Edertalschüler decken falsche Deklarierung von Lebensmitteln auf

Falsches Fleisch in allen Proben entdeckt

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Julia Balz, Schirin Schwarz und Sarah Lipinski (vorne von links) haben in einer eineinhalbjährigen Projektarbeit für „Jugend forscht“ herausgefunden, dass in Rindfleischprodukten auch andere Fleischsorten verarbeitet waren – und einmal überhaupt kein Rindfleisch. Damit haben sie den Regionalentscheid gewonnen. Für weitere Erfolge im Wettbewerb lobten die Lehrer Björn Croll (hinten links) und Bernhard Starck (rechts) außerdem Johanna Krähling, Lukas Ochse und Luca Pawlik (von links). Es fehlt Mal

Frankenberg - Schulleiter Stefan Hermes nannte das Ergebnis der Schülerinnen "sensationell", ihr Lehrer Björn Croll spricht von "hoher Brisanz" - und es dürfte so manchem den Appetit auf Fertigprodukte mit Rindfleisch nachhaltig verderben.

Ist überall Rindfleisch drin, wo Rindfleisch draufsteht? Hat der Pferdefleischskandal im vergangenen Jahr sich auf die Zutaten in Fertigprodukten mit Fleisch ausgewirkt? Und ist es überhaupt möglich, dass Billigprodukte tatsächlich nur Rindfleisch enthalten? Diese Fragen wollten Julia Balz, Schirin Schwarz und Sarah Lipinski im Rahmen ihres Projekts für den Wettbewerb „Jugend forscht“ beantworten. Sie haben deshalb die DNA in acht fleischhaltigen Lebensmitteln wie Lasagne, Ravioli und abgepacktem Hackfleisch überprüft, die sie in Frankenberger Supermärkten gekauft haben.

Um die Fleischsorten zu ermitteln, analysierten die Schülerinnen die DNA der Proben. Eineinhalb Jahre lang arbeiteten sie dafür zusätzlich im Schnitt zwei Stunden pro Woche an ihrem Projekt.

Trotz einiger Rückschläge haben sie damit beachtlichen Erfolg gehabt: Sie haben nicht nur den Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ gewonnen, sondern auch Ergebnisse vorgelegt, die Folgen haben - möglicherweise bundesweit.

Gekennzeichnet waren alle Produkte ausschließlich mit Rindfleisch. Doch in allen acht Proben fanden die Schülerinnen zusätzliche Fleischsorten, die nicht auf der Packung angegeben waren. In sieben der acht Gerichte war Pferdefleisch enthalten. In einem Produkt war überhaupt kein Rind, stattdessen Pferd und Lamm verarbeitet. Ein solches Ergebnis hätten sie selbst nicht erwartet, bilanziert Julia Balz. „Vor allem nicht in allen acht Proben“, ergänzt Sarah Lipinski.

Weil die Ergebnisse so brisant sind, werden sie vor dem Landesentscheid noch einmal von professionellen Lebensmittelchemikern überprüft - übrigens mit derselben Methode, die die Schülerinnen angewandt haben. „Wenn die Überprüfung zeigt, dass die Ergebnisse stimmen, ist das schon ein dicker Hund“, sagt ihr Lehrer Björn Croll. In diesem Fall werde das Ergebnis an die zuständige staatliche Stelle weitergegeben: „Dann muss das Folgen haben“. Der Leiter der Edertalschule Stefan Hermes bezeichnete es als „sensationell“, dass die Ergebnisse der Schülerinnen Anlass zu weiteren Untersuchungen sind.

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