Bottendorf

Finnische Sommernacht auf der Linnermühle

- Burgwald-Bottendorf (ug). Mit der „Finnischen Sommernacht“ auf der Linnermühle fand am Samstagabend zum ersten Mal eine Kulturveranstaltung des „Kultursommers Nordhessen“ in der Gemeinde Burgwald statt.

Im vergangenen Oktober hatte Bürgermeister Lothar Koch Kontakt nach Kassel aufgenommen, um Burgwald als Veranstaltungsort für den „Kultursommer Nordhessen“ anzubieten. Nach einer Besichtigung möglicher Spielorte durch Projektleiterin Margit Schumann fiel die Auswahl auf die Linnermühle. Passend zu der romantischen Umgebung mit den hohen Bäumen am Bachlauf wurde das Programm ausgewählt. Und die Linnermühle bot tatsächlich das ideale Ambiente für Musik und Verse aus dem finnischen Nationalepos „Kalevala“. Die „Finnische Sommernacht“ war Teil des Europäischen Märchen- und Sagenfestes am vergangenen Wochenende, das bereits auf das Jubiläum „200 Jahre Märchenland Nordhessen“ im Jahr 2012 hinweist. Jacob Grimm besuchte bei seinen zahlreichen Reisen auch Finnland und schrieb 1845 von alten nordischen Barden, die begleitet von Instrumenten das Volksepos der Finnen vortrugen. Dank der Mithilfe des Heimat- und Kulturvereins Bottendorf erhielten etwa 100 Besucher Einblicke in die Geschichte und Kultur Finnlands. Armin Diedrichsen und Jochem Wolff stellten das Land im hohen Norden vor. Sie rezitierten Verse aus dem Kalevala-Epos, die von dem finnischen Gelehrten Elias Lönnrot gesammelt und erstmals vor 175 Jahren in einer Sammlung veröffentlicht wurden. Der Kalevala-Epos besteht aus mehr als 20 000 Versen und ist dem Nibelungenlied und der Odyssee gleichzusetzen. Das Epos spielt in der Eisenzeit und wurden durch Bardensänger verbreitet. Zu seiner Zeit sei es wie eine Zeitung gewesen, da es Ereignisse von Region zu Region weitertrug. Auch die Herstellung der Kantele ist in dem Epos beschrieben. Das ursprüngliche fünfsaitige Instrument wurde aus „Fischbein“ hergestellt. Die beiden finnischen Musiker Sinikka und Matti Kontio hatten am Samstag verschiedene alte und neue Kantelen mitgebracht, aber auch Hirtenflöten, Streichleier und Tastengeige. Das Ehepaar verzauberte die Besucher mit Gesang und Instrumentalmusik und bei zwei Liedern durften alle mitsingen. Der Zauber und die Fröhlichkeit der hellen Nächte im Sommer und die Schwermütigkeit der langen dunklen Winter wurde durch die Musik deutlich spürbar. Dabei sorgten besonders die Töne der Mückenflöte für Erheiterung. Auch das Mitzählen beim 5/4-Takt war eine Herausforderung für alle Hobbymusiker im Publikum. Besonders tragisch ist das Lied „Kullervo zieht in den Krieg“: Der junge Mann fragt seinen Vater „Würdest du mich beweinen, wenn ich im Krieg sterbe?“ „Nein, wir machen einen besseren Sohn“, antwortet der Vater. Dies verdeutlicht, dass die Kalevala kein kriegerisches Epos ist. Es gewinnt der Kämpfer mit dem besten Zaubergesang und nicht der mit dem besten Schwert.

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