Kunden sogar im Hochland der Anden

Ernsthäuser Firma Kahl & Schlichterle liefert überarbeitete Getränkemaschinen in alle Welt

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Koloss mit Überbreite: Ein großer Aufwand war nötig, um diese Flaschenwaschmaschine zur Firma Kahl &Schlichterle nach Ernsthausen zu transportieren. Dort wird sie komplett überarbeitet, wie Geschäftsführer Bernd Schlichterle (rechts) erläutert. Die Mitarbeiter Victor Wiedemann (links) und Dennis Eierdanz bauen hier gerade die Flaschenhalter ab.

Ernsthausen:  Ob Inder, Araber, Australier oder Nepalesen, Menschen aus Burundi oder Surinam – beim Ernsthäuser Unternehmen Kahl & Schlichterle geben sich Kunden aus aller Welt die Klinke in die Hand.

Aber solch einen aufwendigen Auftrag hat die Firma, die gebrauchte Maschinen und Anlagen für die Getränkeindustrie generalüberholt, nicht alle Tage: Um eine 4,5 Meter breite Flaschenwaschmaschine von Schwollen (Rheinland-Pfalz) ins Werk im Burgwald zu transportieren, wurden in allen Orten auf dem Weg von der Autobahn bei Alsfeld bis Ernsthausen Parkverbotsschilder aufgestellt – also entlang der B 62 und B 252.

Die Genehmigung dafür ging über drei Tage, wegen einer Baustelle war nicht klar, wann genau der Transport mit Überbreite stattfinden konnte, erläutert Bernd Schlicherle, einer der drei Geschäftsführer des Ernsthäuser Unternehmens. Um den Verkehr möglichst wenig zu behindern, fand die Aktion nachts statt – begleitet von Polizeifahrzeugen, die die Firma ebenfalls bezahlen musste. 8000 Euro habe der Transfer auf der knapp 300-Kilometer-Strecke gekostet.

Die weitaus größere Reise steht dem zehn Tonnen schweren Koloss noch bevor: 10 300 Kilometer nach Südamerika. Die Brauerei Cerveceria Nacional in Potosi in Bolivien hat die Flaschenwaschmaschine bestellt. Dorthin hatte Kahl & Schlichterle bereits einen Bierflaschenfüller – Leistung: 20 000 1,5-Liter Flaschen pro Stunde – sowie eine Etikettiermaschine und einen Auspacker geliefert.

„Das war eine Herausforderung“, schildert Bernd Schlichterle und meint damit die Höhenlage in den Anden. Mit 4300 Meter über NN ist Potosi eine der höchstgelegenen Städte der Welt. Bei der Höhe müssen die Motoren zehn Prozent mehr Leistung bringen. Aber die größte Herausforderung bedeutete der Auftrag für die Monteure, die aus Ernsthausen zum Aufbau der Maschinen in die Anden gereist waren. „Sie brauchten zehn Tage, um sich erst einmal ans Klima zu gewöhnen“, erzählt Schlichterle. Die Brauerei sei mit der Arbeit so zufrieden, dass sie nun auch eine Flaschenwaschmaschine bestellte.

Die gebrauchte Anlage aus Schwollen wird derzeit von den Fachleuten in Burgwald – darunter Elektroniker, Zerspanungstechniker, Industriemechaniker und Metallbauer – überarbeitet. Aus Alt wird quasi Neu: Metallteile werden repariert oder erneuert, alle Produktionsschritte überprüft und überarbeitet, die elektronische Steuerung und die Hydraulik komplett ausgetauscht.

Wenn Metallteile fehlen und neu gebaut werden müssen, dann erledigt dies oft die zum Unternehmen gehörende Firma Metallbau Kahl & Schlichterle, deren Werkhalle sich direkt nebenan befindet.

„Rund drei Monate brauchen wir für die Generalüberholung“, schätzt Bernd Schlichterle. Dann geht der Koloss wieder auf Reisen. Dafür wird er in Folie eingeschweißt und in einer riesigen Holzkiste verstaut. „Auf dem Transport, insbesondere auf dem Schiff, darf kein Wasser und Salz eindringen. Das würde die Maschine schädigen.

Wenn ein Spezialtransporteur die Anlage zur Verschiffung zum Hafen bringt, dann werden erneut Parkverbotsschilder entlang der Bundesstraßen in Richtung Autobahn aufgestellt werden müssen. 35 000 Euro Transportkosten hat die Firma von Burgwald bis nach Bolivien eingeplant.

Seit Jahrzehnten laufe das Geschäft mit den gebrauchten Getränkemaschinen gut, sagt Geschäftsführer Schlichterle. Er blickt aber mit Sorge in die Zukunft: Chinesische Konkurrenten bauen nagelneue Anlagen, die günstiger sind als die gebrauchten aus Burgwald. „Unser Pluspunkt sind unsere Erfahrung, ein hoher Standard und unsere Zuverlässigkeit“, sagt Schlichterle. „Ohne unsere hoch qualifizierten Mitarbeiter wäre das nicht zu leisten.“

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