Sitzung des Frankenberger Präventionsrats

Entscheidung zur Sperrstunde steht an

Noch ist die Entscheidung nicht gefallen, ob in Frankenberg nur noch bis drei Uhr gefeiert werden darf. Am Mittwoch tagte der Präventionsrat der Stadt. Politik, Verwaltung, Polizei und Jugendorganisationen tauschten ihre Argumente aus.Foto: Archiv

Frankenberg - Es ging hauptsächlich um das Austauschen von Meinungen: Auch nach der Sitzung des Frankenberger Präventionsrates bleiben die Argumente die gleichen. Dennoch soll bald eine Entscheidung über die Sperrzeit fallen.

„Es ist noch keine Entscheidung gefallen“, betont Bürgermeister Rüdiger Heß. Am Mittwoch hatte der Präventionsrat der Stadt getagt - das beherrschende Thema: Die mögliche Verlängerung der Sperrstunde (FZ berichtete mehrfach). Doch lange möchte sich der Rathauschef nicht mehr Zeit nehmen: „Ich gehe davon aus, dass ich es in der nächsten Woche entscheide - und entscheiden muss ich es alleine“, sagt er. Es sei am Mittwoch lediglich darum gegangen, noch einmal alle Argumente zu hören.

Neben Vertretern der Politik, der Verwaltung und der Polizei haben so auch die Jugendverbände an der Sitzung des Präventionsrates teilgenommen. „Ich finde es gut, dass sich so junge Menschen derart engagieren“, sagt der Bürgermeister - auch wenn die Position der Jugend unverändert bleibt: „Wir sind weiterhin der Meinung, dass eine verlängerte Sperrstunde Frankenberg unattraktiv macht“, argumentiert Hendrik Klinge von den Jusos, der am Mittwochabend selbst anwesend war. Die Jugendverbände der politischen Parteien - bei diesem Thema ungewohnt geschlossen - sehen in einer möglichen Verlängerung der Sperrzeit auch eine Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit. Solange sie niemanden stören, wollen sie feiern, so lange es ihnen beliebt - das ist Linie der Jugend, seit die Polizei den Kommunen im Kreis die Einführung einer verlängerten Sperrzeit nahegelegt hat.

„Wir haben dem Bürgermeister auch eine Liste von Unterschriften übergeben“, erzählt Klinge aus der Sitzung. Im Internet, aber auch handschriftlich haben in den vergangenen Wochen hunderte Menschen für eine Beibehaltung der derzeitigen Sperrzeiten unterschrieben - 1404 sind es insgesamt. „Das sind größtenteils Jungwähler. Ich hoffe, dass Herr Heß das im Hinterkopf behält“, mahnt mit Blick auf den Überlegungsprozess des Bürgermeisters an.

Doch der möchte vor einer Entscheidung besonders die Fakten noch einmal abwägen. Ein deutliches, statistisch unterlegtes Votum hat die Polizei abgegeben: Der Jugendkoordinator Dirk Virnich, der Direktionsleiter Hubertus Hannappel und Frankenbergs Dienststellenleiter Ottmar Vöpel präsentierten unter anderem Zahlen aus Korbach (siehe Kasten). „Das ist natürlich ein wesentliches Signal“, wertet der Rathauschef die Daten der Beamten. Ohne diese hätte er keine Entscheidung fällen können. Doch auch die zum Jahresbeginn aktualisierte Fassung der hessischen Sperrzeit-Verordnung wolle er genau prüfen. Gleiches gelte für die Argumente der Jugend und der Gaststättenbetreiber - von denen habe sich, ergänzt Heß, nur einer gegen eine Verlängerung der Sperrzeit ausgesprochen. Eingeladen zu dem Runden Tisch im Stadthaus war von den 58 im Voraus befragten Gastwirten allerdings niemand.

Das kritisiert Lothar Battefeld - den es als Wirt von Bonkers und Utopia ganz besonders trifft. „Eine Entscheidung für längere Sperrzeiten bedeutet für uns das Ende“, erinnert er an den wirtschaftlichen Druck, der auch wegen der GEMA-Reform (FZ berichtete) auf Diskothekenbetreibern lastet. Mit Blick auf die Jugend als Kundschaft sagt er: „Wir machen die Kaufkraftabschöpfung“. Das ginge verloren, müssten die einzigen Diskotheken im Altkreis ihre Pforten schließen.

Battefeld sieht die Diskussion am Ziel vorbei laufen - es gehe um mangelnde Prävention: „Die Probleme kommen nicht von uns, sondern von anderen Sachen“ - er meint den Alkohol: „Das Vorglühen ist das Hauptproblem. Das ist die Wurzel allen Übels. Das sorgt für die Aggressivität“ - vor 20 Jahren schließlich habe es Sachbeschädigungen und Schlägereien in diesem Ausmaß nicht gegeben: „Damals wurde die Gartentür ausgehängt, heute wird sie zertreten“, fasst er den Wandel zusammen, für den er als Wirt nichts kann. Die Flasche im Kofferraum - billiger, schneller, mithin leichter zu haben - führe zu den Problemen, die eine Sperrzeitverlängerung aus Sicht der Polizei nötig machen.

Das sieht auch Heß so. Er sagt über den Alkoholkonsum der Jugend: „Das ist ein weiteres Thema. Damit müssen wir uns im Anschluss beschäftigen“.

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