Brand im Wohnheim: 23 Bewohner mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus

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Marburg. Schon wieder ein Großbrand in Marburg: Am frühen Dienstagmorgen wird die Polizei zum Studentenwohnheim am Richtsberg 88 gerufen. Es ist 4.20 Uhr. Bewohner im neunten Stock des Hochhauses haben gemerkt, dass es brennt.

Bis dorthin und noch zwei Stock höher bis unters Dach ist der Rauch durch Treppenhaus und Lichtschächte gestiegen. Als die Feuerwehr eintrifft, stehen Menschen auf den Balkonen und rufen um Hilfe.

Die Retter vermuten den Brand zunächst weiter oben im Gebäude, dort, wo der Rauch zuerst bemerkt wurde. Schnell wird klar, die Quelle liegt viel tiefer. Das Feuer ist im Keller ausgebrochen, dort herrscht extreme Hitze, und von dort kommt der beißende Qualm, der durchs Haus nach oben zieht.

Aktualisiert um 17.55 Uhr.

Die Feuerwehr sucht den Brandherd, dringt in den Keller vor, muss dabei Türen aufbrechen und sich mühsam vorkämpfen. Später wird einer von ihnen umkippen ob der Anstrengung und ärztlich behandelt werden müssen. Gleichzeitig beginnt die Evakuierung der Bewohner des Gebäudes. 280 Studenten mit Familien sind dort gemeldet. Durchs Treppenhaus können die wenigsten ins Freie, das ist durch den giftigen Rauch blockiert. Die Menschen in den unteren Stockwerken fliehen über die Leitern, die die Feuerwehr dabei hat. Die oberen Etagen werden mit den großen Drehleitern angefahren. Einige Bewohner werden von den Einsatzkräften zunächst in weniger verrauchte Bereiche geleitet und dann von dort aus dem Gebäude geholt. Stockwerk um Stockwerk arbeiten sich die Retter vor.

Jeder, der rauskommt, ob Mann, Frau oder Kind, wird von den Rettungsdiensten in Empfang genommen. Am Ende des Tages werden es 23 Menschen sein, die wegen Rauchvergiftung behandelt werden müssen und ins Krankenhaus kommen. Für alle anderen stehen Stadtbusse bereit, die sie in eine erste Notunterkunft ins Georg-Gassmann-Stadion bringen.

Derweil wird der Keller mit Löschschaum geflutet. Drei Stunden nach der Alarmierung ist das Feuer aus. Die Arbeit der Retter ist aber noch lange nicht getan.

Im zehnten und elften Stock schlagen Feuerwehrleute von innen mit Äxten Scheiben des Treppenhauses heraus. Der Rauch muss abziehen können. Glas fällt auf den kleinen Spielplatz hinter dem Gebäude. Von unten schauen die Feuerwehrleute, die gerade in voller Atemschutzmontur aus dem Haus gekommen sind, zu ihren Kameraden hinauf.

Während auf der Straße die ersten Schläuche wieder eingerollt werden, geht die Evakuierung weiter. Man hört, dass so mancher Bewohner nicht mitkommen will. Das bestätigen Polizei und Feuerwehr zwar nicht. Gut möglich ist es trotzdem, sind doch die Wohnungen selbst nicht ausgebrannt und einige vielleicht sogar rauchfrei geblieben.

Trotzdem: Den Keller hat das Feuer zerstört und mit ihm wohl auch Stromleitungen und Sicherungskästen. Eventuell muss sogar das gesamte Gebäude grundsaniert werden, bevor es wieder sicher bewohnt werden kann. Dann müssten die Menschen länger in den Notunterkünften bleiben, die Stadt, Studentenwerk und DRK kurzfristig eingerichtet haben, oder anderswo untergebracht werden.

Wie das Feuer entstanden ist, das 260 Einsatzkräfte der Feuerwehren, der Rettungsdienste DRK, Johanniter und Malteser sowie der Polizei auf dem Plan gerufen hat, weiß bislang keiner.

Von Birgit Heimrich

Quelle: HNA

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