Gemündens Kulturrestaurant vor weiterer Veränderung

Erneuter Pächterwechsel im Bahnhof

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Gemünden - Er wollte das Kulturprogramm um junge Bands bereichern, die Küche ein wenig modernisieren und den Alten Bahnhof ansonsten einfach den Alten Bahnhof sein lassen. Jetzt gibt Michael Mootz auf. Einen neuen Pächter für das Gemündener Restaurant gibt es aber schon.

Das kam für viele überraschend: Als am Montag in der Frankenberger Zeitung vermeldet wurde, dass der Kulturverein „Gleis 3“ die aktuelle Ausstellung im Alten Bahnhof sofort beendet und auch alle geplanten Veranstaltungen für dieses Jahr absagt, sorgte das in Gemünden rasch für Gerüchte. Viele betrafen den Alten Bahnhof, einige den Kulturverein, der seit mehr als zehn Jahren Musik, Malerei und Lesungen im Güterschuppen der mit dem Denkmalschutzpreis ausgezeichneten Gaststätte veranstaltet.

Michael Mootz gibt nach Recherchen der Frankenberger Zeitung als Pächter auf. Diese Information bestätigten nicht nur unabhängig voneinander mehrere verlässliche Quellen, sondern gestern Nachmittag auch Klaus Obermann, dem das Gebäude noch immer gehört: „Es wird einen Pächterwechsel geben“, sagte er auf Anfrage der FZ. Ein Wechsel in der Geschäftsführung soll demnach bereits zum Jahresende stattfinden. Bis dahin laufe der Betrieb im Alten Bahnhof jedoch ungehindert weiter. Mootz selbst war in den vergangenen Tagen für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Mootz wollte modernisieren

Michael Mootz war vor einem Jahr angetreten, den Alten Bahnhof behutsam zu modernisieren. Der Koch, der bei Klaus Obermann selbst in der Lehre gewesen ist, hat viele Küchen in Deutschland kennengelernt. Er wollte die Speisekarte des Bahnhofs weiterentwickeln, ohne auf die typische Kost des Restaurants im historischen Ambiente zu verzichten. „Es gibt so viele gute Schülerbands oder junge Coverbands, denen möchte ich eine Chance geben“, hatte er vor einem Jahr über eine geplante Weiterentwicklung des Kulturprogramms im Gespräch mit der FZ gesagt - passiert ist jedoch wenig. Neben dem großen und viel beachteten Besuch des Hessischen Rundfunks im Hochsommer war der bedeutendste Publikumsmagnet das Sommerfest zum zehnjährigen Bestehen des Vereins „Gleis 3“.

Die Kulturschaffenden, denen auch Klaus Obermann angehört, waren es, die weiterhin für regelmäßige Veranstaltungen in den alten Hallen sorgten - bis es am Wochenende zum Bruch kam. „Das hat sich angedeutet“, erklärte Udo Fugmann. Er beschrieb, dass die beiderseitige Kommunikation zwischen Mootz und dem Verein zunehmend schwierig geworden sei. Sein persönlicher, hörbar erboster Eindruck: „Herr Mootz legt mehr Wert auf Party - er hat mit Kultur wenig am Hut.“ Weil eine bereits terminierte Veranstaltung seitens des Bahnhofs abgesagt wurde, habe der Verein den Entschluss gefasst, auf Rücksicht auf die Künstler alle verbleibenden Veranstaltungen ebenfalls abzusagen - dafür seien in einem Fall sogar vertraglich festgelegte Strafzahlungen in Kauf genommen worden. „Wir sind den Künstlern verpflichtet“, sagte Fugmann. Die Zusammenarbeit mit Mootz liege auf Eis. Er ging sogar so weit zu sagen, dass der Kulturverein seine Arbeit ohne einen Betreiberwechsel eingestellt hätte - „es gebe auch sonst keine adäquate Alternative“, sagte er mit Blick auf die Räume des Alten Bahnhofs.

Obermann: Kultur bleibt

So weit jedoch muss es nicht kommen. Klaus Obermann will die Wellen glätten: „Als Kultureinrichtung bleibt der Alte Bahnhof auf jeden Fall erhalten - und auch als Restaurant“, versprach er gestern im Gespräch mit der FZ. Dass Veranstaltungen abgesagt werden mussten, sei nicht schön, aber auch nicht ungewöhnlich. „Das Wichtigste ist, dass es weiter geht“, erklärte er. Wer das weit über Gemünden bekannte Restaurant weiterführt, verriet er noch nicht: „Wir wollen uns zu gegebener Zeit ausführlich äußern.“

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