Das Bütow-Treffen blickt auf eine 50-jährige Frankenberger Patenschaft zurück

Erinnern als Verpflichtung

Vor 50 Jahren: Landrat Heinrich Kohl (rechts) überreichte am 26. August 1961 dem letzten Landrat des ehemaligen Kreises Bütow, Ludwig Förster, die Patenschaftsurkunde des Landkreises Frankenberg. Fotos: Völker

Frankenberg. Zwei Jubiläen bestimmen das 26. Bütower Heimattreffen, zu dem der Heimatkreistag Bütow, die Stadt Frankenberg und der Landkreis Waldeck-Frankenberg am kommenden Wochenende gemeinsam einladen: Vor 50 Jahren übernahm der damalige Kreis Frankenberg die Patenschaft für die Heimatvertriebenen des pommerschen Landkreises Bütow, vor 30 Jahren wurde im Kreis-Heimatmuseum eine „Bütower Heimatstube“ eingerichtet, die Bilder und Erinnerungsstücke, aber auch Dokumente von Flucht und Vertreibung aufbewahrt.

Etwa 150 Mitglieder aus der gesamten Bundesrepublik und viele geladene Gäste, zum Teil seit Jahrzehnten mit privaten Frankenberger Gastgeberfamilien freundschaftlich verbunden, erwartet ein umfangreiches Programm. Höhepunkt ist am Sonntag eine Kundgebung in der Ederberglandhalle mit der Festansprache von Dr. Jan Lipinsky (Marburg) über „Erinnerung als Verpflichtung - Lust oder Last?“

„Ersatzheimat“

Als 1961 die Pommersche Landsmannschaft mit ihren Kreis- und Städtetagen sowie Heimatkreisen erstmals die Stadt Frankenberg als Tagungsort wählte, beschlossen die Körperschaften des Landkreises Frankenberg spontan, eine Patenschaft, eine Art „Ersatzheimat“ für die Heimatvertriebenen eines pommerschen Kreises zu bieten. Der damalige Landrat Heinrich Kohl schlug den von der Struktur her Frankenberg sehr ähnlichen Landkreis Bütow auch aus ganz persönlichen Gründen vor: Als Flugzeugpilot hatte ihn der Krieg nach Stolp geführt, deshalb kannte er die Landschaft gut.

Beim Landestreffen der Pommern überreichte Kohl am 26. August 1961 die Patenschafts-Urkunde des Kreises an den ehemaligen Bütower Amtskollegen Ludwig Förster; die Stadt Frankenberg zog im kommenden Jahr mit einer Patenschaft nach.

Aktivster Fürsprecher war Gerhard Gube (1910-1995), der seit 1946 Adressen von ehemaligen Bütowern gesammelt hatte und nach dem ersten Treffen in Frankenberg so begeistert war, dass er spontan von Hamburg nach Frankenberg übersiedelte und sich sein Leben lang für diese Patenschaft einsetzte. Sein Sohn Michael Gube (Berlin) ist seit 2005 Vorsitzender des Heimatkreises Bütow mit etwa 1500 Mitgliedern.

Die Bütow-Treffen in Frankenberg waren Riesen-Erfolge: Am 26. August 1962 reisten 1000 ehemalige Bütower in die Ederstadt, 1975 waren es 1800 Besucher. Inzwischen hat sich jedoch die Alterstruktur der von Flucht und Vertreibung aus Pommern selbst Betroffenen so verändert, dass nur wenige von ihnen aus Altersgründen noch reisen können.

Politische Perspektiven

Mit dem Ende des Kalten Krieges öffneten sich mit den Grenzen auch die politischen Perspektiven in einem großen Europa. Niemand hätte 1962 zu hoffen gewagt, dass Deutsche und Polen 1996 in Bütow das 650-jährige Stadtjubiläum gemeinsam feiern würden.

Bereits 1992 hatten Landrat Dr. Bökemeier und Vertreter des Kreises Waldeck-Frankenberg Kontakte mit den Kommunen Bytów und Pyrzyce (ehemals Pyritz) in Polen aufgenommen, 1994 durfte der Bütower Heimatkreis im polnischen Bytów einen eigenen Gedenkstein für die Toten aufstellen.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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