Laisa: Ortsbeirat plant Leerstands-Kataster

Engagement für Leben im Dorf

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Ortsvorsteher Jörg Paulus, Volker Noll vom Laisaer Ortsbeirat und Bauherr Andreas Bremerich (von links) vor dem Haus, das Bremerich seit drei Jahren saniert. Er ist mit seiner Frau und den vier Kindern von Bottenhorn nach Laisa gezogen.

Battenberg-Laisa - Ortsvorsteher Jörg Paulus nennt Andreas Bremerich einen „Glücksfall“: Er hat ein leer stehendes Fachwerkhaus saniert und ist mit Ehefrau und vier Kindern nach Laisa gezogen. Paulus hofft, auch in Zukunft leer stehende Gebäude möglichst vermeiden zu können.

Der Ortsbeirat hat eine „Aktion gegen Leerstände in Laisa“ gestartet, um die Dorfbewohner zu sensibilisieren. Hausbesitzer können in einen Fragebogen vermerken, ob ein Gebäude leer steht oder in wie vielen Jahren das der Fall sein könnte. Wer an einem Verkauf oder einer Vermietung interessiert ist, kann die Daten des Gebäudes auf der Internetseite www.laisa.de veröffentlichen lassen. Insgesamt wurden am Wochenende in 235 Haushalten die Fragebögen verteilt.

Fragebögen gibt es auch für potentielle Käufer oder Mieter sowie für Besitzer von Bauplätzen. Es gebe noch mehrere freie Grundstücke in privater Hand, berichtet Volker Noll vom Ortsbeirat. Noch stünden weniger als zehn Häuser leer, sagt Paulus. Das werde sich aber ändern. „Bei vielen Häusern wissen wir, dass es droht.“ Vorbild für das Leerstandskataster sei Birkenbringhausen, wo eine ähnliche Initiative gestartet wurde.

Wer ein Haus saniert, kann in Laisa noch bis zum Jahr 2015 Zuschüsse aus dem Dorferneuerungsprogramm bekommen. Über die hat sich auch Andreas Bremerich gefreut. „30000 Euro, das war wie ein Geschenk des Himmels.“ Ebenso willkommen waren die Zuschüsse aus dem städtischen Förderprogramm zur Belebung der Ortskerne. „Die tun was, damit Familien hierher kommen“, sagt Bremerich. Beide Zuschussmöglichkeiten kannte die Familie allerdings noch gar nicht, als sie sich für Laisa als neuen Wohnort entschied.

Zunächst waren andere Gründe ausschlaggebend: Die Nähe zur Schule in Battenberg, zu Geschäften und Ärzten, der Blick vom Haus ins Edertal – und nicht zuletzt der Kindergarten im Dorf. Den sieht Andreas Bremerich als großen Vorteil für ein Dorf und versteht nicht, dass kleinere Tagesstätten geschlossen werden. „Das ist für eine Stadt zwar ein Zuschussgeschäft, aber das Geld ist gut investiert.“

Der Innenausbau ist beendet, die Außensanierung dauert noch einige Zeit. Soweit möglich, erledigt der Architekt die Arbeiten selbst. Vor 2015 will die Familie noch einen zweiten Antrag in der Dorferneuerung stellen und einen Teil der Nebengebäude ausbauen: Entweder zu einer Ferienwohnung oder zu einer Praxis –Ehefrau Bettina Hartle-Bremerich arbeitet ist Psychologin. Beide sind vom Landleben überzeugt und vermissen vermeintliche Vorzüge, die Großstädte bieten, nicht. „Wir haben in Hamburg gewohnt“, berichtet Andreas Bremerich.

„Wenn man dort zu einem Konzert oder ins Theater in einem anderen Stadtteil wollte, war man auch eine Stunde unterwegs. In dieser Zeit ist man von hier aus in Kassel, Marburg oder Winterberg.“ Viel größere Bedeutung als ein Kulturangebot vor der Haustür hatte die Tatsache, dass am Dorf keine Autobahn vorbeiführt.

Paulus hofft, über die Internetseite des Dorfs Interessenten für leer stehende Häuser zu finden. Zum einen könnten sich Auswärtige, die in der Region einen neuen Arbeitsplatz bekommen, über das Angebot informieren. Doch auch im Dorf gebe es junge Leute, die zwar in Laisa bleiben, aber nicht mehr bei den Eltern wohnen möchten.

Bürgermeister Heinfried Horsel begrüßt die Initiative aus Laisa und appelliert an die Dorfbewohner, den Fragebogen auszufüllen. „Laisa war schon immer ein lebendiges Dorf mit aktiven Einwohner, denen ihr Dorf und die örtliche Gemeinschaft sehr am Herzen lagen und liegen“, sagt der Rathauschef. „Ich halte die Aktion für sehr gut geeignet, um dem drohenden Leerstand entgegenzuwirken.“ Er könne sich vorstellen, dass andere Ortsbeiräte dem Laisaer Beispiel folgen.

Ortsvorsteher Jörg Paulus appelliert auch an Hausbesitzer, die Fördermöglichkeiten zu nutzen. „Es gibt noch einige Häuser, an denen was gemacht werden muss“, sagt er. „Jetzt ist die Chance da.“

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