In Battenberg

Erinnerung an Nazi-Opfer: Vorschlag von Arndt Böttcher abgelehnt

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Am Krieger-Ehrenmal in Battenberg: Der pensionierte Geschichtslehrer Arndt Böttcher.

Battenberg. Zunächst einmal abgelehnt haben Gremien der Stadt die Anregung des pensionierten Geschichtslehrers Arndt Böttcher, die Namen von drei Männern, die während des Zweiten Weltkrieges „Feindsender" hörten, auf einer Tafel am Friedhof zu veröffentlichen.

Darüber hinaus hatte Arndt Böttcher vorgeschlagen, auch die Namen jüdischer Menschen und Angehöriger der Volksgruppe der Sinti, die vom Hitler-Regime umgebracht wurden, auf einer Gedenktafel zu nennen.

Der ehemalige Geschichtslehrer aus Frankenberg hatte im Dezember bei einem Vortrag auf Einladung des Battenberger Geschichtsvereins über den Schmied Hermann Willstumpf, den Schneider Willi Schmitt und den Klempner Heinrich Noll berichtet, die im Jahr 1940 vom damaligen Oberlandesgericht Kassel wegen des Hörens ausländischer Rundfunksendungen zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt worden waren. Willstumpf bezahlte diese Haft mit seiner Gesundheit, Schmitt und Noll mit ihrem Leben.

Ausdrücklich hatte Böttcher auch darum gebeten, die Sinti-Familie Klein mit aufzunehmen, die während des Dritten Reiches auf der Kröge lebte. Die Witwe Klein und fast alle ihrer elf Söhne waren von den Nationalsozialisten verfolgt und umgebracht worden (HNA berichtete).

Groß war nun die Enttäuschung bei Arndt Böttcher, als er einem Brief des Battenberger Bürgermeisters Christian Klein vom 26. März entnahm, dass „die damit befassten Gremien“ nach intensiver Diskussion entschieden hätten, „von einer namentlichen Nennung der vorgeschlagenen Personen am Battenberger Ehrenmal abzusehen“. Gründe wurden in dem Brief nicht genannt.

Nach Böttchers Ansicht gehört „eine namentliche Würdigung des betroffenen Personenkreises“ aber dazu, wenn man ein von Bürgermeister Klein so bezeichnetes „dunkles Kapitel“ der Battenberger Vergangenheit aufarbeiten wolle.

„Nicht der richtige Ort“ 

Gegenüber der HNA erklärte Bürgermeister Christian Klein auf Nachfrage, dass das Ehrenmal am Battenberger Friedhof „nicht als der richtige Ort“ für eine namentliche Würdigung der Verfolgten während der NS-Zeit gesehen werde. Es gebe ja durchaus am Ehrenmal einen Hinweis auf die Opfer rassistischer und politischer Verfolgung. Man habe bei der Anbringung dieser Tafel „offensichtlich bewusst“ eine allgemeine Formulierung gewählt, um keinen Namen zu vergessen, schreibt Klein. Der Magistrat sei der Auffassung, dass eine „namentliche Würdigung der betroffenen Personen noch weiterer, grundsätzlicher Überlegungen“ bedürfe.

Geschichtsverein beteiligen 

„So könnte beispielsweise unter Beteiligung des Battenberger Geschichtsvereins ein Gremium Vorschläge erarbeiten, in welcher Form und an welcher Stelle eine namentliche Würdigung der politisch und rassistisch verfolgten Personen aus Battenberg während der NS-Zeit erfolgen und wer diese Vorschläge überprüfen soll“, schreibt Bürgermeister Christian Klein abschließend. (off)

Quelle: HNA

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