Der Frankenberger Meister Philipp Soldan schmückte Kanzel und Empore

Engel, Eule, Hornbläser

Signatur des Meisters: An diesem Balkenkopf der Empore in der Liebfrauenkirche hinterließ „Philippus Soldan“ seinen Namen und die Jahreszahl 1529. Sein kleiner Engel zwischen Blättern und Schriftband verrät die Gestaltungsfreude des Künstlers. Fotos: Völker

Frankenberg. Mit der Reformation rückte die Wortverkündigung in den Mittelpunkt des Gottesdienstes, die Kanzel bekam einen zentralen, für alle Besucher gut sichtbaren Standort. In der Liebfrauenkirche wurde zwei Jahre nach Einführung der lutherischen Lehre zudem eine Empore eingebaut, für deren Holzkonstruktion und Ausschmückung der Balkenköpfe kein Geringerer als der später berühmt gewordene Frankenberger Künstler Philipp Soldan (um 1500-1570) zuständig war.

„PHILIPPUS SOLDAN ANNO 1529“ schnitzte er in das geschwungene Schriftband, aus dem ein kleiner Engel hervorlugt. Es ist einer von 30 kunstvoll verzierten Balkenköpfe des Meisters, die heute zu den wertvollsten Exponaten des Kreisheimatmuseums in Frankenberg gehören. Zwei weitere geschnitzte Balkenenden nahm das Marburger Universitätsmuseum auf, dessen Gründervater Ludwig Bickell den in Vergessenheit geratenen Holzschmuck um 1882 im nördlichen Seitenschiff der Liebfrauenkirche wieder entdeckt hatte.

Dort lagen die Balken mit ihren Schmuckköpfen säuberlich gestapelt, nachdem die Empore 1864 wieder abgebaut worden war. Bickell fertigte mit seiner Glasplattenkamera mehrere Fotos der Balkenstücke an und veröffentlichte zwei davon in der Zeitschrift „Hessische Holzbauten“.

Als Soldan 1529 seine Balkenköpfe formte, standen in der Liebfrauenkirche noch die etwa 80 kunstvollen Statuen und Reliefs aus der Werkstatt seines großen Frankenberger Bildhauer-Vorgängers Tyle von Frankenberg (um 1330 - um 1400) auf ihren Sockeln an den Kirchenwänden, bevor sie später Opfer der „Zweiten Reformation“ mit dem Bildersturm durch Landgraf Moritz wurden.

Kunsthistorisch hat der Soldan-Forscher Albrecht Kippenberger (1890-1980) die neuen Schmuckelemente der Liebfrauenkirche gegenüber den spätmittelalterlichen Werken so bewertet: „Es ist motivisch eine Art Gegenzyklus, eine Antwort der Renaissance auf die Klänge der vergangenen Zeit, eine Angleichung im Sinne der Einheit an das Vorhandene. Auch hier sind es Konsolen, an denen sich Masken aus Blattwerk bilden. Allerdings ist das Thema nun stark bereichert.“

Und Kippenberger zählt Soldans Masken zwischen dem Laubwerk, den Widder, eine Eule, zwei Hähne, einen Hasen, betende Mönche, Putten und Engel, eine Jungfrau und einen Hornbläser auf, die verschiedenen Varianten von Blatt- und Bandwerk mit Früchten, „halb den allgemeinen Charakter des Gotischen wahrend, halb doch individueller verstanden…, maskenhaft und doch wieder persönlich oder gar karikaturistisch.“

„Modernere“ Stilformen

„Modernere“ Stilformen der Renaissance zeigt auch die Soldan zugeschriebene Steinkanzel von 1554. Kirchenkastenrechnungen belegen, dass Meister Philipp in der Liebfrauenkirche oft zu Malerarbeiten herangezogen wurde, so auch bei der neuen Orgel von 1546 und bei der Kanzel.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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