Die Arbeitsagentur setzt auf Qualifizierungsmaßnahmen

Erst wenige Flüchtlinge in Waldeck-Frankenberg haben eine Lehrstelle

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Im Betrieb: Christian Idemudia aus Nigeria (2. von rechts) absolviert derzeit ein Praktikum bei Osborn. Hier verpackt er mit den Auszubildenden Marvin Gorski (links) und Michael Maier (rechts) sowie Versandleiter Hans-Jürgen Kreis Bürsten für das Ausland.

Waldeck-Frankenberg. Von 1200 im Landkreis gemeldeten Lehrstellen für den Ausbildungsstart in diesem Sommer sind laut Agentur für Arbeit noch 300 unbesetzt. Wie sieht es da mit dem Nachwuchs aus der Gruppe der Flüchtlinge aus?

„In Waldeck-Frankenberg sind bei der Agentur für Arbeit Korbach seit Beginn des Ausbildungsberichtsjahres, das von September 2017 bis Ende August 2018 geht, 103 Bewerber für eine Berufsausbildungsstelle aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern gemeldet“, sagt Bernd Wilke, Leiter des operativen Bereichs in der Arbeitsagentur. Diese Bewerber verfügten über die sprachlichen und schulischen Grundvoraussetzungen für eine Ausbildung. 23 von ihnen hatten bis Ende Mai tatsächlich einen Ausbildungsvertrag bekommen. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge, die im Kreis eine Ausbildung begonnen haben, liegt der Agentur nicht vor.

„Diejenigen, die bis September unversorgt bleiben, erhalten ein sprachliches und berufsvorbereitendes Qualifizierungsangebot mit Praktikumsanteil oder die Möglichkeit eines Langzeitpraktikums“, erläutert Wilke. Er betont: „Eine dauerhafte berufliche Integration braucht Zeit. Eine fundierte Ausbildung nach Spracherwerb und beruflicher Orientierung ist dafür das beste Gerüst. Eine schnelle Vermittlung junger Erwachsener auf Helferarbeitsplätze war und ist kein Mittel gegen den Fachkräftemangel.“ Die Agentur für Arbeit setze deshalb auf Qualifizierungsangebote.

Nach dem großen Flüchtlingszustrom 2015 und 2016 habe sich die Situation nun normalisiert. Die Agentur und andere Institutionen könnten sich jetzt individuell um einzelne kümmern, um für sie die passende Ausbildung zu finden und sie während der Zeit zu begleiten. Das sei für eine erfolgreiche Ausbildung meist nötig, sagt Bernd Wilke. 

Hintergrund

Die Korbacher Arbeitsagentur bietet für junge Flüchtlinge auf dem Weg zur Lehrstelle sprachliche und berufsvorbereitende Qualifizierungsangebote an und arbeitet dabei mit Bildungs-Organisationen zusammen. Das Bildungswerk der nordhessischen Wirtschaft (BWNW) betreut zum Beispiel im Projekt „Wirtschaft integriert“ derzeit 14 junge Flüchtlinge in Korbach und Frankenberg in einer Einstiegsqualifikation, 13 von ihnen beginnen im August eine Lehre. Das Programm enthalte eine „strukturierte Förderkette“ mit Berufsorientierung, betrieblicher Einstiegsqualifizierung und Ausbildungsbegleitung, schildert BWNW-Teamleiter Steffen Uhde. Bei der Firma Osborn in Burgwald stellten BWNW und Arbeitsagentur das Projekt „Wirtschaft integriert“ vor, mit dem der 19-jährige Christian Idemudia aus Nigeria zu einer Lehrstelle gekommen ist. 

Quelle: HNA

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