Frankenberg

Engagement für die Allgemeinheit gewürdigt

+

- Frankenberg (apa). Auf den Tag genau 50 Jahre ist Heinz Hesse im öffentlichen Dienst tätig – sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich. Dafür ehrte ihn Richterin Andrea Hülshorst am Mittwoch. Die Richterin verabschiedete Reinhard Mayer, den stellvertretenden Schiedsmann in der Gemeinde Burgwald.

Am 1. Dezember 1960 hatte Heinz Hesse aus Oberholzhausen bei der Post angefangen. Er hat sein berufliches Leben im öffentlichen Dienst verbracht und sich seit 1999 auch ehrenamtlich als Schöffe am Ortsgericht der Großgemeinde Haina verdient gemacht. Erst vor Kurzem wurde er für weitere fünf Jahre in seinem Ehrenamt bestätigt. Richterin Andrea Hülshorst verlas die von Ministerpräsident Volker Bouffier unterzeichnete Urkunde und verwies darauf, dass der 70-Jährige zwei Generationen lang im Dienst war: „Das ist eine Wahnsinnsleistung.“ Hesse berichtete kurz von seinen Erfahrungen als Ortsgerichtsschöffe und betonte: „Man kann über alles reden.“ Das Ortsgericht – eine Besonderheit in Hessen – fungiert als Bindeglied zwischen Bevölkerung und Justiz. Ortsgerichte beglaubigen Dokumente, erteilen Sterbefallanzeigen oder schätzen den Wert von Immobilien und Grundstücken. Für diese Aufgaben sind fundierte Fachkenntnisse nötig, betonte Heinz Hesse. Aus dem Amt als stellvertretender Schiedsmann in der Gemeinde Burgwald wurde Reinhard Mayer verabschiedet. Ihm folgt Axel Schröder im Amt. Er wurde von Richterin Andrea Hülshorst vereidigt. Ein Schiedsmann schlichtet vor allem typische Nachbarschaftsstreitigkeiten und versucht, langfristige Lösungen für Probleme zwischen zwei Parteien zu finden: Wann ist Hundegebell störend, wie hoch darf eine Hecke auf der Grundstücksgrenze sein, wie laut und oft darf der Hahn auf dem Nachbargrundstück krähen? „Das sind Sachen, die nicht vor das Gericht gehören“, sagte Hülshorst.Sie verwies auf die Kompetenzen, die die Schiedsmänner und die Ortsgerichte haben. „Sie können manchmal eher Rechtsfrieden schaffen als das Gericht“, sagte Richterin Hülshorst und bezog sich auf das Hintergrundwissen, das die Menschen vor Ort den Richtern voraus 
haben. Dies bestätigte auch Reinhard Mayer. Auch wenn Burgwald eine kleine Gemeinde sei, habe es „einige“ Fälle in seiner 15-jährigen Amtszeit gegeben, von denen 95 Prozent aber einvernehmlich geklärt worden seien. „Das funktioniert aber nur, wenn man die Menschen und die Familien kennt“, sagte der 58-Jährige. Die Richterin bedankte sich bei den Männern für ihre Bereitschaft, sich ehrenamtlich einzubringen und Zeit für die Allgemeinheit zu opfern. Dies sei in der heutigen „Individualgesellschaft“ nicht mehr selbstverständlich. „Es ist immer leichter sich zu beschweren als sich einzubringen“, betonte die Richterin.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare