Wiesenfelder Tiefenbrunnen

Erst die Verbindungen, dann die Filter

+
Aus den Wasserhähnen in der Gemeinde Burgwald soll ab 2017 wieder das Wiesenfelder Wasser fließen. Dafür investiert die Gemeinde 1,5 Millionen Euro.Foto: AA+W/Fotolia

Burgwald - Die Gemeinde Burgwald will in den nächsten vier Jahren 1,5 Millionen Euro in die Trinkwasserversorgung investieren. Das Parlament hat sich dafür ausgesprochen, nachdem ein Fachmann Bürgern und Politikern Fragen rund um den Wiesenfelder Tiefenbrunnen beantwortet hat.

Die Gemeinde Burgwald will sich künftig wieder selbst mit Wasser versorgen, statt aus Frankenberg zuzukaufen – für diese zunächst teure, aber laut Bürgermeister Lothar Koch durchaus wirtschaftliche Richtung hat sich das Parlament am Donnerstagabend ausgesprochen. Seit der Wiesenfelder Tiefenbrunnen im Dezember 2010 wegen eines zu hohen Werts von Tetrachlorethan im Trinkwasser geschlossen werden musste, kauft die Gemeinde Wasser über Frankenberg zu. Bis dato war die Gemeinde selbst Verkäufer von Wasser – sie belieferte die Gemeinde Allendorf. „Wir zahlen jeden Monat 15000 bis 20000 Euro für das Wasser, das wir aus Frankenberg beziehen“, erklärte Lothar Koch in der Parlamentssitzung.

Der Projektleiter Michael Rempe vom Ingenieurbüro Oppermann berät die Gemeinde im Bereich der Wasserversorgung und stand den Kommunalpolitikern und den Bürgern aus Burgwald Rede und Antwort. Er erklärte, dass es bisher keine Daten über Tetrachlorethan gebe und das Gesundheitsamt daher den Grenzwert von Trichlorethan für diesen Stoff festgelegt hat – der liegt bei drei Mykrogramm, im BUrgwalder Wasser wurden aber zwischen 16 und 11 Mykrogramm festgestellt. Weil es in der gesamten deutschen und englischen Literatur ebenfalls keine Erfahrungen mit dem Stoff gebe, wurde in Burgwald eine Pilotanlage mit Aktivkohle gebaut, deren Ergebnisse sogar Fachleute erstaunt habe: Tetrachlorethan wurde vollständig aus dem Wasser gefiltert.

Rempe erklärte dass die Gemeinde zunächst eine Wasserleitung von Ernsthausen nach Wiesenfeld bauen sollte – für 250000 Euro. Denn Ernsthausen versorgt sich selbst über einen eigenen Brunnen, hängt an keinem weiteren Netz. „Wenn der Brunnen ausfällt, dann hat Ernsthausen kein Wasser mehr“, gab Rempe zu Bedenken. Außerdem dürfe in dem Burgwalder Ortsteil mehr gefördert werden, als verbraucht wird – Ernsthausen könnte also teilweise die anderen Ortsteile mitversorgen. Die gekaufte Menge aus Frankenberg würde sich also reduzieren.

Dann sollte im zweiten Schritt die Leitung zwischen dem Tiefenbrunnen Wiesenfeld und dem Hochbehälter in Frankenberg erneuert werden. „Die Leitung ist aus dem Jahr 1939“, sagte Rempe. „Wenn Sie zuerst die Filteranlage bauen, müssten Sie befürchten, diese nicht nutzen zu können, weil Sie irgendwo im Wald einen Rohrbruch haben.“ Die Filteranlage stehe erst in 2017 auf dem Investitionsplan: „Sie brauchen die funktionierenden Verbindungswege, auch wenn Sie die Filteranlage nicht bauen wollen.“

Mehr lesen Sie am Samstag in der gedruckten Ausgabe der Frankenberger Zeitung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare