Haina (Kloster)

Fachleute diskutieren über ganz besondere Patienten

- Haina (Kloster) (apa). Die psychiatrischen Kliniken stehen bundesweit vor einer tiefgreifenden Veränderung: Das Abrechnungssystem wird neu strukturiert. Künftig werden Pauschalen und festgelegte Behandlungszeiten für bestimmte Diagnosen festgelegt. Wie dieses System bei der Behandlung von geistig behinderten Patienten mit einer zusätzlichen psychischen Krankheit angewandt werden kann und welche Möglichkeiten es gibt, eine effiziente und ausreichend lange Behandlung zu ermöglichen, darüber sprechen seit Donnerstag knapp 30 Fachleute aus ganz Deutschland in Haina.

Dort tagt die Arbeitsgruppe „Geistige Behinderung“ der Bundesdirektorenkonferenz im Verband leitender Ärztinnen und Ärzte der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie. Weil Menschen mit geistiger Behinderung auch zusätzlich zum Beispiel unter Schizophrenie, Depressionen oder Ängsten leiden können, gibt es in der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (KfPP) Haina eigens eine Station für diese Patienten. Der zuständige Oberarzt Mario Lindner stellte den Gästen die dortige Arbeit vor. Geistig behinderte Menschen werden häufiger akut psychisch krank als geistig gesunde, erläutert der Ärztliche Direktor der KfPP Haina, Dr. Rolf Speier. „Für sie brauchen wir mehr Personal, und das ist teurer“. Der Aufwand der Behandlung eines geistig Behinderten mit akuter psychischer Erkrankung ist vergleichbar mit dem in der Kinder- und Jugendpsychiatrie – und darauf ist schon die aktuelle Vergütungsregelung nicht abgestimmt. So fehlen zum Beispiel heilpädagogische Mitarbeiter. Während sie in der Heilpädagogischen Einrichtung, in denen geistig behinderte Bewohner normalerweise betreut werden, zum festen Mitarbeiterstamm gehören, ist in der Allgemeinpsychiatrie ausschließlich das klassische Fachkrankenpflegepersonal tätig. Die Arbeitsgruppe bemüht sich daher schon seit Jahren um ein anderes Konzept für die Behandlung dieser besonderen Patienten. Das neue System in der Abrechnung begreifen die Fachleute als Chance.

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