Sportverein in Rosenthal

TSV findet keinen neuen Vorsitzenden

Streitobjekt großer Saal der Kulturhalle: Bei der Sanierung 2010/11 waren Ringe und Taue abmontiert worden, die TSV-Turner fordern, dass sie wieder aufgehängt werden. Doch der Magistrat weigert sich wegen der „optischen Wirkung“.

Rosenthal - Droht dem TSV erneut eine Führungskrise? Nicht zum ersten Mal meldet sich kein Kandidat.

Beim Punkt Wahlen war am Freitagabend Schluss: Wie befürchtet fand sich kein Kandidat, der den Vorsitz übernehmen wollte. Ergebnislos musste die Jahreshauptversammlung im kleinen Saal der Kulturhalle abgebrochen werden. In den nächsten sechs Monaten muss sich eine neue Führung finden, sonst droht die Auflösung des 110 Jahre alten TSV - er ist mit 900 Mitgliedern der größte Verein der Stadt.

Der bisherige Vorsitzende Heinrich Balzer hatte schon vor einem Jahr erklärt, dass er aus beruflichen, gesundheitlichen und familiären Gründen nicht wieder antreten werde. Seit vier Jahren steht er an der Spitze. „Mir fehlt einfach die Kraft, die Zeit und die innere Stärke, die man braucht, um einem Verein wie den TSV vorzustehen“, sagte er am Freitag.

Schon im Vorfeld war versucht worden, einen Nachfolger zu gewinnen - vergeblich. Das ganze Jahr über habe das Thema den Vorstand beschäftigt, sagte Balzer. 20 Mitglieder seien angesprochen worden, „bis heute Abend ohne Erfolg“.

So versuchte es der Vorstand in der Versammlung ein letztes Mal: Balzer rief den Punkt Neuwahlen auf, zum Wahlleiter wurde einmütig Fredy Lerch bestimmt. Doch auch auf seinen Aufruf hin fand sich im Saal kein Kandidat, so wurde die Versammlung abgebrochen.

Die Situation ist den Sportlern nicht unbekannt - schon mehrmals gab es solche Krisen. Bereist 1987 reaktivierte der Verein nach vergeblicher Kandidatensuche in seiner Not seinen Ehrenvorsitzenden, den damaligen Sportkreis-Vorsitzenden Christian Klingelhöfer, der vor wenigen Wochen gestorben ist. Als Übergangs-Vorsitzender blieb er bis 1993, dann übernahm Winfried Lerch den Posten. Als er im Jahr 2000 aufgab, drohte die nächste Krise, erst nach drei Monaten der Diskussion kandidierte der damalige Fußball-Spartenleiter Fred Lerch - unter der Bedingung, dass der Vorstand die Aufgaben als Team auf mehrere Schultern verteilte. Der Wechsel von Helmut Finger zu Heinrich Balzer im März 2009 lief hingegen reibungslos.

Bei den Abteilungen seien alle Vorstände besetzt, betonte Balzer.

Gerald Lanz benannte einige Kritikpunkte: Er fragte, was ein Verein ist. Er sei seit 25 Jahren im TSV, in dieser Zeit habe sich der Verein nicht bewegt und verändert. Ihm sei ein Verein lieber, der klein und gesund sei als groß und krank.

Auch Ute Dersch von der Turnabteilung hatte Kritik vorzubringen. Erneut bemängelte sie, dass sich der Magistrat nach der Sanierung des großen Saales 2010/11 weigere, wieder die Ringe und Taue aufzuhängen. Er argumentiert, der Montage stehe die „optische Wirkung des Saales entgegen“, die wegen der auch „kulturellen Nutzung der Halle“ angestrebt werde.

von Gustav Siemon

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