"Mittendrin im Klimawandel"

Fernseh-Meteorologe Sven Plöger referierte in Frankenberg

+
Im Historischen Rathaus in Frankenberg: Der Fernseh-Meteorologe Sven Plöger. 

Frankenberg – Der Schauplatz konnte passender nicht sein: In der „Sonne“ in Frankenberg hat „Wetterfrosch“ Sven Plöger (51) am Mittwochabend knapp zwei Stunden über seine Lieblingsthemen gesprochen: das Wetter und den Klimawandel.

Zu dem Vortrag mit dem Meteorologen und Moderator aus dem Rheinland hatte der Arbeitskreis der Wirtschaft für Kommunalfragen Frankenberg (AFK) mit seinem neu gewählten Vorsitzenden Klaus Cronau eingeladen.

„Es gibt gute Gründe, den Klimawandel nicht zu ignorieren und kleinzureden, so wie das einige Politiker tun“, kündigte der neue AFK-Chef Klaus Cronau den „profunden Kenner der Materie“ an. „Klimawandel – Gute Aussichten für morgen?“, lautete das Thema des gebürtigen Bonners. Sven Plöger ist vor allem Fernsehzuschauern bekannt: In der ARD moderiert und kommentiert er die Wetter-Sendungen „Wetter vor acht“ und nach den „Tagesthemen“, zudem ist er Autor und gefragter Fachmann in Unterhaltungs- und Talkshows.

Nach der kurzen Einleitungsrunde hingen die rund 70 Gäste für knapp 120 Minuten an Plögers Lippen. Denn über nichts wird wohl so viel geredet wie über das Wetter. Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern in einer lockeren, humorvollen Form gelang es ihm, auch komplizierte Wetter- und Klimazusammenhänge, mathematische Formeln und komplexe Sachverhalte zu erklären. „Wetter ist eine sehr subjektive Angelegenheit“, stellte Plöger fest: „Klimaschwankungen hat es schon immer gegeben.“

Das viel beachtete Fazit des Klimaexperten in der AFK-Runde: „Die Temperatur steigt weltweit an. Das ist nicht widerlegbar. Wir sind mittendrin im Klimawandel.“ Aber es sei nicht schon 5 nach 12, wie einige Politiker das meinten. „Denn dann wäre die Sache durch, dann müssten wir nichts mehr machen.“ Rein wissenschaftlich sei es aber 5 vor 12 – und diese Meinung begründete Plöger auch: „Um das angestrebte Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, passen global noch 720 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre.“ Bei einer Emission von jährlich 36 Milliarden Tonnen, habe man also noch 20 Jahre Zeit. Der Kommentar Plögers: „Diese Zeit darf man nicht für Diskussionen nutzen. In dieser Zeit muss gehandelt werden.“

Das Schlusswort des Klimaexperten: „Wenn wir es schaffen, die Energiewende gut zu gestalten und auch China diese Energiewende nachmacht – und Nachmachen können die Chinesen –, haben am Ende auch wir ein Stück weit die Welt gerettet.“

„Diesen Vortrag sollte Sven Plöger viel eher im Weißen Haus in Washington oder bei der Klimakonferenz in Davos halten, dort ist der Einfluss noch größer“, dankte der neue stellvertretende AFK-Vorsitzende Dr. Markus Pfuhl dem Referenten für seine Erklärungen. Klar geworden sei, dass jeder Einzelne seinen Beitrag zur Reduzierung von CO2 und damit zur Verminderung der Klimaerwärmung beitragen müsse, sagte Pfuhl. Anschließend beantwortete Plöger noch Fragen aus dem Plenum.  

 Wetterfrösche in der Sonne

Bei seinem Vortrag beim Arbeitskreis der Wirtschaft für Kommunalfragen (AFK) erfuhren die Zuhörer auch, dass Meteorologe Sven Plöger schon wiederholt in Frankenberg war – und auch schon wiederholt im Hotel „Die Sonne“.

 Die Geschichte erzählte Plöger vorab: „Die Sonne ist das Hotel in Deutschland, das ich mit am häufigsten besucht habe“, sagte der Wetterexperte und erklärte, warum: „Das jährliche Treffen der Organisation Metcom, ein Zusammentreffen von Fernseh-Meteorologen zum Austausch von meteorologischen Aspekten, findet immer in der Sonne statt. Das geht in Frankenberg am besten, das ist so schön in der Mitte“, so Plöger. 

Regelmäßiger Teilnehmer dieses Treffens sei auch der Diplom-Meteorologe Gunther Tiersch. Nach Frankenberg kam „Wetterfrosch“ Plöger am Mittwoch übrigens „elektrisch“, also mit der Bahn – „wobei das zum Schluss hier nicht mehr elektrisch war“, merkte er an.

 Was das Bahnfahren angeht, hatte er für sein Publikum einen ganz speziellen Ratschlag: „Ich nehme Bahnfahrpläne nicht mehr als Realität, sondern als Vorschlag. Seit ich so reise, ist das alles völlig entspannt. Und am Ende komme ich immer zum Ziel. Das ging auch auf dem Weg nach Frankenberg gut.“

 Den Weg vom Frankenberger Bahnhof zum Hotel „Die Sonne“ legte Plöger übrigens zu Fuß zurück – bei minus sechs Grad: „Das war fantastisch. Es ist Winter, da darf es auch mal kalt sein. Es ist undramatisch, hierher zu kommen.“

mjx

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare