Deutsch-italienisches Theaterprojekt in Hatzfeld

Europäische Klischees

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Gefangene in einer anderen Welt: Die Schauspieler des Theateraustausch-Projekts zeigen, dass der Blick auf das Smartphone die Außenwelt gänzlich ausblendet.

Hatzfeld - In Frankreich geht niemand ohne ein Baguette aus dem Haus, in England prügeln sich die Fußball-Fans und in Deutschland wird nur Bier getrunken. Die Teilnehmer am Theateraustauschprojekt "Europe between Dream and Reality" haben in Hatzfeld länderspezifische Klischees zu Tage gefördert.

Menschen, die völlig von ihren Smartphones in den Bann gezogen werden: So stellten sich die 20 Jugendlichen, die am Theateraustauschprojekt „Europe Between Dream And Reality“ teilnahmen, eine typische Szene auf einem deutschen Bahnsteig vor. Es sei denn, bei der Bahn wird gestreikt: Dann treten die Reisenden den Rückweg schon am Fahrkartenschalter an. In England dagegen geht es am Bahnhof anders zu: Hier sucht jeder nach Gleis 9 ¾ und man kann Fish’n’Chips kaufen.

Dies waren nur zwei von zehn Szenen, die die deutschen und italienischen Teilnehmer des Projekts gemeinsam mit Bärbel Kandziora und Piero Zama entwickelt und im Amphitheater der Hatzfelder Möllenbachschule aufgeführt haben.

Bei den einzelnen Szenen ging es darum, typische Begebenheiten an zwei verschiedenen Orten in fünf verschiedenen Ländern darzustellen. Es wurden Szenen an Bahnhöfen, Kneipen oder Restaurants in England, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland gezeigt. „Das Oberthema war „Europe Between Dream And Reality, so dass der Phantasie keine Grenzen gesetzt waren“, erklärte Bärbel Kandziora zur Eröffnung.

In den verschiedenen Szenen wurde in der Landessprache gespielt. Dadurch konnten die jungen Schauspieler nebenbei auch Fremdsprachen kennenlernen. Für die Zuschauer waren die Szenen dennoch verständlich, denn die jungen Schauspieler ließen Bilder sprechen.

Typisch für Deutschland scheint es zu sein, Bier zu trinken und in der Kneipe ausgiebig über Politik, Fußball und Frauen zu reden. In Italien redet Man(n) nicht über Frauen sondern mit ihnen und sucht sich dann ein ruhiges Plätzchen zu zweit. Die englische Kneipe assoziierten die Teilnehmer mit Tea-Time und einer Schlägerei zwischen Fans von Manchester-United und Manchester-City. In Frankreich darf weder am Bahnhof noch im Restaurant das Baguette fehlen. In den kleinen Szenen zeigten sich zudem deutliche Unterschiede zwischen Süd- und Nordeuropa. Die teils ernste, teils humorvolle Aufführung kam bei den Zuschauern gut an und es gab ausgiebigen Applaus am Ende.

Mit der Aufführung in Hatzfeld ist das Theaterprojekt noch nicht beendet. Es geht für die Teilnehmer weiter nach Italien. Dort werden weitere Szenen erarbeitet. Gefördert wird das Projekt vom EU-Programm „Erasmus Plus - Jugend in Aktion“ und vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Die Jugendlichen gehören unter anderem zur italienischen Theatergruppe „Teen Theatre“ und zur deutschen Theatergruppe „Theater Ups“. Neben dem Theaterspielen steht die Begegnung der Jugendlichen und ihrer Familien in Hessen und der Emilia Romagna im Mittelpunkt. (r)

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