Gemünden

Firma Depro verpackt Schokoladenspezialitäten und veranstaltet Konzerte

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- Gemünden (jos). Für eine Gebühr von drei Mark hat Michael Deuker vor 25 Jahren ein Gewerbe angemeldet. Startkapital: 3000 Mark. Heute setzt sein Unternehmen im Schnitt neun bis elf Millionen Euro pro Jahr um.

Deukers Firma Depro steht auf mehreren Beinen: Der bekannteste und älteste Unternehmenszweig ist die Konzertabteilung. Kein Wunder, denn immerhin haben durch die Veranstaltungsexperten schon Größen wie Udo Lindenberg oder Joe Cocker in der Wohrastadt gastiert. Den mit rund 60 Prozent größten Anteil am Umsatz der Firma Depro macht allerdings die Verpackung von Süßwaren aus.

Seit 1989 werden in Gemünden verschiedene Süßigkeiten in Kartons gesteckt und versandfertig verpackt. In der einstigen Arztmöbelfabrik Hartmann liegen die Anfänge der Produktion. „Nach dem Mauerfall haben wir vor allen Dingen den Osten bedient“, erinnert sich Firmenchef Deuker.

Von Beginn an war das Unternehmen auf Expansionskurs: Beschäftigten Deuker und sein damaliger Geschäftspartner anfangs noch drei bis vier Mitarbeit, wuchs die Anzahl der Beschäftigten schnell auf 20. Im Jahr 1991 zahlte Deuker seinen Partner aus und führte das Unternehmen alleine weiter. Ab 1994 ging die Zahl der Beschäftigten rapide bergauf: Seitdem produziert Depro in der ehemaligen Seidensticker-Fabrik. Heute hat Deuker rund 120 Festangestellte sowie im Schnitt rund 800 Saisonkräfte.

Saison ist in der Verpackungs-Produktion immer von August bis März. In dieser Zeit verlassen täglich rund tausend Paletten mit Süßigkeiten die rund 10 000 Quadratmeter große Produktion. Die Süßwaren werden aus Stadtallendorf angeliefert und gehen dann von Gemünden aus in verschiedene Regionallager und von dort in die ganze Welt. Um eines sind die Mitarbeiter gerade bei Außentemperaturen von mehr als 30 Grad zu beneiden: In der Halle ist es im Schnitt 18,2 Grad frisch. Und es duftet nach Schokolade und Nüssen ...

Während anfangs fast alles von Hand ablief, haben seit etwa zehn Jahren große Maschinen bei Depro Einzug gehalten. Erst voriges Jahr ist eine neue, rund 4,7 Millionen Euro teure Anlage für die Verpackung von Zartbitterprodukten in Betrieb genommen worden. Dennoch sind nach wie vor viele Schritte manuell zu erledigen. Rund 80 Prozent der Saisonkräfte sind laut Deuker Hausfrauen. Auch viele Spätaussiedler sind in der Fabrik beschäftigt.

In der Sommerpause sind die Festangestellten entweder für die Wartung der Maschinen zuständig – oder sie arbeiten für die Konzertabteilung, denn die organisiert nicht nur Veranstaltungen, sondern verfügtauch über einen eigenen Fuhrpark und liefert damit vom Gemündener Lager aus das nötige Equipment von der Bühne über Bestuhlungen bis hin zu Absperrgittern.

Obwohl sowohl Süßwaren als auch Konzertbesuche gewissermaßen „Luxus“ sind: Auch in der Wirtschaftskrise laufen die Geschäfte bei Depro gut, erklärt Deuker. „Die Lebensmittelbranche ist zum Glück nicht so sehr betroffen“, sagt er. Und auch gute Unterhaltung sei nach wie vor gefragt. Sicherheitshalber hatte Depro zwar frühzeitig Kurzarbeit beim Arbeitsamt angemeldet. Doch bislang habe das Unternehmen kaum darauf zurückgreifen müssen, so Deuker.

Derzeit laufen in der Produktion alle Maschinen rund um die Uhr, gearbeitet wird in drei Schichten. In der Konzertabteilung ist die Open-Air-Saison nach dem Status-Quo-Konzert in Stadtallendorf abgeschlossen, die meisten Mitarbeiter sind jetzt im Urlaub. Im Spätherbst beginnt für sie dann die Hallensaison.

Um ein Unternehmen erfolgreich zu führen, brauche man auch ein Quäntchen Glück, gesteht Deuker – „und das hat uns bislang nie verlassen.“ Wenn auch derzeit keine konkreten Erweiterungen geplant sind, sieht er durchaus Expansions-Potenzial in allen Unternehmenszweigen. Was er sich dafür allerdings dringend wünscht, ist eine bessere Verkehrsanbindung.

„Sicher kann man nicht überall Autobahnen bauen“, sagt Deuker. Generell sei der Weiterbau der A 49 und auch der Bau einer kreuzungsfreien Bundesfernstraße von Olpe nach Hattenbach aus Unternehmenssicht absolut wünschenswert. In jedem Fall müsse der Lkw-Verkehr aus der Stadt Gemünden raus, findet Deuker, denn der Verkehr sei verantwortlich für das „Aussterben“ des Einzelhandels im Steinweg.

Alleine 30 voll geladene Lastzüge verlassen täglich die Depro-Produktion mit fertig verpackten Süßwaren, so Deuker. Hinzu kommen die Anlieferungen und die Fahrten mit dem Veranstaltungsequipment.

Mit einer Veranstaltung hat Deuker im Übrigen das Startkapital für das florierende Unternehmen verdient: 3000 Mark waren nach der Organisation eines Discoabends im Amöneburger Ortsteil Rosdorf „übrig geblieben“. Mit diesem Geld und dem Verdienst aus seiner Tätigkeit als Bank- und Versicherungskaufmann hat Deuker das Unternehmen aufgebaut. Bis heute hat der 50-Jährige auch das Versicherungsgeschäft nicht „abgestoßen“. Es bildet den dritten Unternehmenszweig, in dem zwei Mitarbeiter beschäftigt sind.

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