Streckenfest in Frankenberg

Es fährt ein Zug nach Frankenberg

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Tausende Gäste drängten sich am Wochenende, wie etwa in Frankenberg, an den Bahnsteigen zwischen Marburg und Brilon (Wald).

Frankenberg - „Großer Bahnhof“ in der Illerstadt - das Streckenfest zur Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Frankenberg und Korbach zog am Wochenende zahlreiche Zugbegeisterte aus ganz Deutschland an die Gleise längs durch den Kreis.

Ein gellender Pfiff tönte über den Bahnsteig. Das eindeutige Signal, dass es endlich losgeht. Und das im doppelten Sinne - zum einen beginnt die erste Zugfahrt, zum anderen beginnt eine neue Ära im Kreis. Dass die Neugier auf die reaktivierte Bahnverbindung zwischen Frankenberg und Korbach groß war, zeigte sich schon früh am Samstagvormittag: Der Andrang beim Bahnhofsfest in der Illerstadt war ein Anblick, der nicht alle Tage zu sehen ist - da geht es am Bahnhof meist gemächlicher zu.

Dicht gedrängt standen die Fahrgäste am Bahnsteig, um einen Platz in einem der historischen Züge zu ergattern, die sie entweder in Richtung Korbach oder in Richtung Marburg brachten. Doch auch die Verbindung zwischen Frankenberg und Allendorf erfreute sich großer Beliebtheit, dort kam unter anderem eine Diesellok des Typs V 65 aus dem Jahr 1956 zum Einsatz. Wann besteht heutzutage schon die Gelegenheit, in einem historischen Waggon zu reisen? Zumal die Fahrzeuge bei dem einen oder anderen Erinnerungen an frühere Zeiten wach werden ließen, denn ein Großteil der eingesetzten Fahrzeuge war einst auf den Schienen im Frankenberger Land unterwegs.

Der Sprecher der Kurhessenbahn, Joachim Kuhn, war vom Besucherandrang begeistert: „Wir sind überrannt worden“, sagte er. 10 000 Fahrkarten seien angefertigt worden - 5000 pro Tag - bereits um die Mittagszeit war das Tagesziel annähernd erreicht. Allerdings verlief nicht alles positiv: Schon früh kam es bei den Abfahrten der Züge zu Verzögerungen, was bei einigen Besuchern für Unmut sorgte. Am Abend allerdings hatte die Bahn die Verspätungen fast wieder ausgeglichen. Auch außerhalb des Bahnhofs zogen die historischen Züge zahlreiche Neugierige an. An vielen Punkten entlang der Strecke - etwa bei Wiesenfeld oder Röddenau - waren „Trainspotter“ anzutreffen, Bahn-Fans, die fahrende Züge beobachten - sie kamen aus ganz Deutschland. Viele von ihnen hatten eine Trittleiter im Gepäck, um sich einen besseren Überblick oder einen Platz zum Fotografieren zu verschaffen.

Zug-Enthusiasten tummelten sich nicht nur in den Abteilen oder entlang der Gleise, auf dem gesamten Bahnhofsgelände wurde am Samstag etwas geboten: Die Eisenbahnfreunde aus Treysa etwa waren mit einem alten Speisewagen vor Ort und sorgten für Verpflegung. Das Technische Hilfswerk ließ „Männerträume“ wahr werden: Auf einem Männerspielplatz bestand die Möglichkeit, Gabelstapler zu fahren, sich beim Sandsackstapeln zu messen oder zu sägen.

Nur wenige Meter weiter drehte sich erneut alles um die Historie, denn zahlreiche E- und D-Loks warteten darauf, bestaunt zu werden. Im Bahnhofsgebäude zeugte eine Fotoausstellung von der Entwicklung der Bahnverbindung zwischen Marburg und Frankenberg.

Kinder ließen sich schminken, traten im Bobbycar-Rennen gegeneinander an oder ließen ihrer Kreativität beim „Malen mit Sand“ freien Lauf.

Auf der großen Bühne vor dem Bahnhofsgebäude wurde allerlei Musikalisches geboten: Am Nachmittag unterhielt „Sylvia, die Bergbahnkönigin aus dem Thüringer Wald“, das Publikum, bevor das „Acoustic Fun Orchestra“ mit Liedern wie „Sweet Home Alabama“ oder Sex Bomb“ zum Programm des Abends überleitete.

Am Abend feierten trotz des leichten Regens mehr als 500 Frankenberger und Gäste mit der vielseitigen Musik der Band „Goodfellas“: Soul, Pop, Rock, Tanz- und Stimmungshits gab es am laufenden Band. Die Musiker bewiesen ihr großes Können am Saxofon, an der Posaune, zwei Schlagzeugen, Gitarren, Keyboard und als Sänger. Sie mischten sich sogar ins Publikum. Ob jung oder schon älter, alle Generationen tanzten begeistert mit.

Die große Party auf dem neu gestalteten Bahnhofsvorplatz hätte mehr Besucher verdient gehabt, doch ein Regenschauer und mehrere parallele Feiern hielten den Zulauf in Grenzen. Erfreulich war, dass auch viele Frankenberger Flüchtlinge aus Eritrea, Syrien oder Albanien das Konzert besuchten. (ste)

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