Literarischer Frühling: Gespräch mit F. C. Delius und Claudia Sautter im Hotel Die Sonne

Von Fakten und Fantasie

Gesprächspartner: Claudia Sautter und Friedrich Christian Delius beim Brunch im Hotel Die Sonne. Foto: Moniac

Frankenberg. Mit „Und immer wieder die Mütter“ war ein Gespräch zwischen dem Schriftsteller und Büchner-Preisträger Friedrich Christian Delius und der HR2-Moderatorin Claudia Sautter betitelt, das als zweite Veranstaltung des Literatur-Festivals im Hotel Die Sonne Frankenberg stattfand. Verbunden war es mit einem Brunch, der, so Sonne-Marketing-Chef Michael Lemke bei seiner Begrüßung, sowohl den Appetit zum Frühstück als auch zum Mittagessen stillen solle.

Wer von den 50 Besuchern ob des angekündigten Themas konkrete Vorstellungen mitgebracht hatte, etwa die Besprechung des Verhältnisses von Mutter und Sohn, musste diese Erwartungen schnell über Bord werfen.

Grundlage des Gesprächs war Delius’ Erzählung „Bildnis der Mutter als junge Frau“ aus dem Jahr 2006. Der Inhalt des 120-Seiten-Buches umfasst einen einstündigen Spaziergang in Rom, den die 21-jährige, mit Sohn Friedrich schwangere Margareta Delius im Jahr 1943 unternimmt. In Gedanken ist sie, die kein Wort Italienisch spricht, bei ihrem Mann, einem jungen Pfarrer, der ihr die Ewige Stadt zeigen wollte, doch an die Front in Afrika beordert wurde.

„Ich bin so nah wie möglich an der so genannten Wahrheit geblieben“, erklärte Delius auf eine Frage Sautters. Der Vater schrieb seiner jungen Frau zahlreiche Liebesbriefe, die sie „in der tiefsten Schublade in Korbach“ aufhob, wo die Familie eine Zeitlang wohnte. Sohn Friedrich bekam sie später zu lesen und entwickelte den Wunsch, der Beziehung seiner Eltern nachzuspüren und vor allem zu verstehen, wie seine Mutter Rom erlebt habe. Angesprochen auf mancherlei Details, etwa der genauen Gestaltung eines Schaufensters, über die er doch keinesfalls Bescheid wissen könne, beantwortete Delius mit der Zuhilfenahme eines Bildbandes „Rom während des Krieges“, doch auch mit der „untrennbaren Einheit von Recherche und Erfindung“. „Literatur besteht nicht aus Fakten, sondern aus dem, was der Autor hinzufügt, also seiner Fantasie“, sagte er.

Der Vater kam verletzt aus dem Krieg zurück, es folgte die Kriegsgefangenschaft in Frankreich, dann kamen Pfarrstellen im Kreis Hersfeld und in Korbach. Friedrich Christian Delius empfand schon früh den Wunsch, Schriftsteller zu werden. „Dass ich in Rom zur Welt kam, fand ich immer gut“, bekannte der Sohn, der 1972 für ein Jahr als Stipendiat in der Villa Massima lebte. In der Ewigen Stadt lernte er auch seine Frau kennen, sodass er mittlerweile einen Großteil des Jahres in Rom lebt. „Ich bin sozusagen ein römischer Nordhesse“, sagte er schmunzelnd.

„Alle Mütter sollten Söhne haben, die so zärtlich über sie schreiben“, fasste Sautter das Gespräch zusammen, bei dem man sich an manchen Stellen mehr Tiefgang statt der Darstellung von rein biografischen Fakten gewünscht hätte.

Einem Bericht über die Lesung Delius" in der Rathausschirn lesen Sie weiter hinten auf kultur

Von Marise Moniac

Quelle: HNA

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