Frankenberg

FingerHaus investiert in den Standort

- Frankenberg (jos).Die Firma FingerHaus investiert derzeit mehr als fünf Millionen Euro in den Standort Frankenberg. Seit Anfang 2009 hat das Unternehmen 86 neue Mitarbeiter eingestellt und beschäftigt damit insgesamt 432 Menschen.

Bescheidenheit ist der dreiköpfigen Geschäftsführung eine wichtige Tugend. Deswegen betonen Klaus Cronau, Mathias Schäfer und Willi Schäfer bei ihrer „Wirtschafts-Pressekonferenz“ wohl auch immer wieder: Das Unternehmen setze keinesfalls auf Expansion um jeden Preis. Vielmehr gehe es darum, in einem hart umkämpften Markt „behutsam“ zu wachsen und dabei vor allen Dingen hohen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden. Die aktuellen Investitionen am Standort in der Auestraße hätten demnach auch nichts mit „Größenwahn“ zu tun, unterstreicht Klaus Cronau. Der knapp 2500 Quadratmeter große Anbau an Halle I sei lediglich die konsequente Umsetzung der von langer Hand geplanten Werkserweiterung. Ursprünglich sei das Werk nämlich auf die Produktion von 350 Häusern pro Jahr ausgelegt gewesen. Doch im vorigen Jahr hat das Unternehmen 590 Häuser gebaut – und dieses Jahr sollen es laut aktuellen Planungen 620 werden. Rund vier Millionen Euro lässt sich Finger die Erweiterung kosten. Neben der Halle wird auch in Maschinen investiert. An einer sogenannten Riegelwerkstation etwa soll die Produktion von Hauswänden weiter automatisiert werden. „Der Mensch ist an dieser Stelle aber nach wie vor viel wert“, betont Cronau. Durch die neue Halle mit all ihrer Technik könne das Unternehmen im zweiten Halbjahr 2010 vom Drei-Schicht-Betrieb wieder auf den Zwei-Schicht-Betrieb umstellen. Derzeit wird bei FingerHaus von Montag bis Freitag Tag und Nacht produziert, außerdem gibt es eine Frühschicht am Samstag. Künftig sollen die Nachtschichten wegfallen. „Das ist eine große Entlastung für die Mitarbeiter“, erklärt Willi Schäfer. Neben den Investitionen in die Produktion hat FingerHaus für 1,2 Millionen Euro Photovoltaik-Anlagen gekauft. Die Module erzeugen auf insgesamt mehr als 3500 Quadratmetern Dachfläche etwa 500 Kilowattstunden Strom. Wie berichtet hat das Frankenberger Traditionsunternehmen im vorigen Jahr eine Kellerbaufirma übernommen. Investitionssumme: 1,5 Millionen Euro. Außerdem hat die Firma etwa 1,2 Millionen Euro in Vertriebsstandorte investiert – weitere Musterhäuser wurden in Nürnberg und Kassel errichtet, daneben wurde­ der Vertriebsstützpunkt in Berlin gestärkt. Die Zahl der Mitarbeiter ist indessen auf 432 gewachsen, davon sind 28 Auszubildende. 366 Mitarbeiter sind bei FingerHaus in Frankenberg beschäftigt, hinzu kommen 33 Mitarbeiter bei FingerKeller. Bei FingerHolzbau in Bottendorf, der „Geburtsstätte“ des Unternehmens, sind derzeit 33 Menschen beschäftigt. Insgesamt wurden seit Anfang 2009 bei der Finger-Gruppe 86 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die wirtschaftliche Gesamtleistung des Unternehmens stieg im Jahr 2009 auf etwas mehr als 100 Millionen Euro, für 2010 peilt die Geschäftsleitung ein Ergebnis von 103 Millionen Euro an. „Behutsames Wachsen“ bleibe auch langfristig die Unternehmens-Strategie, erklärt Mathias Schäfer. Wobei das nicht unbedingt bedeute, dass mehr Häuser gebaut werden. „Das Service-Paket wird größer“, sagt der Geschäftsführer. Außerdem sei es wesentliches Ziel des Fertighausherstellers, weiterhin eine hohe Zufriedenheit der Kunden zu erreichen. Da die Zahl neuer Häuser in Deutschland insgesamt kleiner werde, bedeute schon eine Stabilisierung der aktuellen Produktion, dass der Marktanteil von FingerHaus wachse. „Behutsam“ gehe FingerHaus auch die Märkte in den Nachbarländern an. Vor allen Dingen den Vertrieb in das deutschsprachige Ausland wolle man Schritt für Schritt weiter ausbauen. Aber beispielsweise auch in Frankreich sei handwerkliche Qualität aus Deutschland gefragt. Von sehr großer und immer noch weiter wachsender Bedeutung ist für das Unternehmen der Einsatz erneuerbarer Energien – 80 Prozent aller Häuser, die das Frankenberger Werk verlassen, werden später mit regenerativer Energie beheizt. Beim Heizen mit Erdwärme ist FingerHaus Marktführer, bereits 2300 Wärmepumpen hat das Unternehmen in ganz Deutschland verkauft. Als erster Fertighaushersteller überhaupt hat Finger für das Musterhaus „Medley“ in Kassel das Gütesiegel „Effizienzhaus“ der Deutschen Energie-Agentur dena erhalten. So gesund das Unternehmen wirtschaftlich auch aufgestellt ist, bereitet ein Thema der Geschäftsleitung doch Kummer: Das Nachtfahrverbot auf der Bundesstraße 252. „Wir verstehen die Sorgen der Anwohner sehr gut“, betont Willi Schäfer. Doch an den wöchentlich rund 45 Lkw-Nachtfahrten der Firma FingerHaus führe kein Weg vorbei. Denn die meisten Fertighäuser aus Frankenberg werden eben nicht in der Region, sondern deutschlandweit aufgestellt. Und weil das Richten der Häuser nun mal morgens in der Frühe beginnen müsse, müssten die Lastwagen dementsprechend auch schon in der Nacht das Werk verlassen, betont Klaus Cronau.

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