Frankenberg

Erleuchtete Maria blickt auf ihren Sohn

- Frankenberg (sin). „Mariens Himmelfahrt“ heißt das neue Altarwandbild in der katholischen Kirche St. Maria Himmelfahrt. Am Sonntag wurde es in einem Festgottesdienst von Ordensprior Norbert Thüx gesegnet.

Die Gedanken hinter dem Werk und den Schaffensprozess stellte der Potsdamer Künstler Stefan Pietryga vor. Eines sollte das Gemälde über die Auffahrt der Christusmutter Maria in den Himmel nicht werden: plakativ. „Meine ersten Entwürfe erinnerten mich an ein inszeniertes Theaterbühnenbild“, sagte Pietryga. Damit gab sich der Künstler, der auch schon als Bildhauer tätig war, nicht zufrieden. Er entwickelte eine eigene Technik zum Auftragen der Farben, die diese nicht matt erscheinen lässt. Eine bewegte Fläche zu schaffen war erklärtes Ziel Pietrygas, das er mit beharrlicher Arbeit erreicht hat. Entstanden ist ein gemaltes Zusammenspiel aus Himmel und Wolken, die sich ineinander zu verwirbeln scheinen. Durchzogen ist dieses blau-weiße Farbspiel von Lichtillusionen. Eine feierliche Atmosphäre durchzieht das Bild. Auch dass die Mariengestalt selbst scheinbar aus der Fläche heraustritt, hat Pietrygas beabsichtigt. Maria blickt auf ihren Sohn Er erklärte im Gottesdienst die architektonische Aufteilung des Bildes. Ein sakraler Raum hat ein strenges architektonisches Gefüge. Diese „eigene Sprache“ wollte Pietryga einfangen und fortsetzten. Vor dem Altarbild hängt mittig das Kruzifix. Vom Mittelgang aus gesehen richtet Maria ihren Blick auf diesen gekreuzigten Jesus. So verbindet Pietryga das Altarbild mit der Auferstehung Jesu und dem ewigen Leben. Die damit einhergehende Zuversicht mache den christlichen Glauben aus, sagte Pietryga. Ein Lichtbündel links oben im Bild erleuchtet Maria. Es könne als göttliche Hand verstanden werden, die Maria in den Himmel hebt, bot Pietryga dem Betrachter als Interpretation an. Nach unten ist das Altarwandgemälde begrenzt durch einen Streifen aus Blattgold. Er markiert räumlich die Grenze zum Altarraum, kann aber auch bildlich als Schwelle in den jenseitigen Himmel gesehen werden. Die Farbe trug Pietryga nicht mit dem Pinsel auf. Er rieb Farbpulver mit einem Lappen auf den Putz, bürstete Reste weg, rieb von neuem. So verhinderte er, dass die Farben durch ein Bindemittel ihre Leuchtkraft verlieren und ihre Lebendigkeit einbüßen. Als Untergrund nutzte er einen feinen Putz, dessen Beschaffenheit er mit einer Eierschale verglich. Diese unkonventionelle, von Pietryga selbst entwickelte Methode lieferte ein farbintensives Ergebnis, barg jedoch eine große Schwierigkeit: Korrekturen waren nicht möglich. Als Farbton nutzte Pietryga das Ultramarinblau. Dieser natürliche Farbton war vor der Möglichkeit der künstlichen Herstellung so kostbar wie Gold und wurde im Mittelalter zur Darstellung des Göttlichen oder dem Gewand Marias benutzt. Geöffnete Hände Viele Gedanken hatte sich Pietryga über die Marienfigur gemacht. Dazu beschäftigte er sich mit historischen Texten über die Darstellung der Maria, aus denen er im Gottesdienst vorlas. Er wies die Betrachter auf die Haltung ihrer Hände hin. Sie öffnet sie gerade nach dem Gebet. „Darin scheint sie etwas so Großes wie das Universum zu halten“, beschrieb Pietryga. Ein Jahr etwa arbeitete er an dem Altarbild, nachdem er den Zuschlag unter vier Bewerbern erhalten hatte. Immer wieder machte er Skizzen und Zeichnungen. Gut zwei Monate war der Potsdamer dann in Frankenberg tätig, bis Ende November vergangenen Jahres das Wandbild fertig war. Einen Segen zur Einweihung sprach Prior Norbert Thüx vom Deutschen Orden über das Bild. Anschließend besiegelte er die Zeremonie mit Weihwasser und Weihrauch. Pater Laurentius lud seine Gemeinde und die zahlreichen Gäste dann zum gemeinsamen Kaffeetrinken ins benachbarte Pfarrheim St. Bonifazius ein. Die katholische Gemeinde bietet Postkarten vom Gemälde zum Kauf an. Die Einnahmen kommen der Finanzierung des Altarwandbilds zugute.

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