Biedenkopfer Autor Stephan Thome las in Frankenberg aus seinem Roman Grenzgang

Fahrt in den Swinger-Club

Beim Signieren: Der Biedenkopfer Romanautor Stephan Thome, der mit seinem Erstlingswerk für den Deutschen Buchpreis nominiert ist, signierte nach der Lesung in Frankenberg Bücher. Foto: Biedenbach

Frankenberg. Inge Jakobi fasst die Lesung des Biedenkopfer Autors Stephan Thome in ihrer Buchhandlung in Frankenberg so zusammen: „Sie haben uns mitgenommen auf die Fahrt von Frankenberg über Biedenkopf und Gießen zum Swinger-Club in Nieder-Enkbach.“ Die 30 Zuhörer nicken – ohne etwa peinlich berührt zu sein. Denn die Schilderung der beiden frustrierten Mittvierzigerinnen, die dem Gruppensex-Erlebnis entgegenfahren, ist fesselnd, aber nicht pornografisch.

Das „Damenduo“ aus Bergenstadt – das für Thomes Heimatstadt steht – ist voll ambivalenter Gefühle. Dem Autor gelingt es, in knappen brillanten Dialogen und Selbstgesprächen das Absurde des Vorhabens darzustellen. Seine Lesung beendete er aprupt, als die beiden Romanfiguren drei Kilometer vor Nieder-Enkbach angelangt sind...

Danach beantwortet der 37-Jährige, der als Sprachwissenschaftler in Taiwan arbeitet, bereitwillig die Fragen der Zuhörer. Ihm gehe es in seinem Roman darum, Brüche im Leben seiner beiden Hauptfiguren, Kerstin und Thomas, aufzuzeigen. Umrahmt wird die Schilderung von dem – wie im echten Biedenkopf – alle sieben Jahren stattfindenden Grenzgangfest, das dem Roman den Namen gab.

Ich habe ein glückliche Kindheit in Biedenkopf verbracht.“

Stephan Thome

Thome beschreibt das Leben in seiner Heimatstadt mit leichter Ironie, auch mal mit Spott, doch es ist „keine Abrechnung“, wie er selbst sagt. „Ich habe da eine glückliche Kindheit und Jugend verbracht und nicht unter kleinstädtischer Enge gelitten.“

Positives Echo in Biedenkopf

Sein Buch werde in Biedenkopf positiv aufgenommen. Täglich stünden bei seinen Eltern – wo er während seines Deutschlandaufenthaltes wohnt – Leute vor der Tür und bäten ihn, das Buch zu signieren. Stephan Thome, der in schwarz-grau gestreifter Flanellhose, weißem Hemd und schwarzem Pullunder zur Lesung gekommen ist, wirkt auch wie ein höflicher Nachbar, nicht wie der zynische Kleinstadtverächter.

Offen schildert er, dass seine Uni-Karriere, wie die der Romanfigur Thomas, einen Knick hatte und er deshalb nun in Taiwan als Sinologe sein Geld verdiene. Von 2005 bis 2008 schrieb er dort, aus der Distanz, seinem Roman. Die Idee hatte er schon vorher.

Zunächst fand sich kein Verleger, bis dann durch einen Zufall der renommierte Suhrkamp-Verlag auf das Buch aufmerksam wurde, es in kurzer Zeit veröffentlichte und Thome damit für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde.

Hoffen auf weitere Romane

Auch Inge Jakobi lobt das Erstlingswerk. „Wir freuen uns schon auf weitere Romane“, sagt sie. Viele der Zuhörer interessieren sich allerdings zunächst einmal dafür, wie die Fahrt in den Swinger-Club weitergeht. Denn der Autor hat sie ja drei Kilometer vor Nieder-Enkbach stehen lassen.

• Stephan Thome: Grenzgang, Roman Suhrkamp, 454 Seiten, 22,80 Euro.

Von Martina Biedenbach

Quelle: HNA

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