Frankenau

Erster „Archehof“ Nordhessens in Frankenau

- Frankenau (da). Der erste „Archehof“ Nordhessens steht in Frankenau: Ralf Finke hat am Montag das Prädikat der „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ (GEH) erhalten. Er züchtet Tiere, die früher in Deutschland alltäglich waren, inzwischen aber vom Aussterben bedroht sind. Für das Prädikat „Archehof“ müssen auf einem Hof mindestens drei unterschiedliche vom Aussterben bedrohte Rassen leben und sich fortpflanzen.

Begonnen hat er mit Kaltblutpferden der Rasse Rheinisch-Deutsches Kaltblut. Sie besitzt er seit mehr als zehn Jahren. Mit ihnen hat er zunächst Planwagenfahrten rund um Frankenau angeboten – als Hobby. Inzwischen fährt er auch durch den Nationalpark. Vor vier Jahren hat er den Hof in der Nähe des Feriendorfs gekauft. Auch Hinterwälder Rinder züchtet er: „Die gefielen mir so gut.“ Mit einem Stockmaß bis 125 Zentimeter handelt es sich um die kleinste Kuhrasse Mitteleuropas. Komplett wird der Archehof mit dem Schwarzbunten Niederungsrind, dem Braunen Bergschaf und dem Vorwerkhuhn. Die Bergschafe gelten als besonders gefährdet, bundesweit sind nur rund 1000 Stück verzeichnet. Die Tiere leben das ganze Jahr draußen und in der Herde, sie sind nicht angebunden – auch das sind Voraussetzungen für die Anerkennung als Archehof. Hendrik Sommer, stellvertretender Vorsitzender der GEH, und Geschäftsführerin Antje Feldmann überreichten gestern Urkunde und eine Hinweistafel. Die selten gewordenen Tierarten sollen die Landschaft pflegen und erhalten. Sommer beschrieb die Unterschiede zu heutigen Rassen anhand des Schwarzbunten Niederungsrinds: Heutige Tiere seien auf eine möglichst hohe Milchproduktion gezüchtet. Die „alte“ Rasse ist stämmiger und widerstandsfähiger. Das Gebiet rund um Frankenau soll eine „Archeregion“ werden, erklärte Achim Frede, fachlicher Leiter des Naturschutz-Großprojekts. Die Voraussetzungen sei da, dank vieler Züchter und Zuchtvereine. Sie sollen mit Fleischern und Naturschützern zusammenarbeiten – und auch der Tourismus könnte davon profitieren, sagte Frede. „Wir vollen das intensivieren und hoffen auf viele Nachahmer“, ergänzte Bürgermeister Dr. Reinhard Kubat. Rund um Frankenau solle so eine extensive Kulturlanschaft erhalten werden. Noch im Sommer erwartet Frede Fördergelder im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts. Damit spiele die Region „in der Bundesliga ganz oben“, sagte Achim Frede. Der nächste Archehof wird derzeit zertifiziert; Es handele sich um die Zucht des Rengershäuser Pfarrers Uwe Hesse, berichtete Hendrik Sommer.

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