In Rengershausen wurde am Sonntag Ochsenfest gefeiert – Besucher vom Niederrhein

Erhalten durch Aufessen

Ochsenfest: Rotes Höhenvieh war auch in diesem Betrieb zu sehen. Die Besucher des Ochsenfestes kamen sogar vom Niederrhein nach Rengershausen angereist. Fotos:  Faust

Rengershausen. Viele Interessierte nahmen am Sonntag an den Führungen anlässlich des Rengershäuser Ochsenfestes teil. Auf einem Höhenweg auf dem Hochplateau oberhalb der Marienkirche waren in Koppeln historische, vom Aussterben bedrohte Haustierrassen zu sehen. Die Kulturgeschichte und heutige Bedeutung dieser Tiere wurde den Zuhörern von Pfarrer Uwe Hesse erläutert.

Auch die Gäste, die den Fußweg wegen der sporadischen Regenschauer scheuten, kamen beim Ochsenfest nicht zu kurz. Im Haus des Gastes bot der Kirchenvorstand den Besuchern in Zusammenarbeit mit Helfern einen Mittagstisch und auch ein reichhaltiges Kuchenbüfett an. Bis zum Abend gab es Hamburger, Bratwürstchen und Gulaschsuppe vom Roten Höhenvieh. Dass es auch Fleischprodukte von Tieren gab, die in ihrem Bestand bedroht sind, gehört zum Konzept der Archehofbewegung; Der gute Geschmack des Fleisches soll dazu beitragen, dass sich auch neue Züchter für die Haltung der bedrohten Rassen interessieren. Erhalten durch Aufessen – so lautet das Motto der Erhaltungszucht.

Nach den jeweils knapp zweistündigen Führungen folgte am Nachmittag ein Umweltgottesdienst. Pfarrer Hesse blieben dafür nur wenige Minuten Zeit, um die zur Besichtigung der Herden zweckmäßige Alltagskleidung gegen die liturgische Amtstracht zu tauschen. Doch von dieser Eile war nichts zu spüren, als der Gemeinde- und gleichzeitig landeskirchliche Umweltpfarrer den Biodiversitäts-Gottesdienst begann, der ganz auf die Vielfalt der Schöpfung ausgerichtet war.

Für einen Gottesdienst ungewöhnlich waren die eingesetzten Medien: In einer Bildpräsentation auf einer überdimensionalen Leinwand im Altarraum wurde den Besuchern die Vielfalt der Arten und der Haustierrassen vorgestellt – und ihnen vermittelt, warum diese Rassen erhalten werden sollten.

Im Fall des Roten Höhenviehs waren es vor 25 Jahren nur wenige Idealisten, die sich in letzter Minute dem Erhalt der heute einzigen überlebenden historischen Haustierrasse in Hessen widmeten. Das in unseren Dörfern einst verbreitete Dreinutzungsrind war kurz vor dem endgültigen Erlöschen, als sich erneut ein Züchterkreis bildete, der die noch vorhandene Restgenetik erhalten konnte. Mit einem in Gießen entdeckten Spermienvorrat des schon legendär gewordenen Bullen Uwe, der im Frankenauer Stadtteil Dainrode gezüchtet worden war, konnte die Erhaltung der Rasse gestartet werden.

Pfarrer Hesse freute sich zu Beginn des Gottesdienstes, die Delegierten des Partnerkirchenkreises Borwa I aus Südafrika begrüßen zu können. Die musikalische Begleitung des Umweltgottesdienstes übernahm der Wangershäuser Posaunenchor mit seinen jungen Bläsern unter Leitung von Dirigent Marius Mitze. Für diese Gruppe ist auch der Erlös des Ochsenfest bestimmt, ebenso die Kollekte am Ende des Gottesdienstes.

Von Gerd Faust

Quelle: HNA

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