Strecke wurde 2015 reaktiviert

Fünf Jahre Bahnstrecke Frankenberg-Korbach: Fahrgastzahlen verdoppelt

Als die reaktivierte Bahnstrecke Frankenberg-Korbach am 14. September 2015 in den Regelbetrieb startete, war das für viele Eisenbahnfreunde ein Grund für Erinnerungsfotos wie hier am Bahnhof in Frankenberg.
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Als die reaktivierte Bahnstrecke Frankenberg-Korbach am 14. September 2015 in den Regelbetrieb startete, war das für viele Eisenbahnfreunde ein Grund für Erinnerungsfotos wie hier am Bahnhof in Frankenberg.

Vor fünf Jahren, am 14. September 2015, ist der reguläre Bahnverkehr auf der reaktivierten Strecke zwischen Frankenberg und Korbach wieder aufgenommen worden. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Waldeck-Frankenberg – Die Fahrgastzahlen seien mittlerweile mehr als verdoppelt worden – von 146.000 Menschen im ersten Jahr auf nun rund 340.000 pro Jahr, teilt der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) in einer Pressemitteilung mit.

Nach ersten Zählungen 2015 waren auf der Linie pro Tag durchschnittlich 400 und zu Spitzenzeiten am Wochenende gut 700 Fahrgäste unterwegs, berichtet der NVV. Mittlerweile – vor Corona – seien auf der Strecke täglich ca. 950 Reisende in den Zügen der Kurhessenbahn zu finden, an den Wochenenden rund 1200 pro Tag. „Damit wird deutlich, dass die Beliebtheit der Strecke besonders im touristischen Verkehr liegt“, sagt der NVV.

Ziel von NVV und Kurhessenbahn sei es daher, das Freizeitsegment als wichtigen Pfeiler der touristischen Entwicklung des Landkreises weiter mit Marketingmaßnahmen und Kooperationen vor Ort auszubauen und gleichzeitig den Alltagsverkehr komfortabel und attraktiv zu gestalten. „Wir können uns durch die Verknüpfung ins Ruhrgebiet und ins Rhein-Main-Gebiet touristisch weiterentwickeln“, sagt Landrat Dr. Reinhard Kubat.

Die Reaktivierung der 30 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Frankenberg und Korbach hatte 22,9 Millionen Euro gekostet. Davon trägt das Land Hessen mit 16,7 Millionen Euro rund zwei Drittel, der Landkreis Waldeck-Frankenberg 4,6 Millionen Euro, die Kurhessenbahn 1,5 Millionen Euro und der NVV 0,1 Millionen Euro. Zu diesen Herstellungskosten gehören die Strecke sowie Stationen, Haltestellen und Parkplätze.

„Unsere Erwartungen sind voll erfüllt worden. Wir haben eine Lebensader zurückbekommen“, sagt Kubat über die ersten fünf Jahre seit der Reaktivierung der 1987 stillgelegten Strecke. Mit der Reaktivierung wurde die Lücke im Schienennetz zwischen Korbach und Frankenberg geschlossen, die Fahrtzeit zwischen den beiden Städten beträgt 38 Minuten. Die Bahnlinie RB42 bietet durchgehende Fahrten auf der Strecke Marburg – Frankenberg – Herzhausen – Korbach – Brilon Wald.

„Entgegen aller Befürchtungen, Kritik und Erwartungen hat sich die Reaktivierung für die gesamte Region gelohnt“, lautet das Fazit des NVV. Besonders die Fertigstellung des Kreuzungsbahnhofs in Viermünden habe 2017 zum Anstieg der Fahrgastzahlen beigetragen. Seitdem sind die Züge nachmittags stündlich unterwegs und seien eine Alternative zum Pkw.

„Die Strecke Frankenberg-Korbach ist ein Gewinn für die Region und ganz Hessen, und sie zeigt, welches Potenzial in stillgelegten Bahnstrecken schlummert“, sagt Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. „Die Landesregierung arbeitet weiter daran, den Schienenverkehr als klimafreundliche Alternative zum Individualverkehr zu stärken.“

Für die Kurhessenbahn sei die Reaktivierung des Abschnitts zwischen Frankenberg und Korbach „ein sehr wichtiger Meilenstein in ihrer gesamten Verkehrsentwicklung“ gewesen, sagt Joachim Kuhn, der Leiter der Kurhessenbahn. Die Reaktivierung habe vor allem zu signifikanten Zuwächsen der Fahrgastzahlen auf den Strecken der Burgwaldbahn (Marburg-Frankenberg) und der Uplandbahn (Korbach-Brilon) geführt. „Dadurch wurde ein sehr positiver Zuwachs an Reisenden im gesamten Nord-West-Hessen-Netz erzielt“, berichtet Kuhn.

Strecke soll schneller werden

Für die Kurhessenbahn habe der Lückenschluss auch zu einer Effizienzsteigerung ihres Netzes, dem Bau einer eigenen Werkstatt in Korbach und dem Einsatz „redesignter“ Fahrzeuge geführt.

Kuhn: „Unsere nächste wichtige Aufgabe wird sein, die Strecke zwischen Marburg und Korbach weiter zu beschleunigen und damit den Kunden ein noch attraktiveres Angebot im Schienenpersonennahverkehr zur Verfügung zu stellen.“ Wie berichtet, ist geplant, zwischen Frankenberg und Korbach einen stündlichen Takt einzurichten. Dafür müssten einige der bislang unbeschrankten Bahnübergänge abgeschafft werden. Die Zahl der eingesetzten Züge würde sich erhöhen. Aus den momentan noch existierenden Bedarfs-Haltestellen sollen planmäßige Stopps werden, hatte Kuhn vor einigen Wochen beim Besuch in der Instandhaltungswerkstatt der Kurhessenbahn in Korbach berichtet.

Fahrplaninformationen für die Linie RB42

. Die Bahnlinie RB42 bietet laut NVV durchgehende Fahrten auf der Strecke Marburg – Frankenberg – Herzhausen – Korbach Hbf – Brilon Wald (– Brilon Stadt/Bestwig).

. Ab Brilon Wald bestehen Direktfahrten oder abgestimmte Anschlüsse von und nach Dortmund.

. Die Linie RB42 fährt stündlich auf dem Abschnitt Marburg – Frankenberg, und zweistündlich auf dem Abschnitt Frankenberg – Korbach – Brilon Wald und nachmittags ebenfalls stündlich zwischen Frankenberg und Brilon.

. Die Fahrt zwischen Korbach und Frankenberg dauert 38 Minuten. Unterwegs hält die Linie RB42 in Frankenberg-Goßberg, Viermünden, Ederbringhausen, Schmittlotheim, Herzhausen, Thalitter und Korbach Süd.

. In Korbach besteht zur vollen Stunde Anschluss an die Bahnlinie R4 von und nach Kassel (Taktknoten).

. In Marburg bestehen Bahnanschlüsse in Richtung Gießen und Frankfurt am Main.

. In Brilon Wald bestehen Umsteigemöglichkeiten zu Zügen in und aus Richtung Dortmund.

. Ab Herzhausen bietet die Buslinie 503 direkte Weiterfahrten entlang des Edersees in Richtung Waldeck und Sperrmauer sowie an Wochenenden zum Nationalpark-Zentrum Kellerwald-Edersee. nh/jpa

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