsbedarf besteht und eine intensivere Analyse von Kosten und Nutzen angebracht ist. Mit einem Beschluss haben die Stadtverordneten bereits definiert, wie mit diesen Erkenntnissen umgegangen werden soll: Priorisiert nach den Amortisationspotenzialen und in Abhängigkeit von der Kassenlage der Stadt sollen die Gebäude energetisch saniert werden. Ein exakter Fahrplan liegt allerdings noch nicht vor.

Laut Studie verursachen die Anlagen in den städtischen Gebäuden 1147 Tonnen Kohlenstoffdioxid im Jahr. Als Zielwert weist das Konzept eine CO2-Emission von 377 Tonnen pro Jahr aus. Würde dieser in Frankenberg erreicht, könnte die Stadt allein an Wärmekosten rund 136 000 Euro und an Stromkosten 89 000 Euro sparen – jährlich.

Um dies zu erreichen, wären jedoch Investitionen in siebenstelliger Größenordnung erforderlich. Derzeit verbrauchen die städtischen Gebäude 2966 Megawattstunden Wärme und 643 Megawattstunden Strom pro Jahr. Im Mittel belaufen sich die Energiekosten somit auf rund 336 000 Euro.

Insgesamt 25 städtische Gebäude sind in der Studie energetisch betrachtet worden. Vor allem die Hochbauten mit großem Energiebedarf weisen „deutliche Reduktionspotenziale” aus.

Im Stadthaus wurden durchschnittlich 448 Megawattstunden Wärme und 92 Megawattstunden Strom verbraucht. Der Wärmeverbrauch liegt erheblich über dem Durchschnittswert im Bundesvergleich ähnlicher Gebäude. Wesentliche Ursache ist laut Diplom-Ingenieur Armin Raatz der schlechte Zustand der Heizungsanlage und die Verteilung. Die Anlage habe einen hohen Sanierungsbedarf. Die beiden Gaskessel hätten ihre Nutzungsdauer erreicht. Die Heizungsverteilung müsse optimiert werden, die Regelung der Kessel erfolge nicht außentemperaturabhängig und ein hydraulischer Abgleich der gesamten Anlage sei nicht vorhanden. Weitere Wärmeverluste treten durch die ungedämmte Leitung auf, die Regelung der Vorlauftemperatur des Heizungsnetzes sei nur über einen Mischer möglich.

Der Gutachter schlägt unter anderem eine Außendämmung, einen hydraulischen Abgleich der Heizkörper sowie die Optimierung der Heizungsanlage vor. Zwei Varianten werden grob skizziert: Die zusätzliche Installation eines Blockheizkraftwerkes für 25 000 Euro, die sich bereits nach drei Jahren amortisiert habe und in den folgenden Jahren einen „Überschuss” von 7000 Euro erwirtschafte. Angedacht werden sollte eine gemeinsame Versorgung mit dem Hotel „Die Sonne”.

Modell zwei, die Erneuerung der Kessel, würde 21 000 Euro kosten und sich spätestens nach sechs Jahren amortisieren. Bis zu 125 Megawattstunden Energie könnten gespart werden: 31 Tonnen Kohlenstoffdioxid und 7500 Euro Energiekosten.  Im Gutachten wird zudem eine neue Studie zu einer Nahwärmeversorgung des Obermarktes angeregt. Bereits 2010 hatte die Energie-Gesellschaft Frankenberg eine Wirtschaftlichkeitsberechnung angestellt – mit negativem Ergebnis.

Der Wärmebedarf der Ederberglandhalle wird in Form von Nahwärme aus dem BHKW-Modul und einem Gasbrennwertkessel im benachbarten Hallenbad gedeckt. Der Wärmeverbrauch liegt bei 598 Megawattstunden im Jahr, der Stromverbrauch bei 270 Megawattstunden. Den Schwachpunkt des Gebäudes stellen laut Gutachten die Fenster in den Alurahmen dar. Bei geschätzten Kosten von mehr als 130 000 Euro beträgt die Amortisationszeit allerdings 20 Jahre. Bemängelt wird zudem die Lüftungsanlage. Die soll jedoch schon in diesem Jahr erneuert werden. Der Haushaltsentwurf sieht einen Ansatz von 30 000 Euro vor.

Großes Handlungspotenzial besteht laut Studie auch in Geismar, wo das Sportlerheim saniert werden müsste. Pro Quadratmeter und Jahr besteht dort ein Wärmebedarf von 313 Kilowattstunden; der Vergleichswert liegt bei 152, das Ziel sollten 41 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr sein. Im Mittel der Jahre 2005 bis 2011 belief sich der Wärmeverbrauch auf 62 Megawattstunden. Vorgeschlagen wird der Austausch der Fenster, der Außentüren, die Dämmung der Wände und der Austausch der Heizung. Investitionssumme: rund 45 000 Euro. Zum Vergleich der Wärmeverbrauch im Sportlerheim in Viermünden: 97 Kilowattstunden pro Quadratmeter; insgesamt summiert sich der Wärmeverbrauch auf 36 Megawattstunden im Jahr.

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