Ostersymbol und Tier des Jahres: Feldhase ist in der Existenz bedroht

Frankenberg. Nach 2001 hat die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild den Feldhasen, Kultfigur des Osterfestes, in diesem Jahr zum zweiten Mal zum Tier des Jahres gewählt.

Damit soll erneut auf die starke Gefährdung des Feldhasen-Bestandes durch Feinde, Witterungseinflüsse und vor allem durch den Straßenverkehr und die inzwischen industriell betriebene Landwirtschaft aufmerksam gemacht werden.

Auch in Waldeck-Frankenberg immer seltener zu sehen: Ein Feldhase in freier Natur – hier aufgenommen im Kreisteil Frankenberg. Foto:  Kalden

Der Feldhase wird jagdlich zum Niederwild gezählt. Er ist ursprünglich ein Bewohner steppenartiger Landschaften. Mit der Rodung unserer Wälder, um Feldflure anzulegen, gelangte der Bewohner offener Landschaften erst in historischer Zeit aus den südosteuropäischen Steppen in die neu entstandenen Agrarsteppen Mitteleuropas. Dort fand er gute Lebensbedingungen, wie Nahrung, Hecken und Feldgehölze, in denen der fruchtbare Hase Schutz fand und mehrmals im Jahr seinen Nachwuchs verbergen konnte. Der Hasenbesatz war früher so hoch, dass – wie auf alten Bildern zu sehen ist – Jäger große Strecken erlegten und Leiterwagen voll mit den erlegten Hasen, an den Leitersprossen hängend, von der Jagd im Feld ins Dorf gefahren wurden.

Seit den 1970er-Jahren machte sich eine negative Populationsentwicklung im gesamten europäischen Besiedlungsraum bemerkbar. Die Bestandszahlen sanken und sanken, so dass schließlich 1995 das Bundesamt für Naturschutz den Feldhasen erstmals auf die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Arten setzte. Auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg ist die Hasen-Zahl inzwischen auf einem recht niederen Niveau angelangt. Das Symbol des Osterfestes ist nur noch ganz selten in den Feldfluren zu sehen. Jagdlich haben sich die Jäger im Kreis daher Zurückhaltung bei der Jagd auf den Feldhasen auferlegt. Im Jagdjahr 2012/2013 betrug die Jagdstrecke an Feldhasen im Kreis 415 Stück, wobei gut ein Drittel davon von Autos im Verkehr getötet wurde.

Als reiner Pflanzenfresser braucht der 60 bis 70 Zentimeter lange und zwischen 2,5 und 6,5 Kilogramm schwere, ackerbraune Feldhase eine abwechslungsreiche Nahrung von Gräsern bis zu Wildkräutern. Als ursprünglicher Steppenbewohner sind seine Augen so ausgerichtet, dass er damit fast einen Rundumblick hat, um seine Feinde rechtzeitig zu entdecken. Mit seinen langen Ohren, den Löffeln in der Jägersprache, ortet er ebenfalls seine Feinde sehr gut. Schutz vor diesen sieht der Bewohner offener Landschaften als hakenschlagendes Lauftier in der Flucht.

Oft ruht er in selbst angelegten Vertiefungen im Ackerboden, den Sassen. Seine ersten Jungen, zu deren Versteck er nur kurz zum Säugen kommt, bringt er bereits im März zur Welt.

Von Gerhard Kalden

Quelle: HNA

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